Erreicht die Kirche die Jugendlichen noch? Reinhard Kardinal Marx ist davon überzeugt. Junge Christen wünschen sich aber weniger verkrustete Strukturen.  Gleixner

Was sich die Jugend von der Kirche wünscht

„Schwung muss da rein!“

Freising - Reinhard Kardinal Marx ist Optimist. Dass Kirche die Jugendlichen zunehmend weniger erreiche, das sieht der Erzbischof nicht. Und das machte der Erzbischof gestern bei der Jugendkorbinianswallfahrt auch klar.

 Es war kuschelig warm im Roten Salon des Kardinal-Döpfner-Hauses. Man hatte gut eingeheizt. Und auch das Thema einer Podiumsdiskussion mit Erzbischof Reinhard Marx im Rahmen der „Korbi“ 2016 war heiß: Hat die Kirche ihre Sprachfähigkeit verloren? Können Jugendliche heute überhaupt noch mit der Kirche und ihren Repräsentanten reden? Die These, dass früher also möglicherweise alles besser gewesen sei, dass früher mehr Jugendliche der Institution Kirche vertraut hätten, zog Marx allerdings etwas in Zweifel: Man habe ja keine Umfragen unter Jugendlichen aus dem Jahr 1802. Er sehe die Entwicklung auch gar nicht so pessimistisch. Dass sich noch immer 70 Prozent der 14- und 15-Jährigen firmen ließen, sei angesichts dessen, dass in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ja schon das Aus für die Kirche prophezeit wurde, eine fast schon überraschend hohe Zahl. Man dürfe nicht vergessen, dass heutzutage Jeder für sich selbst entscheide, ob und wie er zur Kirche stehe, Glaube und Kirche kein Automatismus mehr seien wie früher. „Andere Zeiten“ eben. Dass die Kirche „Hunderttausende Jugendliche“ erreiche und sie in Kontakt zur Botschaft Jesu bringe, sei doch auch eine beeindruckende Zahl. Vor allem, so der Kardinal: Man dürfe die Zahl der Jugendlichen, die dann auch zur Institution Kirche stoßen, nicht als einzigen Maßstab nehmen. Anders ausgedrückt: „Nicht die Kirche, sondern ob sie Jesus finden, ist das Entscheidende.“ Er sei also nicht so pessimistisch. Man dürfe nicht den Blick in die Vergangenheit wenden und erst recht nicht „Früher war alles besser“ glauben, man müsse in die Zukunft denken, die neuen Zeiten als Chance und Herausforderung begreifen.

Warum sich Jugendliche dennoch oft schwer tun mit der Kirche, das formulierte Massimo Zanone (Katholische junge Gemeinde München und Freising): Verkrustungen und althergebrachte Strukturen – das schrecke Jugendliche ab. Das Rezept: „Schwung muss da rein!“ Das sah auch Annemarie Eckardt (BDKJ) so: Für jemanden, der einen Zugang zu einer Pfarrei suche, seien die festen Abläufe „eher abschreckend“. Da sei „wenig offener Raum“.

Ein wichtiges Rezept, junge Menschen an den Glauben und die Kirche heranzuführen, nannte Bernhard Meuser, Leiter des YouCat-Zentrums in Augsburg: „Wenn man was für junge Menschen machen will, muss man es mit jungen Menschen machen“, zitierte er einen Kardinal. Und weiter: „In Rom kennen die keine jungen Leute.“

Und noch etwas sei wichtig, so betonte die BDKJ-Diözesanvorsitzende Stephanie von Luttitz: Man müsse ganz früh anfangen, über Glauben zu reden. „Sonst werden wir später sprachlos.“

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