+
Sorgten für die passenden Klänge: (v. l.) Christian Schantz und Norbert Bürger steuerten die Musik zu dem Vortrag von Professor Florian Hörmann über den sozialökologischen Wandel und die Rolle der Kommunen bei.

Auch Aufgemuckt am Start

Schluss mit  „imperialer Lebensweise“: 100 Freisinger bei Klima-Mahnwache

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
    schließen

Etwa 100 Menschen sind am Freitag zur Klima-Mahnwache gekommen. Auch das Anti-Startbahn-Bündnis Aufgemuckt war dabei - mit einem aktuellen Anliegen an die Bevölkerung.

Freising – Knapp 100 „Freunde der Mutter Erde“ hatten sich am Freitag auf der Fläche vor der Sparkasse in der Freisinger Innenstadt und bei den drei Bären versammelt. Bei einer Mahnwache wurde abermals „Klimagerechtigkeit jetzt“ gefordert. Nicht gekommen war Kabarettistin Sissi Perlinger, die sozusagen als Stargast angekündigt war. Doch das, was Professor Florian Hörmann von der Hochschule Augsburg zur Postwachstumsökonomie zu sagen hatte, hat das Kommen allein schon gerechtfertigt.

Ewiges Wachstum auf nur einem Planeten, das sei eben nicht möglich. Milliarden würden derzeit in die Wirtschaft gepumpt – und das sei auch ein Problem für die Gesellschaft, erklärte Hörmann. Polarisierung, Pandemien, Umweltverschmutzung: Das seien die Folgen dieser „imperialen Lebensweise“. Den Preis dafür würden vor allem die Armen dieser Welt zahlen. Dem stellte Hörmann den Grundsatz „Das gute Leben für alle“ gegenüber. Sozial und global gerecht müsse das Wirtschaften werden, und das bedeute nicht, dass alles schrumpfen müsse.

Das Klima-Problem bei der Wurzel packen

Wie sehe sie also aus, diese Postwachstumsökonomie? „Wir müssen unseren Ressourcenbedarf drastisch senken“, appellierte Hörmann. Dazu gehöre Effizienz und Konsistenz, also die bessere Nutzung der Energie und technische Neuerungen, die umweltschädliches Verhalten mindern. Doch das allein genüge nicht. Denn wie die Geschichte zeige, in der erst Kohle, dann Erdöl, dann Atomkraft und jetzt eben regenerative Energien als Lösung der Probleme angesehen, dann aber im Lauf der Zeit selbst zum Problem geworden seien und zu noch mehr Energieverbrauch geführt hätten, müsse der Weg ein anderer sein, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Es gehe nur mit Energieeinsparungen, so Hörmanns Forderung. Wenn man stets das rechte Maß beachte, keine unnötigen Flüge mehr unternehme, wenn man auch nur so viel produziere, wie man tatsächlich brauche, dann packe man das Übel an der Wurzel, dann würden etwa viel weniger Regenwälder abgeholzt. Die Energie, die man dann noch benötige, könne mit Effizienz und Konsistenz gedeckt werden.

Den Weg dahin bezeichne man als „sozial-ökologische Transformation“, so Hörmann weiter. Will heißen: die planetaren Grenzen einzuhalten und auf soziale Gerechtigkeit zu achten. Dabei dürfe die soziale Komponente nicht gegen die ökologische Komponente ausgespielt werden. Im Gegenteil: Harmonisierung sei unerlässlich. Hörmann zählte einige Beispiele auf, wie das auch auf kommunaler Ebene gelingen könne: die Einführung von Ernährungsräten, wiederverwendbare Einkaufsbehälter, Foodsharing im großen Stil, die Förderung des ÖPNV und des Radverkehrs („Jeder Meter, den wir gehen oder mit dem Rad fahren, bringt etwas“), Blühwiesen, und mehr. Anregungen genug also für die Stadträte, die an der Mahnwache teilnahmen.

Aufgemuckt mit eigenem Anliegen am Start

Ein anderes Anliegen hatte Aufgemuckt-Sprecher Christian Magerl: Gerade habe die Auslegung des Lärmaktionsplans der Regierung von Oberbayern für den Flughafen München begonnen, in dem Lärmschutzmaßnahmen rund um den Airport aufgeführt sein sollten. Aufgemuckt und der Bund Naturschutz würden das Papier genau durcharbeiten und Stellungnahmen entwerfen, die die Bürger möglichst zahlreich unterzeichnen sollten. Man wolle eine „Stellungnahme mit Wucht“ abgeben. Magerls Appell lautete: „Unterschreibt und unterstützt euch so selber!“

Lesen Sie auch: Viele Aufgaben zu meistern: Freisings neuer Stadtbrandinspektor Oliver Sturde im Interview. Streit nach Kollision: Radler schlägt Autofahrerin Tür auf den Fuß und beleidigt sie. Ekel-Szenario an See in Marzling: Grill-Gäste hinterlassen Müll-Chaos - Maden tümmeln sich im Fleisch.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bei TV-Kultsendung: Aiwanger bekommt Corona-Frust zu spüren - Gastronomen Angst vor Horror-Szenario im Herbst
Bei TV-Kultsendung: Aiwanger bekommt Corona-Frust zu spüren - Gastronomen Angst vor Horror-Szenario im Herbst
Wegen Corona-Infektionen: Zwei weitere Klassen in Quarantäne
Wegen Corona-Infektionen: Zwei weitere Klassen in Quarantäne
„Großer Glücksfall“: Freisinger Familie errichtet Wohnhaus für Heim-Jugendliche
„Großer Glücksfall“: Freisinger Familie errichtet Wohnhaus für Heim-Jugendliche
Ex-Grünen MdL Magerl zu Söders Startbahn Entscheidung: „Wir werden wachsam bleiben“
Ex-Grünen MdL Magerl zu Söders Startbahn Entscheidung: „Wir werden wachsam bleiben“

Kommentare