Um Betroffenen wie auch Angehörigen 24 Stunden zur Seite zu stehen, hat der Krisendienst Psychiatrie nun einen Nachtdienst installiert.
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Um Betroffenen wie auch Angehörigen 24 Stunden zur Seite zu stehen, hat der Krisendienst Psychiatrie nun einen Nachtdienst installiert.

Helfer stehen nun rund um die Uhr parat

Corona hat die Nöte verstärkt: Psychiatrie-Krisendienst ist jetzt auch nachts erreichbar

Corona hat etliche Menschen aus der Bahn geworfen. Immer mehr Menschen nehmen den Krisendienst Psychiatrie in Anspruch. Der erweitert nun sein Hilfsangebot.

Landkreis – Psychische Krisen und Notfälle können zu jeder Tageszeit ein Leben aus der Bahn werfen. Um Betroffenen wie auch Angehörigen 24 Stunden zur Seite zu stehen, hat der Krisendienst Psychiatrie Oberbayern seit Mai nun einen Nachtdienst installiert – auch für den Kreis Freising.

Ziel ist es, so Gebietskoordinator Sebastian Lämmermann, in maximal einer Stunde die Krisen-Einsatzkräfte vor Ort zu haben, um dort die Lage einschätzen zu können. Täglich von 21 bis 8 Uhr ist der Nachtdienst besetzt, im Bereich Region München Land als Tandem-Versorgung – das Krisenteam ist neben Freising auch für Dachau zuständig. Unter Tags gilt weiterhin: Pro Landkreis steht ein Einsatzteam mit zwei Fachkräften bereit. Beim digitalen Treffen der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft schilderte Lämmermann eine stetige Zunahme der Inanspruchnahme des Krisendienstes. Die Isolation während der Pandemie hätte viele Menschen, so Lämmermann, durchaus mitgenommen.

Es geht auch um die Einschätzung der Gefahrenlage

Aktuell gibt es sieben regional auf Bezirksebene gegliederte psychiatrische Krisendienste mit bayernweit einheitlicher Rufnummer. Anrufende werden so schnell und unkompliziert zur zuständigen Leitstelle ihres Aufenthaltsortes weiterverbunden. Wenn der Anruf in der Leitstelle aufgrund Überlastung nicht direkt angenommen werden kann, so besteht die Möglichkeit einer Warteschleife von maximal zehn Minuten oder dem Hinterlassen einer Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Ein Rückruf erfolgt auf jeden Fall so bald als möglich. Sollte jedoch eine telefonische Beratung nicht ausreichen, wird das mobile Krisen-Interventionsteam geschickt.

Gründe dafür: Wenn Angehörige, das soziale Umfeld oder die zu unterstützenden Personen nicht mehr weiter wissen, der Betroffene nicht mehr zugänglich ist oder akute Gefahr droht. Hier geht es dann um Deeskalation und der Einschätzung der Gefahrenlage, aber auch um die Einleitung nächster möglicher Schritte.

Das Krisen-Interventionsteam reagiert auch bei Kindeswohlgefährdungen

Wichtig: Das Krisen-Team kann erst für Betroffene ab dem 16. Lebensjahr tätig werden. Sind Kinder involviert, beispielsweise bei Kindeswohlgefährdungen, bleibt aber das Krisen-Interventionsteam nicht untätig und benachrichtigt die zuständigen Stellen.

Es ist völlig egal, wo der psychische oder psychiatrische Notfall stattfindet: Ob nun in der eigenen Wohnung, der Uni oder in der Hotel-Lounge – für das Krisen-Interventionsteam macht das keinen Unterschied, betont Lämmermann. Heikler wird es, wenn beispielsweise Eltern anrufen, die sich Sorgen um die Kinder machen. Dann fährt zwar das Team zu diesen Eltern, allerdings muss der Kranke das Gespräch mit den Fachkräften wünschen. Sonst gäbe es kaum eine Chance, an die Leute ranzukommen. (Richard Lorenz)

Gut zu wissen

Der Krisendienst Psychiatrie Oberbayern ist täglich rund um die Uhr kostenlos unter Tel. (08 00) 655-3000 zu erreichen. Mehr Infos unter www.krisendienste.bayern/oberbayern/ – eine Beratung per E-Mail ist nicht möglich.

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