+
Der Pfarrverband St. Korbinian in Freising hat eine „Präventionsordnung“ erstellt, um Missbrauch zu verhindern.

Reaktion auf Vorfälle

Missbrauch verhindern: Freisinger Pfarrverband stellt „Präventionsverordnung“ vor

  • schließen

Es soll nie wieder passieren: Der Pfarrverband St. Korbinian in Freising hat eine „Präventionsordnung“ zum Schutz vor sexuellem Missbrauch erstellt.

Freising – „Was geschehen ist, wissen wir. Jetzt besteht Handlungsbedarf, und die Erzdiözese reagiert darauf.“ So brachte es Stadtpfarrer Peter Lederer bei einem Infoabend mit zahlreichen Ehrenamtlichen des Pfarrverbands St. Korbinian auf den Punkt. Das Geschehene, das sind die vielen Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche, die über Jahrzehnte unentdeckt geblieben sind. Der Infoabend in St. Georg diente dazu, eine „Präventionsordnung“ des Pfarrverbands zum Schutz vor sexuellem Missbrauch und zum Verhalten bei Missbrauchsfällen vorzustellen.

Hilfe in konkreten Fällen

Stadtpfarrer Peter Ledererstellte die Verordnung vor.

Vergangenes Jahr machte die Kirche eine Studie über die Missbrauchsfälle öffentlich. Seitdem liegt der Fokus auch in der Erzdiözese München und Freising auf Prävention. „Es geht darum, Bewusstsein und Sensibilität für das Thema zu schaffen. Wir müssen hinschauen, achtsam sein als Beobachter“, sagte der Stadtpfarrer. Die Diözese hat verschiedenes Infomaterial zu dem Thema aufgelegt, St. Korbinian ging einen Schritt weiter und erstellte für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter eine Verordnung. Die soll Sicherheit geben, eine Orientierung sein und ist für alle bindend. Die Basis dafür bildete das Arbeitsheft „Miteinander achtsam leben“ der Präventionsstelle der Erzdiözese. Das Heft bekommen alle Mitarbeiter. Pfarrer Lederer warf mit den Ehrenamtlichen an diesem Abend einen Blick auf das Wichtigste: Da geht es um Grenzen und deren Missachtung, da geht es um Sprache und Haltung, aber auch um ganz konkrete Handlungsabläufe, sollte man ein Missbrauchsfall im eigenen Umfeld vermuten.

„Jetzt geht es darum, dass das nicht mehr passiert“

Pfarrer Lederer betonte, wie wichtig ein waches Bewusstsein für dieses Thema sei, denn bei der Schulung der Hauptamtlichen sei er überrascht davon gewesen, wie viele Kinder im Alltag von Missbrauch betroffen seien. „Es ist so viel Grausames und Greisliges passiert. Jetzt geht es darum, dass das nicht mehr passiert“, sagte auch Elisabeth Maier, Leiterin der Verwaltung des Pfarrverbands. Für sie ist es sehr wichtig, klarzustellen, dass die Kinder in ihrem Pfarrverband sicher sind. Genau deshalb hat sie gemeinsam mit den Seelsorgern des Pfarrverbands engagiert an der Verordnung gearbeitet.

Dieser Leitfaden definiert noch einmal alle wichtigen Begriffe und gibt konkrete Handlungshinweise. Was tun, wenn man einen Missbrauch vermutet? Wer ist der Ansprechpartner? All diese Fragen werden in dem Heft geklärt. Außerdem gibt es klare Verhaltensregeln. Zum Beispiel sind Einzelgespräche nur in offiziellen Räumen und während der Betriebszeiten abzuhalten. Freundschaften in sozialen Netzwerken zwischen Betreuern oder Seelsorgern und den Jugendlichen sind tabu. Auf Ausflügen und Fahrten soll es einen anonymen Kummerkasten geben und Trost wird nur noch in offen zugänglichen Räumen gespendet. Außerdem muss jeder eine Verpflichtungserklärung unterschreiben sowie ein Führungszeugnis abgeben. „Wir wollen ein Klima schaffen, in dem sich Kinder trauen, sich zu öffnen und in dem auch Erwachsene diese Themen ansprechen können“, sagte Maier. Die Verordnung sei auch ein Qualitätsmerkmal des Pfarrverbands.

Die Anwesenden diskutierten über die neuen Vorgaben, aber nur einem Teilnehmer waren sie zu weitreichend. Er sah die Gefahr, dass so einige Ausflüge wegen des großen Aufwands nicht mehr stattfinden könnten. Elisabeth Maier entgegnete dem Kritiker, dass nichts so wichtig sei wie der Schutz des Kindes – und das sahen auch die anderen so.

