Rufbus
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Für den Rufbus geht es um die Existenz.

Kaum noch Resonanz, aber der Landkreis hilft

Rufbus kämpft um Existenz: Neuer Vorstand erhält letzte Chance

Der Freisinger Rufbus kämpft um seine Existenz. Die Zahl der Fahrgäste geht in den Keller. Die neue Vorstandschaft bekommt noch eine letzte Chance.

Freising – Sind die Tage vom Freisinger Rufbus gezählt? Der Jugendhilfeausschuss bewilligte am Donnerstag zwar nochmals eine Förderung von 50 000 Euro. Allerdings könnte das tatsächlich die letzte Finanzspritze für das Projekt sein. Denn der Service findet wohl kaum noch Anklang – auch nicht außerhalb von Pandemie-Zeiten.

Seit vielen Jahren wird der Verein Subfur als Rufbus-Betreiber vom Landkreis unterstützt: mit immerhin 50 000 Euro pro Jahr. Allerdings sinke kontinuierlich der Bedarf für diesen Fahrdienst, hieß es im Jugendhilfeausschuss 2006 chauffierte der Rufbus 11 000 Fahrgäste, 2019 nur noch 835 Partygeher. Dafür waren die Busse an insgesamt 32 Wochenenden unterwegs – zehn bis zwölf Fahrer legten dabei rund 10 000 Kilometer zurück.

„Rufbus ist uncool geworden“

Das Problem: Rechnet man den Zuschuss gegen die Gäste auf, kommt ein extrem hoher Beförderungspreis von knapp 60 Euro heraus. Selbst wenn sich die Passagier-Zahl von 2019 verdoppeln sollte, kostedas Einzelticket immer noch 30 Euro. Für Martin Hellerbrand (CSU) ein Unding: „Da kann man ja gleich Taxischeine verschenken.“ Anfänglich, so Hellerbrand weiter, sei der Rufbus ja gut gelaufen, jeder habe den Service gekannt. Jetzt allerdings müsse sich dringend was ändern – dafür solle das Beförderungsangebot eine allerletzte Chance bekommen.

Die neue Rufbus-Vorstandschaft sieht die brenzlige Situation realistisch. Victor Weizenegger vom Verein gab ausführlich Auskunft über die Versuche, „den Trend zu wenden“. Das Hauptproblem: „Der Rufbus ist uncool geworden.“ Zudem seien Helfer weggebrochen, das habe zu geringeren Fahr-Angeboten geführt und das wiederum zu weniger Fahrgästen – ein „Teufelskreis“. Auch die Rufbus-App habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Es gebe aber auch kaum noch Discos im Landkreis. Das Ausgehverhalten der Jugendlichen habe sich maßgeblich verändert.

Kritik an der Rufbus-Homepage

Dennoch habe der Verein laut Weizenegger sehr viel getan, um zukunftsfähig zu werden, etwa in Online-Auftritte investiert. Zwar habe sich der Bedarf an Fahrgelegenheiten scheinbar verringert, aber dennoch biete der Rufbus laut Weizenegger nach wie vor eine „sichere Infrastruktur“ für Jugendliche, und das sei nicht zu unterschätzen. Er gab auch zu bedenken: Werde der Verein „eingestampft“, würde es sehr schwer werden, ihn bei Bedarf wieder aufzubauen.

Stimmen aus dem Ausschuss merkten allerdings auch an, dass die neue Homepage wenig bringe, wenn dort keine Ab- und Abfahrtsstellen ersichtlich seien. Überhaupt wäre für die heutigen Jugendlichen der Rufbus kein Begriff mehr – anders als noch vor Jahren.

Landrat sieht Chancen, Freisinger Modell am Leben zu halten

Trotz sämtlicher Widrigkeiten war sich das Gremium allerdings einig, dass der Rufbus erhalten bleiben sollte. Birgit Mooser-Niefanger (FSM) erinnerte daran, dass solche Beförderungsmittel durchaus Leben retten könnten. Auch Beate Frommhold-Buhl (SPD) sagte, der Verein müsse bestehen bleiben und der Rufbus wieder bekannter gemacht werden.

Was Landrat Helmut Petz aufgefallen war: Rufbusse in anderen Landkreisen seien oftmals an den MVV angebunden – für ihn eine Möglichkeit, das Freisinger Modell am Leben zu erhalten. Auch bei den Münchner Nachtlinien könnte man sich etwas abschauen. Geklärt werden müsse laut Petz, wie man die Busse unter Tags und an den Wochentagen nutzen könnte. „Wir wissen,“ so Weizenegger, „dass es Steuergelder sind.“ Und er wisse auch: „Auf Dauer kann man das so nicht machen.“

Richard Lorenz

Gut zu wissen:

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