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Umstrittenes Bauprojekt „Neustifter Feld“: Gestaltungsbeirat fällt Urteil

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Von: Andreas Beschorner

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Man sieht eine Zeichnung der mögliche Quartiersmitte des Wohnareals auf dem „Neustifter Feld“
Ein erster Blick auf die mögliche Quartiersmitte des Wohnareals auf dem „Neustifter Feld“ zwischen Hermann- und Hochackerstraße. © Illustration: planetz Architektenpartnerschaftsgesellschaft mbB

Das Wohnbauprojekt „Neustifter Feld“ sorgt bei den Anwohnern für emotionale Debatten. Jetzt hat der Gestaltungsbeirat der Stadt Freising ein Urteil gebildet.

Freising – Es musste der Bebauungsplan mit der Nummer 162 kommen, damit sich der Gestaltungsbeirat der Stadt Freising nach vielen Monaten wieder einmal zu einer Sitzung traf. Die Pläne, die ein privater Investor für das „Neustifter Feld“ hat und seit Monaten in dem Freisinger Stadtteil für Diskussionen sorgen, wurden am Montag dem Expertengremium in Person von Rudolf Hierl und Moritz Auer vorgestellt.

Deren Urteil war deutlich: Die Bebauungsstudie sei ein „sehr qualitätsvoller Beitrag“. Lob für Architekt Johannes Petzl: „Anerkennung von unserer Seite“, so das Architektenduo Hierl und Auer. Dass es sich bei den Plänen um ein „emotionales Thema“ handele, wusste nicht nur Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher. Auch das Stadtplanungsamt war sich nach etlichen Bürgereinwänden der Brisanz bewusst, hat deshalb im vergangenen Monat eine 37 (!) Seiten umfassende Broschüre herausgegeben und an die Anwohner verteilt, in der die Planungsschritte dargelegt und Antworten auf bestehende Fragen gegeben werden. Für den OB war die bis hierher vorliegende Gestaltungsstudie schon einmal „ein guter Start“.

Planer gehen auf Kritik der Anwohner ein

Was da nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge entstehen soll, erläuterte Petzl in Grundzügen: Wegen der Kritik der Anwohner habe man die Wandhöhen reduziert, maximal vier Geschoße sollen die Gebäude aufweisen – abgesehen vielleicht von einem „Hochpunkt“ im Nordwesten, der siebengeschoßig ausfallen soll.

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Wichtig, so Petzl: Das Areal stelle keine Planung auf einer grünen Wiese dar, sondern entstehe in einem lebendigen Viertel. Deshalb würden eben nicht nur Wohnungen geschaffen, sondern auch neue Wegeverbindungen, im Norden sei eine Kita geplant, im Süden ein Mobilitätszentrum – Teil eines „ambitionierten Mobilitätskonzepts“, das den motorisierten Individualverkehr reduzieren soll.

Trotzdem werde man eine Tiefgarage bauen, auf den Flachdächern seien Dachbegrünung und Solarstromanlagen geplant. Außerdem: 80 neue Bäume wolle man pflanzen, und das auf einem Areal, das bisher als landwirtschaftliche Fläche genutzt werde und deshalb weder Baumbestand noch naturschutzrechtlich relevante Lebewesen aufweise.

Hochpunkt: OB fürchtet erneute Diskussionen

Auer bezeichnete die Pläne als „sehr ausdifferenziert“, sprach von einer „guten Ausgewogenheit“ zwischen Bebauung und Freiflächen. Hierls Urteil: Die Planung sehe nur einfach aus, aber man merke, „dass da jemand lange darüber gebrütet hat“. Die Wohnqualität werde hoch sein, die Wegeverbindungen werden das Quartier in den städtebaulichen Kontext einbinden. Und der siebengeschoßige Hochpunkt sei „völlig richtig“, so die Ansicht von Hierl und Auer, diene er doch als Orientierungspunkt und stehe in einem guten Dialog zum Neustifter Kirchturm.

Architekt Rudolf Hierl äußerte sich zu dem umstrittenen Bauprojekt.
Architekt Rudolf Hierl vom Gestaltungsbeirat kommt zu dem Schluss, dass ein siebenstöckiger Hochpunkt städtebaulich sinnvoll ist. © Foto: Archiv

Die Bedenken des OB, dies könne wieder zu emotionalen Diskussionen in der Bevölkerung führen, beantwortete Hierl so: Städtebaulich sei dieser Hochpunkt sinnvoll – als „Dominante“, die das Ganze stabilisiere. Und Auer: Das neue Quartier müsse eine gewisse Eigenständigkeit in der Art der Bebauung aufweisen, weil man dem heterogenen Umfeld eh nicht zur Gänze gerecht werden könne. Aber genau diese Eigenständigkeit „kann auch die große Qualität des Viertels sein“.

Die Frage von Hartmut Binner (ÖDP), wie viele Menschen in dem Viertel wohnen werden, konnten weder Petzl noch der Investor zum jetzigen Zeitpunkt genau sagen. Hierl nannte eine Standard-Faustformel: Bei einer Wohnfläche von 15 000 bis 16 000 Quadratmeter könne man von 160 bis 170 Wohnungen ausgehen – multipliziert mit dem Faktor 2,3 komme man auf rund 350 Bewohner. Die „herumschwirrende“ Zahl von 800 Bewohnern, die Binner erwähnte, sei eben etwas, das in einer „emotionalen Diskussionen“ immer mal vorkomme, so der OB.

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