Nahaufnahme von einem Richterhammer als Symbolbild für ein Gerichtsurteil
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Der Raub, der vor 16 Jahren auf einem landwirtschaftlichen Anwesen nahe Freising begangenen worden ist, beschäftigt aktuell das Landgericht. (Symbolbild)

Bericht aus dem Gericht

Raub vor 16 Jahren: Einbrecher übersahen Tresor mit 80.000 Euro - Kripo tappt im Dunkeln

Noch immer beschäftigt ein Raub, der vor 16 Jahren auf einem Hof nahe Freising begangen wurde, die Justiz. Und die Kripo tappt im Dunkeln.

Landkreis – Schlechte Karten hat die Staatsanwaltschaft im Prozess um den Raub auf einem landwirtschaftlichen Anwesen nahe Freising vor 16 Jahren. Die Geschädigten sind mittlerweile gestorben. Ein damaliger Vernehmungsbeamter, der jetzt vor dem Landgericht gehört wurde, ist seit 13 Jahren pensioniert.

Der einzige Belastungszeuge wurde im Sommer nach Serbien abgeschoben. Der 37-jährige Bosnier, der sich wegen schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung vor der vierten Strafkammer verantworten muss, war am zweiten Verhandlungstag gleich gar nicht erschienen. „Da der Angeklagte abschließend vernommen wurde, wird in seiner Abwesenheit weiterverhandelt“, verkündete Vorsitzender Richter Andreas Wiedemann leicht resigniert. Der 37-Jährige hatte den Tatvorwurf zu Prozessbeginn bestritten.

Wie berichtet, soll der Angeklagte am Morgen des 24. Mai 2005 mit drei weiteren Männern den Bauernhof nahe Freising unter dem Vorwand aufgesucht haben, ein Kamerunschaf kaufen und schlachten zu wollen. Das Tier wurde tatsächlich von der Gruppe in einer zu einem Schlachthaus umfunktionierter Garage getötet. Zudem wurden dann aber auch der Hofbesitzer, dessen Ehefrau und der Ziehsohn mit einer Schusswaffe bedroht und gefesselt. Wie aus der Verlesung der polizeilichen Vernehmung des Ziehsohns zu entnehmen war, wurde dieser mehrfach von den Tätern geschlagen. Den Hofbesitzer schonten sie aufgrund seines hohen Alters.

Mit Knochensäge in Schach gehalten

Die Täter entnahmen den Männern aus ihren Geldbörsen 2000 beziehungsweise 500 Euro. Wie der Ziehsohn damals bei der Polizei berichtet hatte, waren sie damit aber nicht zufrieden: Immer wieder hätten sie nach „der Kassette“ gefragt. Man habe geantwortet, so eine gebe es nicht. „Dann hat uns Michael angelogen“, soll einer daraufhin gesagt haben. Schließlich hatte der Ziehsohn berichtet, dass ein Täter sie mit einer Knochensäge in Schach gehalten habe, während die anderen das Wohnhaus auf den Kopf gestellt hätten. Dies hatten die Räuber offensichtlich aber nicht gründlich genug getan: Sie übersahen einen Tresor, in dem sich den Ermittlungen zufolge rund 80.000 Euro befanden.

Laut Vernehmungsprotokoll hatte der Ziehsohn sehr detaillierte Täterbeschreibungen geliefert. „Die haben uns aber leider nicht weitergebracht“, sagte der Kripobeamte. Hinsichtlich eines mutmaßlichen Tippgebers aus dem Bereich Freising habe man einen Verdächtigen gehabt. Dem habe man jedoch nichts nachweisen können. Zur sichtlichen Empörung von Verteidiger Frank Hatlé konnte sich der Zeuge nicht mehr erinnern, welche der Geschädigten er vernommen hatte. Auch aus den Akten war dies nicht ersichtlich.

„Essenzialien einer Vernehmung“ fehlen

Zu den Befragungen des Ehepaars – bei denen Verteidiger Hatlé „Essenzialien einer Vernehmung“ vermisste – gibt es lediglich den Vermerk, dass sich diese „als äußerst schwierig“ erwies. Er wisse nur noch, so der Zeuge, dass die beiden zu aufgeregt waren; die Frau sei zudem verängstigt gewesen. Tatsächlich liest sich die Vernehmung der damals 66-Jährigen äußerst knapp. Die ihres 74-jährigen Mannes bricht mittendrin ab. Zuvor hatte der Landwirt allerdings angegeben, dass vier Wochen vor der Tat schon einmal „dubiose Männer“ auf den Hof gekommen sind, um sich nach der Möglichkeit des Schlachtens zu erkundigen.
Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.  

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