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Durch die Bäume gelinst: Von Goldshausen aus breitet sich vor dem Betrachter ein großes Baustellen-Panorama aus. Die Nordostumfahrung wird hier an die Staatsstraße 2350 angeschlossen.

Umstrittenes Projekt

Nordostumfahrung Freising: Entscheidende Phase beginnt - Kosten massiv gestiegen

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An der Nordostumfahrung scheiden sich die Geister. Nicht alle sind von dem millionenschweren Straßenbauprojekt begeistert. Das geht jetzt in die entscheidende Phase.

Freising – Die Bagger schaufeln, die Arbeiter schuften. Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Spatenstich geht es mit der Nordostumfahrung Freising voran. Wie Hans Jörg Oelschlegel vom Staatlichen Straßenbauamt Freising mitteilt, soll der Verkehr auf der 4,2 Kilometer langen Strecke ab Herbst 2020 rollen. „Wir liegen voll im Zeitplan.“ Es würde bedeuten, dass das Mammutprojekt exakt 30 Jahre nach den ersten Vorplanungen im Jahr 1990 fertiggestellt würde.

Pro und kontra

So wie die Umfahrung der B 301 künftig das tertiäre Hügelland im Osten von Freising durchschneidet, spaltet es auch die Bevölkerung. Die Befürworter des Straßenprojekts versprechen sich davon eine Entlastung des städtischen Straßennetzes. „Mit dem Neubau der Nordostumfahrung werden künftig die Ortsdurchfahrten von Freising und Tüntenhausen vom Durchgangsverkehr entlastet“, betont Oelschlegel. In Zahlen: Von derzeit 26 400 Kfz-Bewegungen auf der Mainburger Straße in Freising werden dann laut Statistik 7800 Fahrzeuge die neue Umfahrung nutzen. Darüber hinaus wird die Flughafenanbindung von Norden verbessert und eine direkte Verbindung zwischen B 301 und Staatsstraße 2350 und damit zur A 92 östlich von Freising geschaffen.

„Mit dem Erholungsraum ist es vorbei“: Der Kahlschlag, der für den Bau der B 301-Nordostumfahrung notwendig war, hat die Naturschützer rund um Manfred Drobny (l.) erbost.

 

Kritiker des Straßenprojekts beklagen den Kahlschlag, der für den Bau der Straße notwendig war, und damit die Zerstörung des Erholungsraums. Manfred Drobny vom Bund Naturschutz glaubt auch nicht an eine Lösung des Verkehrsproblems. Staus würden nur an andere Orte verlagert.

Kosten

Das Staatliche Bauamt rechnet aktuell mit Gesamtkosten von 42 Millionen Euro für den Bau und den Grunderwerb. 2016 beim Spatenstich war man noch von 29 Millionen ausgegangen. „Die Hochkonjunktur in der Bauwirtschaft ist auch an der Nordostumgehung Freising nicht vorbeigegangen“, räumt Oelschlegel ein. „Gerade im Brückenbau gab es bei den Ausschreibungen deutliche Preissteigerungen.“ Allerdings habe sich auch der Umfang der Bauleistungen geändert. So sollten zwei Brücken der „alten“ B 11 am Südanschluss zunächst saniert werden. Aufgrund ihres schlechten Zustands wurden sie aber durch neue Brücken ersetzt.

15 Millionen werden allein heuer verbaut – an allen Ecken und Enden der B 301-Umfahrung. Oelschlegel erläutert die diesjährigen Maßnahmen im Einzelnen.

Südanschluss

Dort, wo das südliche Ende der Umfahrung an die Staatsstraße 2350 angeschlossen wird, laufen seit 2017 Straßen- und Brückenbauarbeiten. Jetzt geht es auf die Zielgerade: „Noch in diesem Jahr sollen die Maßnahmen in diesem Bereich abgeschlossen werden“, berichtet Oelschlegel.

Am südlichen Ende der Umfahrung an der Staatsstraße 2350 bei Marzling sind die Baufahrzeuge massiv im Einsatz. Dort werden derzeit eine Brücke, Verbindungsrampen mit den bestehenden Straßen und ein Regenrückhaltebecken errichtet.

In Bau sind derzeit noch eine Brücke, Verbindungsrampen mit den bestehenden Straßen und ein Regenrückhaltebecken.

Streckenbau

Die 4,2 Kilometer lange Strecke zwischen dem Südanschluss und dem Nordanschluss bei Erlau ist seit Herbst 2018 in Bau. In diesem Jahr finden umfangreiche Erdarbeiten statt. „Für die Herstellung der Straßenein-schnitte und Dämme werden rund 300 000 Kubikmeter bewegt“, sagt Oelschlegel. 

Bis zum Jahresende laufen auch die Arbeiten für die Straßenentwässerung, etwa die Verlegung von Leitungen und der Bau von Rückhaltebecken. Wenn es die Witterung im Herbst zulässt, soll 2019 auch noch die unterste Asphaltschicht der Straße eingebaut werden. Die abschließenden Asphaltierungsarbeiten sind dann für nächstes Jahr geplant.

Brückenbau

Im Frühjahr 2019 haben die Bauarbeiten für vier Brücken begonnen: eine über einen Feldweg südlich von Altenhausen, eine über die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Tüntenhausen und Zurnhausen, eine über einen Feldweg südlich von Erlau und eine über den Radweg von Tüntenhausen nach Zolling. Diese Brücken sollen bis Ende des Jahres fertiggestellt werden.

Auf 4,2 Kilometern erstreckt sich die Nordostumfahrung (blau). Baustellen übersähen sie derzeit.

. Brücke über Feldweg südlich von Altenhausen: Mit den Bauarbeiten wurde im März 2019 begonnen. Derzeit wird das nördliche Brückenwiderlager hergestellt. Die Fertigstellung ist im Herbst 2019 vorgesehen.

. Brücke über die Gemeindeverbindungsstraße Tüntenhausen – Zurnhausen: Seit Frühjahr laufen die Bauarbeiten. Derzeit findet der Baugrubenaushub statt. Zudem wird eine sogenannter „Vollverdrängungsfeststoffsäule“ hergestellt, die der späteren Gründung der Brücke und des Straßendamms dient. Dabei handelt es sich um acht Meter lange Betonsäulen (Durchmesser: 40 Zentimeter). Die Bauarbeiten werden 2019 fertiggestellt.

. Brücke über den öffentlichen Feldweg südlich von Erlau: Mit den Bauarbeiten wurde im Frühjahr begonnen. Aktuell werden die Fundamente hergestellt. Fertigstellung: Ende 2019.

. Brücke über den Geh- und Radweg Tüntenhausen – Zolling: Auch hier ging es im Frühjahr los. „Derzeit finden Erdarbeiten für die Verlegung der Fernwärmeleitung statt“, berichtet Oelschlegel. Die Maßnahme soll 2019 abgeschlossen werden.

Nordanschluss Erlau

Bis Herbst wird die bestehende Fernwärmeleitung umverlegt. Die Ausschreibung der Straßenbauarbeiten erfolgt laut Oelschlegel ebenfalls 2019. „Die Bauarbeiten in Erlau werden voraussichtlich von Mitte bis Ende 2020 stattfinden.“

Sperrung

Geplant war, die Sperrung der Auffahrt und Abfahrt zur Staatsstraße 2350 bei Marzling ab 17. Mai zeitweilig aufzuheben. Aufgrund der Baustellen-Situation dort hat das Bauamt aber umgedacht. Die Sperrung am Südanschluss bleibt bestehen – wohl bis Ende Juni.

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