Florian Dittmann steht auf der Dachtetrasse seines Tiny House.
+
Blick von der Dachterrasse: Florian Dittmar (15) aus Freising hat sein eigenes Tiny House gebaut. Es ist 7,20 Meter lang, 4,55 Meter breit und fast vier Meter hoch. Derzeit steht es noch in der Werkstatt seines Vaters Ulli.

Projekt entstand im Rahmen einer Schularbeit

Er ist der Jüngste in Deutschland: 15-jähriger Schüler aus Freising errichtet sein eigenes Tiny House

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
    schließen

Mit 13 Jahren hat der Freisinger Schüler Florian Dittmar damit begonnen, sein Tiny House zu bauen. Jetzt ist er fast am Ziel - nach einem langen Kraftakt.

  • Im Rahmen einer Schularbeit hat der heute 15-jährige Florian Dittmar aus Freising ein Tiny House gebaut.
  • Nach zwei Jahren Kraftakt hat er sein Projekt nun fast abgeschlossen.
  • Der Freisinger dürfte der jüngste Tiny-House-Bauer in Deutschland sein.

Freising – Es ist ein Meisterstück im XXL-Format: Im Rahmen der Großen Arbeit an der Montessori-Schule hat Florian Dittmar (15) ein Tiny House gebaut. Seit zwei Jahren vergießt der Freisinger für das Riesenprojekt viel Schweiß und auch ein wenig Blut. Ende April soll die Präsentation des Projekts erfolgen. Der 15-Jährige wäre dann wohl der jüngste Tiny-House-Bauer in ganz Deutschland, und auch weltweit einer der jüngsten.

„Ich wollte etwas Besonderes auf die Beine stellen, und es ist genial, dass ich es jetzt fast geschafft habe“, sagt Florian Dittmar, am Tisch seines Tiny Houses sitzend. Die Fassade ist nahezu fertig. Die Fenster sind gesetzt, die Böden und Leitungen verlegt. Fußbodenheizung und Dusche sind installiert, und die Treppe vom Unter- zum Obergeschoß steht. Vom Loft aus geht es auf die Dachterrasse. Auf sie ist Florian Dittmar besonders stolz. „Das ist ein Unikat. Das habe ich noch nie bei einem Tiny House gesehen.“

Freising: Schüler baut seit zwei Jahren an eigenem Tiny House

Dieses tiefe Gefühl der Zufriedenheit macht für ihn all die Anstrengungen wett, die dieser Kraftakt ihm abverlangt hat. „Ich würde es wieder so machen“, sagt er und bereut es nicht, sich so eine hohe Herausforderung gesetzt zu haben. Noch bevor das erste Brett gebohrt war, hatte der damals 13-Jährige dem FT gesagt: „Erst wollte ich eine Bar oder ein Bett bauen. Aber das war mir zu langweilig.“

Langweilig wurde es dem Flo in den vergangenen Monaten ganz gewiss nicht. Vater Ulli Dittmar, auf dessen Firmenareal in Kirchdorf das Tiny House entstand, hat die Arbeiten seines Sohnes bestens dokumentiert. 2200 Schrauben wurden außen und innen angebracht. 600 Laufmeter Holzbalken für das Ständerwerk verwendet, 200 Laufmeter Lerchenholz per Hand von 24 auf 17 Millimeter gehobelt, 300 Meter Stromkabel verlegt, 40 Rollen Klebeband abgerollt, elf verschiedene Maschinen kamen zum Einsatz. 1800 Arbeitsstunden investierte Florian – und noch viel mehr Nerven wurden verschlissen, um das 2,55 Meter breite, 7,20 Meter lange und fast vier Meter hohe Bauwerk zu realisieren.

Zukunft fest im Blick: Florian Dittmar hat schon genaue Pläne, wie sein Tiny House künftig genutzt werden soll.

