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Ein Verein, keine Partei: Der 27. September 2011 ist der offizielle Geburtstag der Freisinger Mitte – und Tobias Eschenbacher ihr Hoffnungsträger für die OB-Wahl 2012.

Vor fünf Jahren gründete sich die Freisinger Mitte

Als die Schwarzen ihr blaues Wunder erlebten

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Freising - Es war ein politisches Erdbeben: Acht (!) CSU-Stadträte treten aus der Fraktion aus, kurze Zeit später gründet sich die Freisinger Mitte. Das war vor fünf Jahren. Seitdem fährt die FSM einen Wahlerfolg nach dem anderen ein. Freisings politische Landschaft hat einen starken Blaustich bekommen.

Es beginnt mit einer Niederlage. Mit einer herben, schmerzlichen Niederlage. Der 7. Juli 2011 ist ein Donnerstag. In der Luitpoldhalle treten Rudolf Schwaiger und Tobias Eschenbacher gegeneinander an. Beide wollen OB-Kandidat für die CSU werden. Es ist ein Duell, das Freising und die CSU elektrisiert, das die Emotionen hochkochen lässt. Am Ende dieses Abends, der mit „Highway to hell“ von ACDC eröffnet worden war, triumphiert Schwaiger, wird mit 124 zu 95 Stimmen zum Hoffnungsträger der CSU gekürt. Eschenbacher verlässt geknickt und geschlagen die Bühne. 

Der 11. März 2012 ist ein Sonntag. Oberbürgermeister-Wahl in Freising. Und dieses Mal triumphiert Eschenbacher, wird mit 33,7 Prozent zusammen mit Sebastian Habermeyer (Grüne) in die Stichwahl geschickt. Schwaiger scheitert: Er erhält nur 15,4 Prozent. Jetzt sind es er und die CSU, die eine herbe Niederlage verdauen müssen. Und zwei Wochen später, wieder ein Sonntag, ist der Sieg Eschenbachers endgültig. In der Stichwahl setzt er sich mit 56,9 Prozent durch. 

Showdown in der Luitpoldhalle: Rudolf Schwaiger (r.) wird am 7. Juli 2011 mit 124 zu 95 Stimmen zum OB-Kandidaten der CSU gekürt. Tobias Eschenbacher (l.) hat das Nachsehen.

Da ist Eschenbacher schon lange nicht mehr CSU, da ist Eschenbacher FSM. Was ist passiert? Am 27. September 2011 hat sich um Eschenbacher herum die Freisinger Mitte gegründet. Fünf Jahre ist das nun her. Jetzt feiert die Freisinger Mitte ihren ersten halbrunden Geburtstag. Und sie feiert groß. 

Der Frust und der Ärger über die Kür Schwaigers zum OB-Kandidaten der CSU sitzt im Juli 2011 bei vielen CSU-Stadträten tief. So tief, dass sich am 31. August acht CSU’ler dazu entschließen, aus der Stadtratsfraktion der Christsozialen auszutreten. Fünf von ihnen treten sogar aus der Partei aus. Die acht Namen: Eschenbacher, seit der Kommunalwahl 2008 der Fraktionschef der CSU, Florian Notter, Maria Lintl, Hans Hölzl, Oliver Pflüger, Reinhard Fiedler, Ludwig Kropp und Anton Frankl. Ricarda Schindler von den Grünen kommt auch noch dazu. 

Es ist die Geburtsstunde der Freisinger Mitte, es ist ein Schritt, der nicht nur in Freising, sondern weit über die Landkreisgrenzen hinaus für Aufsehen sorgt. Schließlich befindet man sich gerade in einer Hochphase des Abwehrkampfs gegen die dritte Startbahn, da werden Austritte aus der CSU überregional beachtet. Lange beherrscht dieser Schritt die Schlagzeilen, die CSU-Fraktion im Stadtrat ist auf ein Trio zusammengeschrumpft – als da sind Zweiter Bürgermeister Rudolf Schwaiger, Erich Irlstorfer sowie Hubert Hierl. CSU-Kreisvorsitzender Florian Herrmann bezeichnet den Austritt der Acht sogar als „psychotischen Massenselbstmord“. 

Am 27. September ist es dann offiziell: Freisinger Mitte e.V. wird gegründet, Gründungsvorsitzender ist Florian Notter. Der tritt im März 2013 als Vorsitzender und Stadtrat zurück, weil er Stadtarchivar von Freising wird. Später wird auch noch Oliver Pflüger austreten. 

Banges Warten im großen Rathaus-Sitzungssaal: Am 11. März 2012 nimmt Tobias Eschenbacher (M.) die erste Hürde bei der OB-Wahl. Zwei Wochen später triumphiert er in der Stichwahl gegen Sebastian Habermeyer (Grüne) – und wird damit Freisings Oberbürgermeister.

Und so ist es zweieinhalb Jahre nach der Gründung und zwei Jahre nach der erfolgreichen OB-Wahl im März 2014 spannend, ob die FSM die Zahl ihrer Stadtratssitze halten wird können. Und siehe da: Die FSM legt sogar noch eins drauf. Am Abend des 16. März 2014 steht fest: Die FSM ist die stärkste politische Kraft im neuen Stadtrat. Elf Sitze kann man auf sich vereinen: Maria Lintl, Hans Hölzl, Reinhard Fiedler (der Fraktionssprecher wird), Monika Riesch, Anton Frankl, Ricarda Schindler, Katrin Stockheim, Christian Dobler, Franz Bernack, Monika Schwind und Thomas Bauer werden als Stadträte gewählt (und sind es heute noch). 

Und noch ein Wahlerfolg an diesem Abend: Die FSM hatte sich dazu entschieden, auch auf Landkreisebene mit einer Liste zu kandidieren. Die Hoffnungen, als Stadt-Gruppierung auf Landkreisebene große Erfolge zu feiern, waren eher gering. Und so waren die FSM’ler selbst davon überrascht, dass sie fast zehn Prozent der Stimmen und sieben Sitze im Kreistag ergattern konnten. 

Das Erfolgsrezept? Man ist ein Verein, keine Partei. Und so spart man sich beispielsweise die Aschermittwochsreden, trifft sich an diesem Tag lieber zum ruhigen, geselligen und kulturellen Gedankenaustausch am Lagerfeuer. Man ist eine Mischung aus politischen Urgesteinen und echten Newcomern. Man beschränkt sich auf Freising, für die Stadt und den Landkreis bündelt man alle Kräfte. Man hat diverse Ausschüsse und Arbeitsgruppen, deckt alle wichtigen Felder der Freisinger Stadtpolitik ab. Der Internet-Auftritt ist vorbildlich, die Öffentlichkeitsarbeit – ob OB-Wahl, Kommunalwahl oder auch in Zeiten ohne Wahl – pfiffig und unaufgeregt. Der jetzige Vorsitzende ist Patrick Romer, rund 200 Mitglieder zählt der Verein, der jetzt seinen fünften Geburtstag feiern kann

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