Mann in Reisebüro
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Alles dreht sich wieder ums Reisen, und die Zahl der Beratungen und Buchungen steigt – wie im ADAC-Reisebüro, das Sebastian Jung leitet.

„Große Sehnsucht nach Süden“

Freisinger heben ab: Reisebüros melden sprunghaften Anstieg meist beratungsintensiver Buchungen

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
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Die Freisinger zieht es magisch in den Süden. Doch vor dem Abflug sollte man sich genau über das Reiseziel informieren. Sonst könnte es eine Bruchlandung geben.

Freising - Die niedrigen Inzidenzzahlen in Europa verleihen den Freisingern Flügel: Scharenweise düsen sie wieder ab gen Süden. Doch vor der Kür kommt die Pflicht: Man muss sich genau informieren, was coronabedingt wo möglich ist – wo man wie einreisen darf, und was im Reiseland erlaubt ist. Die Mitarbeiter der Reisebüros freuen sich deshalb zwar über einen regelrechten Boom nach fast eineinhalb Jahren Zwangspause – doch die Buchungen sind auch sehr beratungsintensiv. Manuela Paparizos vom Reisemarkt in der Freisinger Kirchgasse schwebt auf Wolke sieben: „Es ist unglaublich, aber die Buchungen im Mai haben fast wieder Normalniveau erreicht. Wir freuen uns wahnsinnig, dass es wieder losgeht. Wir hatten jetzt eineinhalb jahre lang null Geschäft – was wirklich dramatisch war. Aber die Entwicklung jetzt ist einfach super.“

Der Informationsbedarf der Kunden ist enorm

Doch der Informationsbedarf der Kunden sei enorm: Einreise-Vorschriften, Hygienevorschriften, nötige Registrierungen – das ist in jedem Land anders und ändert sich noch dazu ständig. „Und wir haben hier auch eine Informationspflicht“, erklärt Paparizos. Unter ihren Kunden sieht die Reiseexpertin auch viele neue Gesichter: „Viele haben bisher immer online gebucht und dabei während der Pandemie schlechte Erfahrungen gemacht.“ Wenn bei einer Reise etwas schief laufe – Stichwort: Stornierung – seien die Internet-Reiseportale meist nicht zu erreichen. „Da kann man dann eine E-Mail schreiben, die monatelang gar nicht gelesen wird“, weiß Paparizos. Auf der Suche nach verlässlichen Ansprechpartnern bei Planung und Buchung führe daher an den Reisebüros kein Weg vorbei. Das Team vom „Reisemarkt“, erklärt Manuela Paparizos, sei auch in schwerer Zeit für die Kunden da gewesen: „Wir waren nie in Kurzarbeit“, so Paparizos, „sondern haben Stornierungen und Ähnliches tagesaktuell abgearbeitet. Das war aufwändig und hat mich viel Geld gekostet, aber jetzt zahlt es sich aus“.

Wer bei Paparizos bucht, hat noch dazu eine ausgewiesene Griechenland-Expertin. Die Chefin des „Reisemarkts“ ist selbst Griechin und schwärmt nicht nur von der unglaublichen Gastfreundschaft ihrer Landsleute, sondern auch vom überzeugenden Hygienekonzept in Hellas. Kein Wunder, dass die meisten ihrer Kunden Griechenland als Urlaubsziel ansteuern.

Wie eine wandelnde Infobörse in Sachen Tourismus kommt sich auch Saniz Tirkioglu vom Reisebüro Atalya in Freising vor: „Langsam läuft das Geschäft wieder an“, berichtet sie, „aber vor allem haben die Kunden jetzt Fragen über Fragen“. Sind für die Reise Tests nötig oder Impfungen?
Droht eine Quarantäne. Und was muss ich beachten, wenn ich nach Dubai will? „Vieles ist gerade im Fluss“, sagt die Reiseberaterin, „und wir versuchen unser Bestes, die Kunden gut zu informieren“. Tirkioglu empfiehlt als Reiseziel derzeit die Türkei. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei unschlagbar - und das Land wunderschön.

Die „Flex-Option“ wird draufgepackt

Über einen „sprunghaften Anstieg“ der Kundenberatungen und der Buchungen freut sich auch Sebastian Jung. „Vor zwei Wochen hatten wir noch eine Beratung am Tag, inzwischen sind es zehn bis 15“, berichtet der Leiter der ADAC-Geschäftstelle mit Reisebüro in Freising. Da sein Klientel „sehr stammkundenlastig“ ist, habe er es meist mit erfahrenen Urlaubern zu tun, die ziemlich genau wüssten, wohin die Reise gehen soll. Und da sei Querbeet alles dabei“. Familien mit Kindern ziehe es derzeit vor allem nch Griechenland und Spanien – dorthin, wo keine Quarantäne droht, es dafür aber eine Sonnengarantie gibt. Die ersten buchen auch schon für den Herbst, auch Fernreisen seien dabei. Da sollte man allerdings genau hinschauen. In Thailand etwa steigen erstmals die Infektionszahlen deutlich an – keine gute Option also. Grundsätzlich lässt sich kaum vorhersagen, in welchem Land die nächste Welle droht, weshalb Sebastian Jung und sein Team den Kunden auf jede Buchung kostengünstig eine „Flex-Option“ draufpacken. Dann kann man zwei bis vier Wochen vor der Abreise komplett kostenfrei stornieren. „Das hilft enorm“, weiß der Reisefachmann.

Sonne, Meerwasser und eine Taverne

Wäre es da nicht einfacher, dieses Jahr einfach mal noch im eigenen Land zu bleiben und abzuwarten, wie sich die Pandemie entwickelt? Viele Kunden sehen das genauso, wie die Reiseexperten bestätigen. Da wird auch mal eine Mietwagen- oder Camper-Tour durch den hohen Norden Deutschlands gebucht.

„Aber es gibt jetzt bei vielen schon eine ganz große Sehnsucht nach Süden, Sonne und Meer“, berichtet Manuela Paparizos. Als sie einem Kunden Deutschland als Urlaubsziel vorschlug, sagte der: „Erst einmal möchte ich nichts anderes als Sonnenschein, glasklares Meerwasser und eine Taverne“.

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