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Biometrisch reicht nicht mehr: Um Passbilder noch sicherer zu machen, plant das Bundesinnenminister Horst Seehofer ein neues Gesetz.

Neues Gesetz geplant

Passfotos vom Staat: Fotografen im Kreis Freising fürchten „gravierende Folgen“

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Der Staat will Passfotos künftig selber machen, um Fälschungen zu verhindern. Für Fotografen ist das ein echtes Problem. Im Kreis Freising fürchten sie „gravierende Folgen“.

Landkreis – Der Gang zum Fotografen, um ein neues Bild für Personalausweis oder Reisepass erstellen zu lassen, gehört bald der Vergangenheit an – wenn es nach dem Plan von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geht. Damit Passfotos nicht mehr gefälscht werden können, sollen Behörden die Bilder künftig selber machen. Die Technik dafür will der Bund stellen. Fotografen im Landkreis bangen daher um ihre Existenz.

Begründung ist „ein Witz“

„Wenn das Gesetz kommt, hat das gravierende Folgen für unseren Berufsstand“, sagt Katrin Bernhard, Inhaberin des Studios Fotoprofile in Neufahrn. Etwa ein Viertel ihres Geschäfts würden Passbilder ausmachen. „Fällt dieses Standbein weg, wackelt der Tisch gewaltig.“ Zudem werde sich ein Fotograf mit gemischtem Angebot ohne diesen Service nicht mehr im Ortskern halten können, sagt Bernhard, die seit 18 Jahren in Neufahrns Zentrum ansässig ist.

Der Grund für das geplante Gesetz, die Verhinderung des sogenannten „Morphings“, wobei mehrere Bilder zu einem verschmolzen werden, hält Bernhard für „einen Witz“. Ein Personalausweis ist zehn Jahre lang gültig, betont die Fotografin. In dieser Zeit könne sich jeder Mensch verändern – durch Gewichtsab- oder zunahme, Krankheit oder eine OP. „Dann ist das Gesicht auch nicht mehr identisch mit dem auf dem Ausweis“, sagt Bernhard. „Ein Foto kann ohnehin nur eine schnelle visuelle Bestätigung sein – und nie so exakt wie etwa ein Fingerabdruck.“

Ministerium argumentiert mit weniger Bürokratie

Dem Bundesinnenministerium geht es aber nicht nur um Fälschungssicherheit. Bürokratie könnte dadurch zusätzlich abgebaut werden. Die rund 11.000 Automaten oder Kameras, die der Bund für 177 Millionen Euro künftig für die Behörden anschaffen und in den ersten fünf Jahren warten will, sollen die Bilder digital übertragen. Wer ein neues amtliches Dokument braucht, müsse nur noch zum Amt – der Gang ins Fotostudio könne er sich künftig sparen.

Warum die Bildübermittlung mittlerweile nicht ohnehin rein digital erfolge, fragt sich Herbert Bungartz, der in Freising das gleichnamige Fotostudio seit 30 Jahren betreibt, schon lange. „Die Fotos werden digital gemacht, für den Kunden ausgedruckt, er trägt sie zum Amt – da werden sie wieder eingescannt“, Dabei könnte der Fotograf die Fotos gleich per Mausklick schicken, der Kunde brauche sie gar nicht bekommen. Dann wäre auch die Sicherheit gegeben, dass kein Dritter etwas manipulieren könne, sagt Bungartz.

Kleinere Läden „können zumachen“

Zugleich könnten die Fotografen so ihr Geschäft sichern. Bungartz erstellt pro Jahr Passbilder für etwa 800 Kunden. „Mit der geplanten Neuregelung würde also ein erheblicher Teil des Umsatzes wegbrechen.“

Gerade kleinere Läden, „die sich auf Passbilder spezialisiert und kein anderes Standbein haben, können zumachen“, sagt Fritz Wagenseil. Laut Inhaber des gleichnamigen Fotostudios in Nandlstadt treffe dieses Los nicht wenige.

Hoffen auf eine Petition

Im Fotostudio Wagenseil in Nandlstadt mache die Passbildfotografie etwa 30 bis 40 Prozent des Geschäfts aus. Mit Hochzeitsfotografie und Außenaufnahmen ist Wagenseil „zum Glück etwas breiter aufgestellt“. Da diese Bereiche auch nur begrenzt ausbaufähig seien, rechnet er mit deutlichen Einbußen – und hofft auf die Petition, die die zuständige Berufsgenossenschaft offenbar plant. „Gerade wird ja sehr viel Wind gemacht“, sagt Wagenseil, der seit 21 Jahren in der Marktgemeinde ansässig ist. Er hofft nun, dass letzten Endes alles weniger dramatisch kommt, als derzeit befürchtet.

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