Inhaber Roland Habenstein steht in seinem Geschäft.
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Von Fotozubehör bis zu Paketen: In 34 Jahren hat Roland Habenstein mit seinem Geschäft Photo Porst alias Ringfoto Habenstein einige Metamorphosen durchlaufen.

Corona und Baustelle haben Pläne beschleunigt

Freisinger Fotopionier sagt „Servus“: Photo Porst schließt im Juni

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Photo Porst zählte zu den Pionieren in Freising. Jetzt macht Inhaber Roland Habenstein (72) im Juni zu.

Freising - „Ich hatte ohnehin geplant, spätestens im kommenden Jahr in den Ruhestand zu gehen“, sagt Habenstein. „Die Baustelle der Moosachöffnung direkt vor meiner Ladentüre hat diese Pläne aber nun beschleunigt. Und die Corona-Situation hat ihr Übriges getan.“ Zum 35-jährigen Bestehen des Geschäfts, das Habenstein 2022 hätte feiern können, kommt es nicht mehr.

Aus einer Metzgerei wird ein Fotoladen

Am 4. Juni 1987 eröffnete Habenstein seinen Laden in der Innenstadt. In den Räumen an der Oberen Hauptstraße hatte sich zuvor eine Metzgerei befunden. „Nach wochenlangen Umbauarbeiten war es endlich so weit“, erinnert sich der 72-Jährige. „Der Traum vom eigenen Geschäft ging in Erfüllung.“

Mit drei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften startete er mit seinem Fotofachgeschäft. Das Angebot umfasste damals das komplette Fotozubehör – Foto- und Videokameras, Filme, Fototaschen, Bilderrahmen und Fotoalben, Diaprojektoren und Diazubehör. Dazu gab es immer wieder Angebote aus der Unterhaltungselektronik, etwa Fernseher, Stereoanlagen und Radiorekorder. „Alles natürlich noch analog“, betont Habenstein. „Damit war vor allem nach der Wende 1989 ein gutes Geschäft zu machen.“

Startschuss im Juni 1987: Damals hätte sich Roland Habenstein, die Hand zum Gruß erhoben, nicht vorstellen können, dass ihm das Geschäft bis tief ins Rentenalter hinein erhalten bleiben würde.

Als Habenstein sein Geschäft 1987 eröffnet hatte, hätte er nie mit einer derartigen Erfolgsgeschichte gerechnet. „Es hat mir zwar von Anfang an viel Spaß gemacht. Aber ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass ich bis ins hohe Rentenalter hinter der Kasse stehe“, sagt er. „Ich habe nicht annähernd einen Beruf so lange ausgeübt wie diesen.“

Vor der Ladeneröffnung war Habenstein so etwas wie ein bunter Hund. Acht Jahre lang leistete er als Bundeswehrsoldat auf Sardinien Dienst. Später arbeitete er in einer Bausparkasse, im Anschluss verschlug es ihn in den Reinigungsmittelbereich. „Ich wollte mich da nie festlegen“, berichtet Habenstein. „Meine Überzeugung war immer, dass ich alles machen kann.“

Habenstein hatte das Talent, Trends zu sehen

Sein Talent, sich neu zu erfinden, hat ihm auch dabei geholfen, sein Geschäft so lange am Laufen zu halten. Denn immer wieder war Photo Porst auch von ungünstigen Entwicklungen betroffen. Als die großen Elektromärkte zunehmend auf den Markt drängten und aufgrund der schieren Masse günstigere Angebote machen konnten, begann Habenstein, verstärkt auf Handys mit Verträgen zu setzen. Auch Armbanduhren kamen ins Sortiment.

Der Internethandel führte zum Aus für viele Fotohändler. Photo Porst als Franchisegeber und Großhändler ging um die Jahrhundertwende ebenfalls pleite. Mit Ringfoto fand Habenstein einen neuen Partner, behielt den Ladennamen Photo Porst aber noch mehr als zehn Jahre bei. Erst Mitte der 2010er Jahre wurde aus Photo Port Ringfoto Habenstein.

