Liebe für alle, steht auf der Schülerzeitung
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Der Camerjäger hat schon einige Preise abgeräumt. Doch diesmal war die gesamte Redaktion überrascht.

Großer Erfolg für Gymnasium

Schülerzeitung aus dem Landkreis Freising wird deutschlandweit als Beste ausgezeichnet

Diese Schülerzeitung hat schon viele Preise abgeräumt. Doch die neue Prämierung hat sogar die eigene Redaktion komplett überrascht.

Freising – Auch wenn der Camerjäger, die Schülerzeitung des Camerloher-Gymnasiums, bei Wettbewerben schon mehrmals ausgezeichnet worden ist, so überraschte die Meldung doch die gesamte Redaktion: Die jüngste Ausgabe des Camerjägers zum Thema Liebe fand nun auch den Zuspruch beim größten Schülerzeitungswettbewerb in Deutschland. Im Bereich der Gymnasien prämierte die Jury die Camerloher-Schülerzeitung mit dem 1. Platz.

„Ich war mit meiner Mama auf dem Weg nach Freising, als ich im Handy die E-Mail las: Unser Camerjäger ist die beste Schülerzeitung in Deutschland. Ich hab’ mich so gefreut! Das war schon eine echte Überraschung“, jubelte Constanze Bauer, die zusammen mit Verena Bauer die Chefredakteurinnen sind. In Zeiten von Corona muss das Feiern verschoben werden. Aber die Zeitungsmacher hoffen auf die Verleihung im September. Sie findet in Berlin im Bundesrat statt. Das Preisgeld: tausend Euro.

Schülerzeitung nicht zum ersten Mal prämiert

Es ist nicht das erste Mal, dass der Camerjäger prämiert wird. Bereits 2019 durfte eine Delegation der Redaktion nach Berlin in den Bundesrat reisen. Im Rahmen des Schülerzeitungspreises der Länder erhielt die Zeitung den Sonderpreis der Joachim-Herz-Stiftung für das Heft mit dem Themenbereich „Freiheit“. Die Jury lobte den Camerjäger als eine Schülerzeitung, die mit beeindruckender Qualität differenziere und sich ausgewogen den verschiedenen Aspekten von Medien und Schule widme. Für die Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt „Träume“ erhielt der Camerjäger am Ende 2020 den Preis der Hanns-Seidel-Stiftung. „Wir wissen bisher noch nicht, wofür wir ausgezeichnet worden sind“, sagte Veronika Eckl, die betreuende Lehrerin der Redaktion.

Die jüngste Ausgabe des „Camerjägers“ mit dem Schwerpunktthema „Liebe“ erhielt nun zwei Auszeichnungen: die erste Ende 2020, nämlich den ersten Preis beim „Blattmacher-Wettbewerb“ in Bayern und jetzt die Auszeichnung für die beste Schülerzeitung in Deutschland im Bereich Gymnasien. „Das ist der wichtigste Preis“,, zeigte sich Schulleiterin Andrea Bliese über die Auszeichnung überrascht. „Die Konkurrenz ist in diesem Bereich enorm groß.“

Umfangreicher Lesestoff zum Thema Liebe

Was zeichnet den Camerjäger aus, besonders die letzte Ausgabe zum Themenkomplex „Liebe“? Klar, Liebe ist für junge Menschen ein wichtiges Thema, für manchen vielleicht sogar das wichtigste. Wer die hundertseitige Ausgabe im DIN-A-4 Format durchliest, weiß, warum der Camerjäger prämiert worden ist. Die Macher der Schülerzeitung haben sich dem schwierigen Thema einfühlsam, vielschichtig und weitreichend genähert, ohne dabei in Klischees abzudriften. So verraten Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, welche Vorlieben sie haben.

Das geht von der Liebe zu Stöckelschuhen, über die Liebe zur Wasserwacht bis zur Liebe zum Hackbrettspielen. Unter „Liebe gestern und heute“ kommen dann ein älteres Ehepaar, das schon 60 Jahre verheiratet ist, und ein noch sehr junges zu Wort. Die Reporter haben sich auch mit Paula Winkler gesprochen, die den größten Sex-Blog Deutschlands gegründet hat, beschäftigt sich auch mit gleichgeschlechtlicher Liebe, sprach mit dem Gastronom Benedikt Schuhbauer über die Liebe, die durch den Magen geht. Und: Da Liebe oft sehr weh tun kann, geben die Blattmacher ihren jungen, aber auch älteren Lesern Tipps gegen Liebeskummer. Das ist nur eine kleine Auswahl des umfangreichen Lesestoffs.

Die Betreuungslehrerin ist ein Glücksfall

Den Camerjäger gibt es am Camerloher-Gymnasium schon seit vielen Jahrzehnten. Vor zehn Jahren hat Veronika Eckl die Betreuung der Schülerzeitung übernommen. Ihr zur Seite stand zunächst die Kunstlehrerin Judith Treimer-Schebler, die vor kurzem von der Kunstlehrerin Judith Reichart abgelöst wurde. „Es ist sehr schön, wie hier am Musischen Gymnasium die beiden Fächer Deutsch und Kunst zusammenarbeiten“, freut sich Eckl. Sie ist ein Glücksfall für die Zeitungsmacher. Bevor sie sich entschloss, Lehrerin zu werden, war sie mehrere Jahre in den verschiedensten Bereichen als Journalistin unterwegs.

