Menschen mit Masken in der Freisinger Innenstadt
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An die Maskenpflicht halten sich in Freising inzwischen bis auf wenige Ausnahmen alle – auch in den Bussen. Schlechter schaut es laut Polizei inzwischen mit der Beachtung der Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich aus.

Mit der Inzidenz sinkt die Akzeptanz

„Leute werden müde“: Freisings Polizei muss täglich wegen Verstößen gegen Kontaktbeschränkungen ausrücken

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Trotz hartem Lockdown gibt es im Landkreis Freising immer wieder Infektionsschübe. Ein Grund könnten Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen sein. Täglich fährt die Polizei daher Einsätze.

Freising - Die Sieben-Tage-Inzidenz will einfach nicht unter die 50er-Marke fallen. Ursache könnte eine zu hohe Zahl von Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen sein – vor allem im privaten Bereich: „Wir haben schon den Eindruck, dass die Leute langsam müde werden“, berichtet Freisings Polizeichef Ernst Neuner. Die Disziplin lasse nach, „und auch die Akzeptanz der Maßnahmen ist nicht mehr so hoch wie früher“.

Beschwerde bei der Polizei war vergeblich

Elfriede Bertram (Name geändert) kann ein Lied davon singen: Sie wohnt in einem Freisinger Mehrparteienhaus, in dem ein älteres Ehepaar wohnt, das täglich Besuch von mehreren Enkeln plus einem Elternteil bekommt. „Die halten sich nicht an die Kontaktbeschränkungen, halten keinen Abstand und tragen keine Masken“, berichtet Bertram. „Das gesamte Haus beachtet strikt alle Auflagen. Doch in dieser Wohnung geht es zu, als gäbe es keine Corona-Pandemie“. Zweimal habe sie bei der Polizei angerufen, um dem Treiben Einhalt zu gebieten. Doch die habe abgewunken: Da es keine gesetzliche Grundlage gebe, um das Öffnen der Wohnung zu erzwingen, habe ihr ein Beamter erklärt, mache es kaum Sinn, überhaupt hinzufahren. Elfriede Bertram ärgert das sehr: Sie selbst hält sich eisern an alle Regeln. Und letztendlich müssten alle das verantwortungslose Handeln Einzelner mit langen Lockdowns büßen.

Polizeichef: „Wir können nicht die Tür eintreten“

Polizeioberrat Ernst Neuner will das so nicht stehen lassen: „Wenn wir Kapazitäten frei haben, fahren wir auch hin“. Sollte Frau Bertram eine ablehnende Auskunft erhalten haben, „wäre das nicht korrekt und ich müsste mit dem betreffenden Beamten reden“, so Neuner. Tatsächlich fahre man tagtäglich zu solchen Einsätzen. Der Polizeichef bestätigt aber, „dass wir wegen einer Ordnungswidrigkeit wie einem Verstoß gegen die Kontaktbeschränkungen nicht die Tür eintreten können – das wäre völlig unverhältnismäßig. Der Schutz der Wohnung ist ein hohes Gut“. Andererseits helfe es in der Regel wenig, einfach nicht zu öffnen, wenn die Polizei vor der Tür steht. „Da finden wir Mittel und Wege, um ans Ziel zu kommen“, sagt Neuner. Man müsse aber schon differenzieren, ob man alarmiert würde, weil ein Ehepaar die Großeltern besucht oder ob zehn Jugendliche eine Tiefgaragenparty feierten. „Letzteres ist natürlich eher unser Schwerpunkt“, sagt Neuner. Und: Man lasse sich nicht für seit langem schwelende Nachbarstreitigkeiten instrumentalisieren.

Viele hadern mit der „Einser-Regel“

Generell falle es den Menschen immer schwerer, sich an die strikten Auflagen zu halten. „Gerade die Einser-Regel unterbindet doch Vieles“, sagt Neuner. Weil man nur eine einzige Kontaktpersonen außerhalb des eignen Hausstands treffen dürfe, könne ein Paar beispielsweise die Schwiegereltern nur getrennt besuchen.

Es gehört zu den Tücken dieser Pandemie, „dass die Menschen durch die positive Entwicklung der Fallzahlen wieder nachlässiger werden“, wie Neuner festgestellt hat – und dann letztlich wieder eine Trendumkehr Richtung dritter Welle droht.

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Wegen einer illegalen Tiefgaragen-Party wurde die Polizei Freising alarmiert. Die Beamten verzeichnen dahingehend einen aktuellen Trend.

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