Luftreinigungsgeräte werden im Landkreis Freising nur in vier Räumen zweier Schulen zum Einsatz kommen, in denen nicht gelüftet werden kann. SymbolFoto: Dittrich/dpa
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Luftreinigungsgeräte werden im Landkreis Freising nur in vier Räumen zweier Schulen zum Einsatz kommen, in denen nicht gelüftet werden kann. Symbolfoto

Landkreis vertraut weiter aufs Lüften in Schulen

Freisings Schulausschuss fürchtet Millionen-Kosten: Nur vier Luftreinigungsgeräte werden angeschafft

Der Kreis Freising kauft nicht für jedes Klassenzimmer ein Luftreinigungsgerät, sondern nur vier Stück. Diese Entscheidung wurde im Schulausschuss fast einstimmig gefällt.

Freising – Schon ab nächster Woche werden alle Schüler in den Landkreisschulen in den Präsenzunterricht zurückkehren. Für viele Eltern und Schulen wären deshalb mobile Luftreinigungsgeräte eine gute Ergänzung zu den herkömmlichen Hygiene-Maßnahmen, um SARS-CoV2-Infektionen im Schulalltag so gut wie möglich zu reduzieren. Für sie hatte Landrat Helmut Petz allerdings keine guten Nachrichten im Schulausschuss am Donnerstag: Der Landkreis Freising wird nur vier solcher Anlagen anschaffen. Kosten: 20 000 Euro.

Ich sehe ein, dass es hier unterschiedlichste Meinungen gibt.

Landrat Helmut Petz

Petz zitierte zu Beginn der Beschluss-Beratung einen besorgten Vater, der fassungslos sei, wie mit der Gesundheit der Kinder umgegangen werde. Aber es gebe auch Meldungen von Schulen, so Petz: In einigen Klassenräumen sei das Lüften durchaus ein beschwerlicher Vorgang, da Bänke und Stühle nahe an den Fenstern stünden, und deshalb alle 20 Minuten alles weg- und dann wieder hingerückt werden müsse. „Ich sehe ein“, so der Landrat, „dass es hier unterschiedlichste Meinungen gibt.“

Nur für vier Räume kommen Luftreinigungsgeräte infrage

Folgen will der Kreis aber einer Stellungnahme der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) des Umweltbundesamts, in der von einem standardmäßigen Einsatz solcher Luftreinigungsgeräte in Unterrichtsräumen abgeraten wird, da unter anderem dadurch nur die Raumluft umgewälzt werde – sie seien keinerlei Ersatz für Außenluft-Zufuhr, so die IRK-Begründung. Einzelfallprüfungen seien laut IRK nur dort zu treffen, wo eben keine ausreichende Fensterlüftung gewährleistet sei.

Die Möglichkeit einer ausreichenden Lüftung in den Schulen wurde von der Verwaltung des Landratsamts geprüft. Das Ergebnis: In den Landkreisschulen gibt es eigentlich nur vier Räume, für die Luftreinigungsgeräte infrage kommen: Zwei Chemieräume im Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn sowie zwei Musikräume im Freisinger Dom-Gymnasium können nicht ausreichend mit Frischluft versorgt werden.

Landkreis orientiert sich an Leitlinien des Bundesministeriums

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat Anfang Februar neue Leitlinien zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV2-Übertragungen in der Schule veröffentlicht, an denen sich der Landkreis orientiert. Räume ohne ausreichende Lüftungsmöglichkeiten, so in den Vorgaben der Leitlinien, werden per se nicht für den Unterricht empfohlen – also wenn beispielsweise kein Fenster vorhanden ist. Und weiter: Das empfohlene Lüften alle 20 Minuten für drei bis fünf Minuten biete als Nutzen einen „wahrscheinlichen Beitrag“ zur Infektionsreduktion und wird als fester Bestandteil der Standard-Maßnahmen empfohlen.

Der Einsatz von Luftreinigungsgeräten biete laut Ministerium auch eine „wahrscheinlich positive“ Wirkung auf den Infektionsschutz. Allerdings gebe es hier, so das BMBF, zudem negative Auswirkungen – insbesondere im Hinblick auf finanzielle und ökologische Folgen sowie die Machbarkeit. Heißt: hohe Anschaffungs- und Wartungskosten, hoher Ressourcenverbrauch sowie Lärmprobleme durch die laufenden Anlagen.

Luftreiniger für jedes Klassenzimmer würde um die 3,2 Millionen Euro kosten

Was noch dazukommt: Die Förderrichtlinien für solche technischen Maßnahmen haben sich geändert. War es anfänglich nur möglich, einen Zuschuss für Räume mit nicht ausreichenden Lüftungsmaßnahmen zu bekommen, werden jetzt Förderungen von der Bayerischen Staatsregierung für alle Unterrichtsräume genehmigt. Aber: Im Fördertopf befinden sich aktuell nur noch Restmittel, die je nach Antragsreihenfolge ausgeschüttet werden. Ein Ja zu diesen Anlagen würde für die Landkreisschulen laut Petz um die 3,2 Millionen Euro kosten – vorausgesetzt jedes Klassenzimmer würde mit einem Luftreiniger bestückt werden.

Tobias Weiskopf (FDP) verwies auf Studien, die aussagten, dass das Lüften alleine nicht reichen würde. Hier wäre nur ein Luftaustausch von 50 Prozent zu erreichen. Leon Eckert (Grüne) nahm wiederum Bezug auf die Studien des Bundesministeriums: „Dem würde ich schon vertrauen.“ Auch Landrat Petz setzt auf das Lüften, denn in den Sitzungen der Kreisräte würde das ebenfalls sehr gut funktionieren.

Mit einer Gegenstimme wurde die Verwaltung beauftragt, vier Luftreinigungsgeräte zu kaufen.

Richard Lorenz

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