Frisch hergerichtet: Anton Hübsch von Zweirad Hübsch in Freising hat trotz Einschränkungen derzeit alle Hände voll zu tun. Wer kein neues Rad will, bringt seinen Drahtesel zum Frühlings-Check.
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Frisch hergerichtet: Anton Hübsch von Zweirad Hübsch in Freising hat trotz Einschränkungen derzeit alle Hände voll zu tun. Wer kein neues Rad will, bringt seinen Drahtesel zum Frühlings-Check.

Heiß begehrt, schwer zu kriegen

Trend hält an: Freisinger Fahrradhändler haben viel zu tun - kämpfen aber mit Lockdown und Lieferengpässen

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Auch heuer hält der Run auf die Radlläden an. Doch Lieferengpässe und Lockdown sorgen dafür, dass das Geschäft nicht ganz so brummt, wie sich Händler – und Kunden – das wünschen.

Landkreis – Egal, ob Mountainbike oder Trekkingrad: „Der Trend hält an“, sagt Anton Hübsch von Zweirad Hübsch in Freising. Weil Reisen oder Aktivitäten wie Sport im Verein nicht möglich sind, fokussiere sich der Freizeitsektor stark auf das Fahrrad. Doch anders als im vergangenen Jahr lasse der „Boom“ noch auf sich warten, bestätigen Hübsch und seine Berufskollegen im Kreis Freising.

Bei Click&Meet „war der Kunde VIP-Gast“

Dadurch, dass aufgrund der hohen Inzidenz gerade nur „Click&Collect“ möglich ist, seien die Leute etwas gehemmt, sagt Frank Röckemann vom gleichnamigen Laden in Neufahrn. Anders sei der Zulauf in den eineinhalb Wochen gewesen, in denen im Kreis Freising das „Click&Meet“-System gegriffen hat. „Da war der Kunde quasi VIP-Gast, hatte den Laden eine Stunde für sich und konnte sich in Ruhe umsehen.“ Anrufen und abholen dagegen sei schwieriger. „Das ist noch dazu wetterabhängig, bei Regen macht das keinen Spaß“, sagt Röckemann. „Die Situation gerade ist wirklich schwierig.“

Ins selbe Horn stößt man bei Radsport Setzwein in Freising. Ein Rad nur über telefonische Beratung zu kaufen sei schwierig, der ganze Prozess inklusive Probefahrt – die nach wie vor erlaubt ist – sei derzeit sehr umständlich. Dass momentan nur Abholservice möglich ist, stößt auf Unverständnis: „Wir haben eine Ladenfläche von 350 Quadratmetern. Wenn da nur zwei Kunden reindürfen, ist die Ansteckungsgefahr auf jeden Fall geringer als beim Einkaufen.“

Ein weiteres Problem: „Theoretisch könnten wir zwar verkaufen wie blöd, weil die Nachfrage trotz der Umstände da ist. Aber die Lieferzeiten sind katastrophal“, so die Auskunft auf FT-Nachfrage. Weil Einzelteile aus Asien nicht geliefert würden, könnten Fabriken die Räder nicht vollständig bauen und Zulieferer dementsprechend nicht liefern. „Wir haben letztes Jahr im Mai Räder bestellt, die zum Teil heute noch nicht da sind“, teilt das Radgeschäft mit.

Bereits jetzt für 2023 geordert

Ähnliches berichtet Anton Hübsch: Seien die Lieferzeiten bereits im vergangenen Jahr lang gewesen, habe sich das heuer noch verschärft. „Letzten Juni habe ich schon für heuer geordert“, sagt der 55-Jährige, der das Geschäft an der Fabrikstraße in dritter Generation führt. Die gute Nachricht: „Wir haben noch Räder da und kriegen auch wieder Nachschub.“ Die schlechte: Alles, was die Händler nicht bereits vorbestellt hätten, sei 2021 nicht mehr lieferbar. „Ich schreibe jetzt schon Ordern für nächstes Jahr und habe sogar für 2023 schon ein Rad bestellt.“

Um für alle Kunden ein passendes Modell zu finden, hänge er derzeit nahezu den ganzen Tag am Telefon. „Natürlich ist das Ganze wesentlich langatmiger als ein normaler Radlkauf im Geschäft“, sagt Hübsch. „Aber es gibt sehr viele Leute, die eben jetzt – trotz Hürden – ein Rad haben wollen. Das kommt uns natürlich zugute.“

Lieferzeiten oft modellabhängig

Zahlreiche Anrufe nimmt gerade auch Christian Braun vom gleichnamigen Familienbetrieb in Moosburg entgegen. Die Nachfrage sei da – das Angebot jedoch nicht immer. Dramatisch sei die Lage jedoch nicht: „Lange Lieferzeiten sind oft abhängig vom Modell“, sagt der 37-Jährige. „Es gibt schon Ware auf dem Markt. Aber wenn der Kunde halt exakt das eine Rad will, wird es schwierig. Wenn er sich statt mit einem schwarzen Modell aber auch mit der roten Version anfreunden kann, wird es einfacher.“

Was dem 37-Jährigen, der das Geschäft in der vierten Generation führt, vor allem zu schaffen macht, ist die fehlende Präsenz. „Unsere Stärke ist der Service. Kunden können reinkommen, sich umsehen und ausprobieren.“ Er ist überzeugt: Ein Fahrradkauf sei immer auch eine Investition. „Da braucht’s eine vernünftige Beratung – die funktioniert zwar am Telefon, ist aber im Geschäft einfach was anderes.“

Braun nimmt den Lockdown trotz alledem gelassen. „Sobald die Ladentür wieder offen ist, kommen auch die Kunden wieder. Und bis dahin: Immer locker bleiben.“

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