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Sicher unterwegs: Unfälle mit Schulbussen müsse man ins richtige Verhältnis setzen, sagt Alfred Hadersdorfer, Chef des gleichnamigen Busunternehmens. 

Eltern kritisieren Überfüllung

Schulwegunfälle: „Schulbus ist nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel“

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In den vergangenen Tagen ereigneten sich mehrere – zum Teil schwere – Unfälle, an denen Schulbusse beteiligten waren. Trotzdem sei der Schulbus nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel, sagt Busunternehmer Alfred Hadersdorfer.

Landkreis– In Thüringen stürzt ein Schulbus einen Hang hinab, zwei Kinder sterben. Im Landkreis Traunstein kommt ein Schulbus von der Fahrbahn ab und prallt gegen einen Baum. Neun Schüler und der Busfahrer werden verletzt.In Freising übersieht die Fahrerin den Gegenverkehr, der Schulbus prallt gegen einen Opel. In den vergangenen Tagen ereigneten sich mehrere – zum Teil schwere – Unfälle, an denen Schulbusse beteiligten waren. Grund zur Sorge gibt es laut Alfred Hadersdorfer nicht. Er ist der Chef des gleichnamigen Moosburger Busunternehmens, das täglich 30 Schulbusse im ganzen Landkreis im Einsatz hat.

Zahlen ins richtige Verhältnis setzen

Auch wenn in jüngster Zeit leider Unfallmeldungen Schlagzeilen gemacht hätten, müsse man die Zahlen ins richtige Verhältnis setzen: „Der Schulbus ist nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel, um in die Schule zu kommen“, sagt der 39-Jährige, der das Unternehmen in vierter Generation leitet, mit Verweis auf den Landesverband der Bayerischen Omnibusunternehmer (LBO). Dieser hat auf seiner Webseite eine Statistik veröffentlicht: Schulwegunfälle mit dem Bus machten demnach im Jahr 2017 nur 5,4 Prozent der Unfälle aus, wohingegen das Fahrrad mit gut 45 Prozent das gefährlichste Transportmittel ist. Das Auto folgt mit 17,3 Prozent auf Rang drei, danach Fußgänger mit 9,3 Prozent sowie Motorrad, Roller oder Moped mit gut 6,7 Prozent. Ähnliches bestätigt Hadersdorfer aus langjähriger Erfahrung.

Die Statistik genügt vielen Eltern aber nicht. Die bayerischen Elternverbände setzen sich seit mehreren Jahre für eine Änderung der Straßenverkehrsordnung ein: Sie fordern eine generelle Sitz- und Anschnallpflicht. Doch bis dato gilt für Schul- dasselbe wie für Linienbusse, Züge und Trambahnen, erklärt Hadersdorfer: Weil dort auch Stehplätze zugelassen seien, gebe es keine Sitzplatzpflicht beziehungsweise keinen Anspruch darauf. „Dementsprechend gibt es natürlich auch keine Anschnallpflicht.“

Fachkräftemangel macht Busunternehmen zu schaffen

Ein weiterer Umstand, an dem sich Eltern stoßen: Schulbusse seien oft überfüllt. Kritik diesbezüglich nehme das Moosburger Unternehmen sehr ernst. Sollte die vorgeschriebene Sitz- und Stehplatzkapazität tatsächlich einmal überschritten werden, „spätestens dann bin ich beim Auftraggeber, um eine Lösung zu suchen“, betont Hadersdorfer. So weit komme es jedoch gar nicht: Eltern würden schon viel eher Druck machen. „Wenn das Kind stehen muss, sprechen viele schon von einem überfüllten Bus. Das ist aber nicht richtig.“

Sicherheit habe ohnehin hohe Priorität: „Jeder Bus, egal, ob Schul- oder Reisebus, muss einmal im Jahr zur Hauptuntersuchung und zusätzlich alle drei Monate zur Sicherheitsprüfung“, erklärt Hadersdorfer. Der Gesetzgeber lasse zu, dass der Betrieb diese Inspektion selber machen darf. „Bei uns macht das aber schon seit Jahren die Prüfgesellschaft Dekra.“

Was dem Busunternehmen zu schaffen macht, ist der Fachkräftemangel. „Busfahrer werden händeringend gesucht“, sagt Hadersdorfer. Für Stadtverkehr und Ausflugsfahrten, wo die Bezahlung „richtig gut“ sei, sei die Nachfrage schon sehr gering. Schulbusfahrer, die laut Hadersdorfer maximal drei Stunden pro Tag gebraucht werden, seien dementsprechend noch rarer. „Dabei bezahlen wir beim Schülerverkehr ohnehin übertariflich. Nach Tarif kriegen wir keinen Fahrer mehr.“

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Sicher oder nicht? Das ist Ansichtssache: Ein Kommentar von Redakteurin Andrea Beschorner

Ob ein Problem wirklich eins ist, ist oft Ansichtssache. Ein Beispiel ist das Thema Schulbus. Im Artikel rechts erklärt ein Busunternehmer, dass der Bus das sicherste Verkehrsmittel auf dem Weg zur Schule ist. Die Zahlen im Landkreis Freising sprechen da für sich, der Statistik ist wenig zu entgegnen. Aber schauen wir mal in den Bußgeldkatalog: Bei mehreren nicht angegurteten Kindern im privaten Fahrzeug zahle ich – völlig zurecht – eine Strafe in Höhe von 70 Euro. Gleichzeitig ist es völlig in Ordnung und gilt sogar als absolut sicher, wenn Kinder im Bus stehend mitfahren? Nachvollziehbar? Nein!

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