Für Ehrenamtliche ist eine Fortbildung geplant

Mit Schulungen und Fortbildungen soll das Präventionsprogramm komplettiert werden. Anfang 2020 ist eine Fortbildung geplant, die sich an alle Ehrenamtlichen richtet, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – egal, ob kirchlich oder nicht.

„Schutz der Kinder ist oberstes Gebot“: Drei Fragen an Elisabeth Maier

Frau Maier, bei der Erstellung der Präventionsverordnung für den Pfarrverband St. Korbinian waren Sie federführend. Wie wichtig ist Ihnen persönlich diese Verordnung? 

Elisabeth Maier: Die Leiterin des Pfarrverbands hat den Leitfaden mitgestaltet.

Sie ist mir wahnsinnig wichtig – als Mensch und als Leiterin der Verwaltung. Ich habe in meiner Funktion als Mitglied des Beratungsgremiums „Kommission Frauen der Erzdiözese“ Einblicke in das bekommen, was alles vorgefallen ist. Was passiert ist, ist einfach nur erschreckend. Es wird in der Diözese schon viel getan, um Missbrauch in Zukunft zu verhindern. Das muss jetzt auf allen Ebenen ankommen. Mit der Verordnung haben wir hier bei uns für alle einen Leitfaden geschaffen, der uns auch Sicherheit gibt. 

Wie haben Sie den Prozess wahrgenommen, in dem die Verordnung erarbeitet wurde? 

Es war ein Kreis aus Seelsorgern und mir als einzige Nicht-Seelsorgerin. Ich habe die Seelsorger alle zutiefst betroffen erlebt über die Dinge, die da ans Licht gekommen waren. Deshalb war die Arbeit auch sehr konstruktiv. Und auch, wenn es manchmal etwas erschöpfend war, immer wieder an Formulierungen und einzelnen Worten zu feilen, hatten alle das gleiche Ziel und wussten alle stets um die Wichtigkeit. 

Was sagen Sie Kritikern der Verordnung? 

Vielleicht scheint es, dass wir in manchen Dingen etwas über das Ziel hinausgeschossen sind. Ich denke aber, dass das normal ist, weil das Pendel jetzt eben in eine andere Richtung ausschlägt. Aber der Schutz der Kinder ist oberstes Gebot. Was es auch immer kostet, den zu gewährleisten, ist nichts gegen das, was es kostet, wenn wirklich etwas passiert. Es geht darum, den Kindern in unserer Obhut Sicherheit zu geben. Das zählt.

Alle Nachrichten und Neuigkeiten aus Freising und der Region lesen Sie immer aktuell hier. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Riesiger Fehler bei Google Maps entdeckt: Einheimische verwirrt - Steckt Absicht dahinter? 
Bayern ohne die Amper – unvorstellbar. Für den Weltkonzern Google scheint das nicht zu gelten. Die Suchmaschine hat den Fluss kurzerhand umbenannt - und verwirrt damit …
Riesiger Fehler bei Google Maps entdeckt: Einheimische verwirrt - Steckt Absicht dahinter? 
Schüler können beim Essen nicht mal sitzen:  Mittagsbetreuung ist ein „Albtraum“
Eine schnelle Lösung für die Mittagsbetreuung muss her. Das forderte der Elternbeirat der Grundschule Kranzberg in der Bürgerversammlung. Das Provisorium?  …
Schüler können beim Essen nicht mal sitzen:  Mittagsbetreuung ist ein „Albtraum“
Mit knapp zwei Promille auf der A9: Lkw in Schlangenlinien schockiert Autofahrer
Er versetzte Autofahrer in Angst und Schrecken: Ein betrunkener Lkw-Fahrer war mit seinem 40-Tonner  in Schlangenlinien unterwegs.
Mit knapp zwei Promille auf der A9: Lkw in Schlangenlinien schockiert Autofahrer
Kommunalwahl 2020: Kirchdorf hat jetzt einen Grünen-Ortsverband
Bündnis 90/Die Grünen sind jetzt auch in der Gemeinde Kirchdorf aktiv. Ein Ortsverband wurde gegründet, nächster Schritt ist eine Liste zur Gemeinderatswahl. Auch …
Kommunalwahl 2020: Kirchdorf hat jetzt einen Grünen-Ortsverband

Kommentare