Schnellreinigung Leinthaler
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Seit rund 20 Jahren verdient das Ehepaar Vera (Bild) und Georg Leinthaler seinen Lebensunterhalt mit der Wäscherei in der Freisinger Innenstadt. Jetzt hat Corona das Geschäft im Griff: Der Umsatz sinkt. FFoto: Lehmann

Zwei Kunden pro Tag

Auch ohne Lockdown: Reinigungen mit riesigen finanziellen Einbußen

Reinigungen hatten auch während des Lockdowns auf. Für die Betriebe war das eher ein Nachteil.

Freising – Fitnesscenter, Gaststätten und Hotels bangen im Lockdown um ihre Existenz. Friseure, Kosmetikstudios und Blumenläden haben wieder geöffnet, deren Inhaber können durchatmen. Doch was ist mit denen, die geöffnet haben, im Lockdown aber die Kundschaft ausbleibt? Diejenigen, die auch nicht in den Genuss von staatlicher Hilfe kommen, weil sie ja nicht zwangsschließen mussten?

Viele Kleinunternehmen wissen nicht, wie lange sie die finanziellen Einbußen überbrücken können. Und das, obwohl sie als „systemrelevant“ eingestuft wurden, gerne Normalität leben würden, was aber ohne Kundschaft schlicht und einfach nicht möglich ist – wie Reinigungen etwa.

Reinigung: „Wenn es hochkommt, zwei Kunden am Tag“

Seit rund 20 Jahren verdient das Ehepaar Vera und Georg Leinthaler seinen Lebensunterhalt mit der Reinigung in der Freisinger Innenstadt. Bis 2020 war der Flughafen ihr größter Kunde: „Vor Corona hatten wir um die 40 Hemden in der Woche allein von Flughafenmitarbeitern“, sagt Georg Leinthaler. Davon kann das Ehepaar momentan bloß träumen. „Wir haben im Moment, wenn es hochkommt, zwei Kunden am Tag“, berichtet der Geschäftsinhaber.

Für ihn ist das absolut nachvollziehbar: Im Homeoffice sitze man schließlich lieber im gemütlichen Pullover, als im frisch gebügelten Hemd. Eine Neuerung gab es für die Reinigung im Lockdown: „Es haben tatsächlich ein paar Leute ihre Jogginghose zu uns in die Reinigung gebracht“, sagt Leinthaler. Doch nicht nur die Geschäftsmänner, die ins Homeoffice verdonnert wurden, fehlt den Leinthalers als Kundschaft. Besonders bemerkbar macht sich auch die Regelungen, die immer noch größere Treffen – und damit auch Feiern – untersagen. Die Reinigung Leinthaler hatte in den letzten Monaten „nicht mal ein einziges“ Brautkleid am Bügel hängen. Nur ein Kundenstamm ist dem Ehepaar Leinthaler geblieben: die Arztpraxen. Hier ist freilich nichts zu spüren vom Lockdown. Alle Praxen haben geöffnet, ebenso medizinische Labore.

Kittel und Arztkleidung so ziemlich das einzige, was derzeit reinkommt

Georg Leinthaler zieht Bilanz: „Kittel und Arztkleidung sind so ziemlich das einzige, was wir derzeit waschen. Außer Weißwäsche läuft hier gerade nicht viel.“ Die meisten Betriebe, wie beispielsweise Restaurants oder Einrichtungshäuser, werden kreativ. Essen to-Go wird fleißig beworben, „Click&Collect“ ist das neue Tool für den Teil des Einzelhandels, der geschlossen bleiben muss. Onlineshopping ist so beliebt wie noch nie und wird immer weiter ausgebaut.

Den Leinthalers hingegen sind die Hände gebunden: „Wenn es gerade keine Kundschaft gibt, dann können wir da auch mit Kreativität nicht viel ändern“, bedauert Georg Leinthaler. Sein wichtigstes Mittel in der Pandemie ist seine Geduld. Trotz der Einbußen von mindestens 80 Prozent sind er und seine Frau Vera täglich im Geschäft und geben für ihre Kundschaft ihr bestes – selbst wenn es nur zwei Jogginghosen am Tag sind.

Pascale Fuchs

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