Als der Siegeszug der Smartphones ab 2008 einsetzte, war mit Fotos endgültig kein Geschäft mehr zu machen. Der Laden stand auf der Kippe. „Ich habe fieberhaft nach Alternativen gesucht“, berichtet Habenstein. „Als dann die Post Interesse an den Räumen anmeldet hat, habe ich nicht lange gezögert.“ Und so hält Habenstein seit September 2010 auch die Post am Laufen – es brachte ihm einen großen, ganz neuen Kundenstamm.

Pionierleistungen haben Habenstein immer über Wasser gehalten. Ob es um die Videospiele Gameboy oder Nintendo ging, um digitale Kameras oder Fotosofortdrucker – der 72-Jährige war immer einer der Ersten, der Trends erkannte und in seinen Laden brachte. Vor allem die 1990er Jahre wurden so zum Goldenen Jahrzehnt für Photo Porst. „Die Preise für Digitalkameras waren damals horrend“, berichtet er lachend. „Eine CF-Speicherkarte mit 32 MB – nicht GB – hat zum Beispiel um die 500 Mark gekostet. Trotzdem war die Nachfrage groß.“

Die Kunden nahmen das in Kauf und kamen gerne – auch weil es bei Photo Porst immer familiär zuging. Über die Jahre hinweg wurden etwa acht Lehrlinge zum Fotofachverkäufer ausgebildet. „Einige kommen heute noch hin und wieder im Laden auf einen kleinen Plausch vorbei“, erzählt Habenstein. Auch gegen einen Ratsch mit Kunden hatte der Ladenbesitzer nie etwas einzuwenden – „wenn möglich gerne auch auf Italienisch“, sagt er. Auch Schüler hatten ihren Spaß bei Habenstein. „Ich habe versucht, ihnen Kopfrechnen beizubringen, indem ich sie den Preis der gekauften Briefmarken selbst zusammenrechnen ließ.“

Corona und Baustelle waren am Ende zu viel

Die Addition aus Großbaustelle vor der Ladentür und Corona-Pandemie bedeutet nun aber das Ende des Geschäfts. Seit einem Jahr hat sich die Laufkundschaft deutlich reduziert. Und weil die Parkplätze vor dem Laden aufgrund der Moosachöffnung wegfallen, kommen Kunden mit großen Paketen ebenfalls nur noch selten vorbei. „Inzwischen müsste ich eigentlich Eintritt für meinen Laden verlangen, um die Kosten reinzuholen“, sagt er.

Und doch schwingt bei Habenstein keine Verbitterung mit. „Ich falle nicht in ein Loch“, sagt er. „Ich war von Anfang an ein großer Fan des Stadtumbaus. Jetzt ist wohl ein guter Zeitpunkt gekommen, um Abschied zu nehmen und in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Mit über 70 Jahren darf man das.“

Große Dankbarkeit hegt Habenstein für seine Mitarbeiter, die ihn jahrelang treu und zuverlässig unterstützten. „Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Die ganzen Jahre stand ihm auch seine Ehefrau Elvira stets zur Seite. Neben ihrem Haushalt mit drei Kindern kümmerte sie sich immer gewissenhaft um die Buchführung und gestaltete mit viel Fantasie auch die Schaufenster. „Damit hat sie einen ebenso großen Erfolgsbeitrag geleistet“, betont Habenstein. Fehlen werden ihm auch seine Kunden. „Die Plaudereien mit ihnen, das Lächeln in ihren Gesichtern, wenn sie den Laden verlassen – ja, es war schön.“

Und die Zukunft? Was den Laden und die Postagentur angeht, ist noch nichts geklärt, sagt Roland Habenstein. „Was den Chef betrifft – der macht, was die letzten Jahre viel zu kurz gekommen ist, nämlich endlich mal ausspannen und nichts tun.“ Bis er sich wieder mal neu erfindet. Dieses Mal dann als Rentner.

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