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Rund 22 Millionen Überstunden haben die deutschen Polizisten im vergangenen Jahr geleistet.

Polizeichef Ernst Neuner im Interview

Polizisten haben 22 Millionen Überstunden: So gehen die Freisinger mit dem Problem um

Von den etlichen Überstunden können auch die Freisinger Beamten ein Lied singen. Polizeichef Ernst Neuner verrät, wann am meisten zu tun ist, und mit welchen Methoden er dem Problem entgegenwirkt.

Freising – Rund 22 Millionen Überstunden haben die deutschen Polizisten im vergangenen Jahr geleistet. Davon können auch die Freisinger Beamten ein Lied singen. Polizeichef Ernst Neuner verrät, wann am meisten zu tun ist, und mit welchen Methoden er dem Problem entgegenwirkt.

Herr Neuner, von über 22 Millionen Überstunden bei der deutschen Polizei ist momentan die Rede. Die Freisinger Polizisten bleiben davon bestimmt nicht verschont, oder?

Leider nein. Konkrete Zahlen kann ich Ihnen nicht nennen, doch ein gewisses Maß an Überstunden herrscht auch bei uns im Haus.

Was genau führt denn dazu, dass so viel mehr gearbeitet werden muss?

Teilweise verursachen die Aufgaben, die sowieso erledigt werden müssen, schon Überstunden. Wirklich ausschlaggebend sind dann aber Sondereinsätze, die dazu führen, dass mehr gearbeitet werden muss. Das trifft aber nicht nur uns, sondern gilt für alle Dienststellen deutschlandweit.

Haben Sie Beispiele für solche Sondereinsätze?

Polizeichef Ernst Neuner:„Wir planen, so gut es geht.“

Ein gutes Beispiel ist das Freisinger Volksfest. Wir als Polizei haben natürlich den Anspruch, bei Großveranstaltungen wie dieser für das maximale Maß an Sicherheit zu sorgen. Dafür benötigen wir mehr Einsatzkräfte, denn in dieser Zeit muss die Polizei natürlich ebenso den restlichen Aufgaben nachgehen. Auch nach dem Volksfest geht es wie gewohnt weiter, an einen Abbau der zu viel gearbeiteten Stunden ist da nicht zu denken.

Haben Sie als Polizeichef mittlerweile schon Konzepte oder Ideen entwickelt, um die Überstunden zu reduzieren?

Natürlich versuchen wir, die zusätzlichen Stunden so gering wie möglich zu halten. Das geht beispielsweise mit flexiblen Arbeitszeiten. Wir planen, so gut es geht. Wenn vermeintlich wenig los ist, teilen wir auch weniger Mitarbeiter ein. Aber wer kann schon sagen, wann etwas passiert? Außerdem geht die Sicherheit der Bevölkerung vor. Wir kalkulieren somit immer mit einem Mindestmaß an Polizeibeamten.

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Gibt es Routineaufgaben, für die mittlerweile weniger oder gar keine Zeit mehr ist?

Naja, man muss tatsächlich Schwerpunkte setzen. Da geht es um die Notwendigkeiten der Aufgaben – und um die Dringlichkeit. Ein Beispiel: Im November gibt es häufig Fahrradkontrollen, denn es wird früher dunkel, und oft fahren die Leute ohne Licht. Im Dezember dagegen setzen wir die Prioritäten anders, denn die Zahl der Fahrradfahrer geht aufgrund der Temperaturen und Fahrbedingungen zurück. Da sind solche Kontrollen schlichtweg sinnlos.

Gibt es in Bezug auf die Mehrarbeit auch einen Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik?

Für die Freisinger Polizei kann ich das nicht bestätigen. Seit der sogenannten Flüchtlingswelle haben wir eher rückläufige Einsatzzahlen. Die Tatsache, dass es bei der Polizei viele Überstunden gibt, ist nicht neu. Das Problem haben wir seit Jahren.

Glauben Sie, die Situation wird sich in den nächsten Jahren verbessern?

Es ist schwer, diesbezüglich eine Prognose zu stellen. In Bayern wurden zwar vermehrt neue Leute eingestellt, jedoch befinden sich die jungen Polizisten und Polizistinnen oftmals noch in der Ausbildung. Die künftigen Arbeitssummen hängen von der Gesamtlage ab. Ist es ruhig, können die Mitarbeiter ein bisschen durchatmen und die Überstunden entweder abbauen oder sich ausbezahlen lassen.

Interview: Mia Sellmair

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