Im Normalfall bedeutet GA Große Arbeit, im Fall von Flo könnte man auch von Gigantischer Arbeit sprechen. „Und das Ganze hat funktioniert, ohne dass es zu einem Maschinenschaden oder einer größeren Verletzung kam“, sagt er und fügt lachend hinzu. „Wie oft ich mich hingegen bei der Fassadenarbeit am Blech geschnitten habe, kann man gar nicht zählen.“ Überhaupt: Während Flo die Arbeit mit Holz viel Spaß gemacht hat, war für ihn die Auseinandersetzung mit Blechmaterial immer eine Tortur. „Das ist einfach eine laute und dreckige Arbeit.“

Schüler baut eigenes Tiny House: Der Augenblick der Wahrheit birgt Dramatik

Der nervenaufreibendste Moment war aber jener, als Ober- und Untergeschoß miteinander verbunden wurden. Im September 2019 war das. Zur „Hebweih“ wartete Flo vergeblich auf den bestellten Kran. Aufkommende Regenwolken erhöhten den Druck. Und so organisierte Vater Ulli wortwörtlich in Windeseile einen Gabelstapler vom Getränkemarkt nebenan.

Es waren aber nicht nur die dramatischen Begleitumstände, die diesen Moment so strapaziös für die Nerven machten, betont Florian: „Es war einfach der Augenblick der Wahrheit. Da hätte ja alles passieren können. Das die beiden Teile nicht bündig aufeinanderpassen – oder das alles zusammenbricht.“ Nichts davon geschah, alles war gut.

Gab es trotzdem einen Moment, wo er ob der ganzen Arbeit alles hinschmeißen hätte wollen? „In den vergangenen Sommerferien hatte ich ein richtiges Tief“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Da wollte ich eigentlich richtig anpacken, aber ich hatte einfach keine Motivation. Ich habe nicht mal ansatzweise etwas am Tiny House gemacht.“

Tiny House in Freising: Sogar das Fernsehen berichtet über Schüler Florian Dittmar

Der Gedanke, vor der Größe der Aufgabe zu kapitulieren, kam ihm dennoch nicht. „Oder sagen wir so: Er war schnell wieder weg. Wenn jemand ein so großes Projekt anfängt, und dann auch noch die Zeitung davon berichtet, dann kann man es ja nicht auf so eine Art beenden.“ Inzwischen interessiert sich sogar das Fernsehen für den jungen Tiny-House-Bauer. Das große ZDF war da, will ihn ebenfalls bis zum Schluss der Arbeit begleiten und dann 2022 über das Projekt berichten.

Die Duschkabine steht schon. Betrieben wird sie mit einem im Tiny House installierten Wassertank.

Die Präsentation des Tiny Houses an der Schule soll Ende April stattfinden, wenn es coronabedingt möglich ist. „Natürlich möchte ich eine gute Präsentation hinlegen“, sagt er. „Aber die Bewertung ist mir nicht mehr so wichtig. Heute kann ich sagen, dass ich diese Arbeit für mich und mein Leben gemacht habe und nicht für eine Note.“

Schüler aus Freising: Das sind die Pläne für das Tiny House

Im Sommer möchte er das Tiny House in den Bayerischen Wald überführen. Dort hat eine Bekannte von ihm einen Hof, auf dem neben ihrem eigenen Tiny House auch das von Florian untergebracht und genutzt werden kann. „Sie organisiert die Vermietung“, berichtet der 15-Jährige. „Ich bekomme einen Anteil an den Einnahmen, und kann so meinem Vater das Geld zurückzahlen, das er in das Projekt investiert hat.“ Bis dahin muss er allerdings noch die mit Propangas betriebene Küche einbauen. „Das wird noch mal eine große Herausforderung.“

Wenn er einmal von zu Hause weggeht, möchte Florian selbst in sein Tiny House ziehen. Auf diesen Moment freut er sich schon sehr – nachmittags auf der Dachterrasse Kaffee zu trinken oder abends von dort den Sonnenuntergang zu beobachten. „Das wird genial.“

Freising-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Freising-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Freising – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare