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Im Schein der Kerzen ließ Schauspieler Dieter Fischer am Tisch vor dem Retabel in Oberberghausen die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma erstehen. Die Gruppe SteiBay schuf den musikalischen Rahmen dazu.

Lesung in der Waldkirche

Schauspieler Dieter Fischer liest die „Heilige Nacht“ – und verzaubert Oberberghausen

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Die “Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma ist ein Klassiker. So wie Schauspieler Dieter Fischer am Sonntag den Text in der Waldkirche Oberberghausen lebendig werden ließ, das sucht seinesgleichen.

Freising – Sie ist ein Klassiker der vorweihnachtlichen Aufführungsliteratur: die “Heilige Nacht“, jene „Weihnachtslegende“ von Ludwig Thoma. Landauf, landab wird des Dichters Werk interpretiert. Doch wie Schauspieler Dieter Fischer, der gebürtige Lerchenfelder, am Sonntag auf Einladung des Magazins Fink den Text vor knapp 50 Zuhörern in der Waldkirche Oberberghausen lebendig werden ließ, das sucht seinesgleichen.

Kraftvoll und ohne Übertreibung, mit Sinn für Sentenz ohne Sentimentalität – so ließ Dieter Fischer den Thoma-Text erstehen. Mit viel Fingerspitzengefühl zeichnete er die einzelnen Charaktere. Ob Maria, Josef, der hartherzige Josias und sein zänkisches Weib, der abweisende Herbergswirt oder der hilfreiche Simmei: Sie alle wurden lebendig im Schein der Kerzen, erfüllten den Raum. Der Wechsel zwischen den einzelnen Szenen hin zum Erzähler gelang Fischer mühelos. Seine „Heilige Nacht“ zog ihre Zuhörer ohne Effekthascherei, sondern rein aus der Kraft des Wortes in ihren Bann. Dieses Werk im harten Dialekt fordert seit jeher seine Interpreten – mit jedem Punkt und jedem Komma – heraus: Dieter Fischer bestand diese Herausforderung.

Auch der musikalische Part, der am Wochenende vom Dreigesang SteiBay samt Gitarrenbegleitung einfühlsam intoniert wurde, setzte Glanzlichter über Nachmittag und Abend: Warme Modulationen und einfühlsame Zurückhaltung in der Interpretation gaben der „Heiligen Nacht“ einen ausgefeilten Klangkörper, der so noch nie gehört wurde.

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Dieter Fischer und seine Begleiter setzen sich mit ihren kostenlosen Auftritten (die Abende am kommenden Wochenende sind ausverkauft) für den Erhalt der Waldkirche ein. Wie meinte Bernhard Käsbauer, der Vorsitzende des Erhaltungsvereins?: „Damit wir unserem Kircherl etwas Gutes tun können.“ Am Sonntag wurde klar: Diese „Heilige Nacht“ tat auch den Zuhörern gut. Und sie wird auch noch lange nachklingen über der einstigen Flur des versunkenen Dorfs Oberberghausen, dessen Relikt jene Waldkirche ist, die jüngst im Kerzenlicht erstrahlte. ws

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