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Um die 380 Fahrradfans waren gekommen, um bei der großen Radldemo ein deutliches Zeichen zu setzen. Auftakt- und Abschlusskundgebung fanden auf dem Marienplatz statt.

Aktion zieht viele Teilnehmer an

„Freising hat viel verschlafen“: Rad-Demonstranten haben weitreichende Forderungen

Großer Auflauf bei der Radldemo in Freising: Radfahrer gehen mit der Stadt hart ins Gericht und haben weitreichende Forderungen.

VON RICHARD LORENZ

Freising – Die Kritik der Sprecher bei der großen Radl-Demo in Freising am vergangenen Freitag war klar, deutlich und unisono: Der Stadt fehle es eindeutig am Willen, aus der Domstadt eine lebenswerte Fahrrad-Stadt zu machen. Fehlende Fahrradwege, fehlendes Engagement und eine Bevorzugung der Westtangente – die Verantwortlichen der Radl-Demo, die durch die Stadt über die Hochtrasse bis nach Lerchenfeld und zurück führte, fanden klare Worte ihres Unmuts. Um die 380 Fahrradfreunde waren gekommen, um ein deutliches Zeichen zu setzen.

Der Auftakt

Um 17 Uhr war dann auf dem Marienplatz kein Fleckchen mehr frei: „Bicycle-Race“ von Queen war natürlich als perfekter Sound zur Einstimmung gut gewählt.

Während die Polizei Freising noch die letzten Vorkehrungen traf, legte Jürgen Maguhn vom Radentscheid schon los: „Wir sind gar nicht zufrieden mit der Situation.“ Seiner Meinung nach sei es endlich Zeit, den Bürgerwillen durchzusetzen: unter anderem geschützte Fahrradwege bei Straßen mit hohen Verkehrsaufkommen oder Radschnell-Wege.

Ganz viel stehe ja laut Maghun längst auf der Agenda der Stadt – nur würde es „gewaltig bei der Umsetzung hapern“. Freising würde nach wie vor das Auto priorisieren, zudem fehlt es laut Maguhn im Verwaltungsbereich an Kompetenz.

Ins Reich der Träume gehöre seiner Ansicht nach auch jenes Versprechen, dass mit der Westtangente alles für die Radfahrer in der Stadt besser werde. Auch Fördergelder für den Radausbau seien immer wieder mal gestrichen worden, was seiner Meinung nach mit einer zu hohen Förder-Abschöpfung für die Westtangente zusammenhängen könnte.

Das Begehren

Eine „menschengerechte“ Stadt wünscht sich Michael Stanglmaier vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Das Bürgerbegehren Radentscheid sei nicht nur für Freising wichtig, sondern auch als Signal-Wirkung über die Stadt hinaus, um attraktive Innenstädte zu forcieren. Denn: Die Domstadt sei viel zu überfüllt, die Fußgänger und Fahrradfahrer müssten sich „überall durchquetschen“. Die Corona-Pandemie habe seiner Meinung nach gezeigt, wie schnell sich ein Mobilitätskonzept ändern kann – Barcelona und Paris hätten daraus ihre Konsequenzen gezogen und umgedacht. Hierzulande würden die Bürger hingegen mit einem Andreas Scheuer vorliebnehmen müssen – dem „Donald Trump“ der Verkehrspolitik, so Stanglmaier.

Über die Ziegelgasse in die Kammergasse führte die Route die Demo-Teilnehmer aus der Innenstadt heraus in Richtung Mainburger Straße, Hochtrasse und Lerchenfeld.

Das Fahrrad sei ohne Zweifel der Schlüssel zur Verkehrswende, kostengünstig und zudem gesund: „Fahrradfahren ist eine der besten Medizinen, die wir haben.“

Die Demo-Radlfahrt verlief ohne Probleme und friedlich: Die gewählte, aufgrund der hohen Teilnehmer-Zahl teilweise gesperrte Strecke führte über die Kammergasse nach Lerchenfeld, über den Rabenweg zur Korbinansbrücke und Richtung Bahnhof schließlich wieder zum Ausgangspunkt.

Die Teilnehmer

Mit dabei war auch die 33-jährige Freisingerin Eva Grubermit ihrem vierjährigen Sohn Lenz. Was die beiden stört: der enorme Verkehr in der Innenstadt und die unübersichtliche Gesamt-Situation. Die Gehwegsuche sei laut Gruber vor allem für die Kinder gefährlich.

„Ausbaufähig“ findet auch der Freisinger André Peterschun, 46, die Rad-Situation. Vor allem die Zufahrtsstraßen sollten dringend fahrradfreundlicher gestaltet werden.

Die fehlende Verbindung nach Lerchenfeld bemängelt hingegen der 60-jährige Philipp Lacher aus Freising: „Das ist keine Fahrrad-, sondern eine Autostadt.“

Der Ausklang

Zum Demo-Ausklang forderten auch zwei Freisinger Stadträte ein klares Ja zum Randentscheid, dem nur noch tausend Stimmen zum Erfolg fehlen würden und zur zügigen Umsetzung des Mobilitätskonzepts.Nico Heitz(Bündnis 90/Die Grünen) berichtete von einem Freisinger Radl-Händler, der mit dem Bestellen von Rädern gar nicht mehr nachkomme, und bemängelte die an vielen Stellen zu schmalen Radwege für Lastenräder. „Freising hat viel verschlafen“, soEmilia Kirner (ödp), ihre Partei habe schon vor 25 Jahre die Fahrradbewegung unterstützen wollen – leider erfolglos.

Eine autofreie Innenstadt fordert Fanny Wirthvon „Fridays for Future“. Zudem würde es mehr Sinn machen, die Erdinger Straße in Lerchenfeld zur Fahrradstraße umzugestalten, anstatt „nur eine Markierung auf den Boden zu pinseln“.

Richard Lorenz

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