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Verbundspfleger Josef Geißdörfer (hier bei der Kirchensanierung von St. Peter und Paul 2017) ist enttäuscht über das Vorgehen des Ordinariats.

Vor vollendete Tatsachen gestellt

Pfarrverband Neustift soll Teil einer „Stadtkirche“ werden: Verantwortliche sauer

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In der Kirchenlandschaft der Domstadt steht ein gewaltiger Umbruch an: Der Pfarrverband Neustift soll bald einer Freisinger „Stadtkirche“ angehören. Die Verantwortlichen fühlen sich übergangen.

Freising – In der Kirchenlandschaft der Domstadt steht ein gewaltiger Umbruch an: Wie jetzt bekannt wurde, soll der Pfarrverband Neustift, dessen rund 5800 Gläubige auf etwa 120 Jahre Eigenständigkeit zurückblicken können, mit St. Korbinian und Lerchenfeld zu einer „Stadtkirche“ verschmolzen werden. Die Gremien des Pfarrverbands Neustift sind sauer und enttäuscht, denn das Ordinariat habe sie bei der Planung übergangen.

Neustifter Gremien vor vollendete Tatsachen gestellt

Die erste spürbare Änderung gibt es bald: Der derzeitige Seelsorger Pater Mariasoosai Arulandu kehrt nach Indien zurück. Weil nach offizieller Lesart kein geeigneter Nachfolger in Sicht ist, wird Dekan Peter Lederer den Verband ab 1. Juni mitverwalten.

In Neustift sind Pfarrverbandsvorsitzende Brigitte Knoepffler und Verbundspfleger Josef Geißdörfer verärgert: Sie seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „Als im vergangenen Herbst klar war, dass Pater Mariasoosai wieder nach Indien zurückkehrt, ging man davon aus, in die Planungen mit einbezogen oder in einem persönlichen Gespräch gehört zu werden“, erklärt Brigitte Knoepffler. Aber: komplette Fehlanzeige. Dazu schreibt Ursula Hinterberger von der Pressestelle der Erzdiözese: „Die Bistumsleitung ist frei in der Vergabe der Pfarreien und hat dies so entschieden. In der Umsetzung, etwa was das Pastoralkonzept betrifft und zukünftige Gremienstrukturen, werden die gewählten Gremienmitglieder selbstverständlich mit einbezogen.“

Der Pfarrverband Neustift mit seiner Kirche St. Peter und Paul soll künftig Teil einer Freisinger „Stadtkirche“ werden. 

„Es ist eine Veränderung“

Weihbischof Bernhard Haßlberger als zuständiger Regionalbischof sieht die Stadtkirche Freising als Chance, in Zeiten des fortschreitenden Priester-, aber auch Laienmitarbeiter-Schwund,s auch in Zukunft Seelsorge möglich zu machen. Die Pressestelle ergänzt: „In der Klostergemeinschaft gibt es nach Aussage von Abt Kugler keinen Mitbruder, der zur Verfügung steht und die für die Leitungsübernahme nötigen Voraussetzungen erfüllt, um als sein Nachfolger anzutreten.“

Weihbischof Haßlberger versteht im übrigen das „Magengrimmen“ der Verantwortlichen: „Es ist eine Veränderung.“ Aber die bereits bestehenden Stadtkirchen in Mühldorf und Fürstenfeldbruck hätten bewiesen, dass dieses Modell funktioniere.

Und dieses Modell sehe laut Erzdiözese so aus: Die bestehenden Pfarrverbände würden aufgelöst und schließen sich (mit Lerchenfeld) neu zu einer Stadtkirche zusammen. „Wie die Zusammenarbeit auf Stadtebene organisiert wird, wird unter Einbeziehung aller Beteiligten unter Leitung von Monsignore Peter Lederer zusammen mit dem Regionalteam Nord erarbeitet werden.“ Der Weihbischof betont zusätzlich: „Die jeweilige Pfarrei soll ihr Gesicht behalten.“

„Erzbistum beschreitet entgegengesetzten Weg“

Trotzdem: Knoepffler und Geißdörfer können es einfach nicht verstehen, dass das Prämonstratenser-Projekt Neustift, das anno 2006 durch Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter ins Leben gerufen wurde, jetzt einfach so aufgegeben werden soll. Noch dazu habe es laut Josef Geißdörfer seitens des Ordens „konkrete Vorschläge gegeben, wie man das Projekt mit den Patres aus Jamtara weiterführen hätte können. So hätte der Abt des Ordens überlegt, Pater Ignatius Kullu, der derzeit in Zolling wirkt, die Leitung des Pfarrverbands zu übertragen.“

Enttäuscht aber sei man vor allem darüber, dass man letztlich vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Josef Geißdörfer wird da ganz konkret: „Einerseits wird von Kardinal Marx der synodale Weg des Miteinanders beschritten, doch andererseits lässt man die Beteiligung bei wichtigen Entscheidungen nicht zu, obwohl deren ureigensten Belange betroffen sind. In einer Zeit, in der in allen Bereichen des öffentlichen Lebens Bürgerbeteiligung bei wichtigen Entscheidungen fast zur Pflicht geworden ist, beschreitet das Erzbistum hier einen entgegengesetzten Weg.“

Die Neustifter würden freilich „die getroffene Entscheidung akzeptieren und mit Dekan Peter Lederer konstruktiv und freundschaftlich zusammenarbeiten“.

Mehr Miteinander wäre schön: Kommentar von Wolfgang Schnetz

Wo sind sie, die neuen Seelsorger und ehrenamtlichen Nachwuchskräfte, die das Schiff Kirche auf sicherem Kurs in die Zukunft lenken sollen? Antwort: Nirgends in Sicht. Und deswegen schrauben und basteln die Oberen der Diözese an immer neuen Modellen der personellen Mangelverwaltung – auch in der traditionsreichen Kirchenstadt Freising. Nach dem Sammelkonstrukt der Pfarrverbände wird jetzt die nächste größere Schablone ausgeschnitten: die Stadtkirche. Will heißen: noch größeres Raster, aber das gleiche oder weniger seelsorgerisches Personal. Traurig, aber wahr. 

Doch wenn so ein Schritt gelingen soll, dann muss er miteinander und nicht nebeneinander gemacht werden. Das wurde im Falle Neustift vernachlässigt. Miteinander jedenfalls sieht anders aus, als bloße Bekanntgabe von Beschlüssen aus der Kirchen-Chefetage. Und: Mehr Miteinander würde solch einen einschneidenden Schritt wie in Neustift sicherlich um einiges leichter machen. So aber fühlen sich die Gremien vor Ort alleingelassen.

Lesen Sie auch: Nach Beschwerden: In vielen Kirchen ist der nächtliche Uhrschlag seit Jahren ausgestellt

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