Auch wenn Veronika Eckl sich sehr bescheiden gibt: Die Schülerinnen und Schüler profitieren von der Professionalität ihre Betreuungslehrerin. Sie ist hauptsächlich für alle Texte zuständig, während sich Judith Reichart um das Layout und um die Illustrationen kümmert. „Ich halte mich da sehr zurück und lasse die Schülerinnen und Schüler machen, gebe ab und zu Tipps, was das schwierig zu handhabende Layout-Programm betrifft“, sagt Judith Reichart.

Jagd nach Preisen steht nicht im Vordergrund

Für die Blattmacher sind eben nicht nur die Texte von Bedeutung, sondern auch die Visualisierung: also ein ansprechendes Layout, Fotos, Bilder oder auch Graphic Novels. Die Grundkonzeption des Camerjägers ist eigentlich einfach: „Wir überlegen uns für jedes neue Heft ein Rahmenthema: Liebe beim letzten Heft. Davor Freundschaft, Zeit oder Freiheit. Beim Umsetzen lassen uns unsere beiden Lehrerinnen freie Hand“, berichtet Constanze Bauer. Freilich müssen die 20 festen Redaktionsmitglieder und die vielen freien Mitarbeiter viel Kritikfähigkeit mitbringen. „Denn wir winken die Textbeiträge und die Illustrationen nicht einfach durch“, betont Veronika Eckl. In den Redaktionssitzungen werde immer sehr intensiv diskutiert, verraten die Redakteurinnen Konstanze Bauer und Hanna Gürtner.

Die derzeitige Redaktion des Camerjägers hält ihre Sitzungen seit der Pandemie im virtuellen Modus ab, wie die Foto-Collage eindrucksvoll zeigt.

Dabei steht für die Redaktion keinesfalls die Jagd nach Preisen im Vordergrund. „Wir streben hohe Qualität an“, so Konstanze Bauer. Dass ihre Arbeit auch bei Wettbewerben ankomme, darüber freuen sich natürlich die Macher der Zeitung, besonders über den Preis der besten Schülerzeitung. Das motiviere, sich weiter anzustrengen und die Qualität des Camerjägers auch in Zukunft hoch zu halten, geben Hannah Gürtner und Constanze Bauer zu verstehen. Ein Erfolgsrezept sieht die Chefredakteurin Constanze Bauer auch darin, dass in der Redaktion alle Altersgruppen vertreten sind. „Wir Älteren können unser Wissen und unsere Erfahrungen an die Jüngeren weitergeben“, sagt Konstanze Bauer.

Für Schulleiterin Andrea Bliese ist es wichtig, dass auch viele Schüler der Unterstufe mit dabei sind. „Viele Schülerzeitungen werden in der Hauptsache von Oberstufenschüler gemacht. Das ist bei uns nicht so“, verweist Bliese auf die „wertvolle Arbeit“ in der Redaktion: „Der Lerneffekt ist enorm hoch.“

Camerjäger erreicht auch Leser außerhalb der Schulfamilie

Für Andrea Bliese ist es sehr beachtlich, wie die Schülerinnen und Schüler mit einem „kniffligen Themenbereich wie Liebe“ umgehen. „Sie bleiben immer sachlich.“ Fazit: Der Camerjäger ist eine professionell gemachte Zeitschrift. Sie erreicht deshalb nicht nur die Schulfamilie, sondern auch Außenstehende. Weil die Schülerzeitungsmacher ein vielfach positives Feedback erleben, können sich einige der Schüler vorstellen, nach dem Abitur, beruflich in Richtung Journalismus zu gehen.

„Ich war in der Schülerzeitung nur als Gast mit dabei, habe ein paar Illustrationen gemacht, dann immer mehr“, hat Hannah Isenmann den Beruf der Journalistin im Fokus. „Später mal für eine Zeitung Texte zu schreiben und Illustrationen anzufertigen. Das wäre für mich denkbar.“ Ähnliche Überlegungen haben auch Hanna Gürtner und Konstanze Bauer. „Aber bis so eine Entscheidung ansteht, haben wir noch Zeit“, so die Redakteurinnen.

Für Nepomuk Berger, den Siebtklassler, der erst seit kurzem mit dabei ist, steht der Berufswunsch jetzt schon fest: „Ich bin bei der Schülerzeitung mit dabei, weil mir das Schreiben und das Layouten Spaß macht und ich das zum Beruf machen will.“ Mit welchem Eifer alle bei der Sache sind, zeigt sich darin, dass sie auch in der Pandemie-Zeit an der nächsten Ausgabe des Camerjägers arbeiten. Denn eigentlich ist derzeit der Wahlunterricht ausgesetzt.

Arbeit geht weiter

Jetzt laufen die Redaktionskonferenzen über die Plattform Teams ab, auch der Kontakt zu Interviewpartnern. Das klappe recht gut, berichten die Blattmacher. Bei dem einen oder anderem Gespräche fehle aber doch der persönliche Kontakt, räumen die Schülerinnen und Schüler ein. Trotz all der Schwierigkeiten in der Pandemie laufen die Arbeiten an der nächsten Ausgabe des Camerjägers auf Hochtouren.

In der jüngsten Redaktionssitzung wurde wieder viel diskutiert, über Teams ein Interview geführt und einige Artikel schon der Schlussredaktion unterzogen. „Es läuft sehr gut“, hofft Betreuerin Veronika Eckl, dass die nächste Ausgabe am Ende des Schuljahres rauskommt und dann ebenso schnell ausverkauft ist wie die jüngst Preisgekrönte. (Peter Spanrad)

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