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Planen den Aufstand: Die Gruppe langjähriger Stammgäste kritisiert, dass man sie nicht über den Wegfall der Mietkabinen informiert hat.

Wegen Neubau-Planungen

Freibad-Stammgäste beschweren sich: „Wir Alten werden nie gefragt“

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Sommer, Sonne, Ärger: Seit 40 Jahren besucht ein bunte Truppe Wasserratten um die Freisingerin Waltraud Hollerith das Freibad. Ihre Siebensachen verstauen sie seit jeher in Mietkabinen – aktuell unterm Sprungturm. Die aber sollen im Zuge des Bad-Neubaus verschwinden. Für Hollerith und Co. ein Grund, dem Schwimmparadies den Rücken zu kehren.

Freising – „Wir als langjährige Stammgäste fühlen uns überrumpelt“, zürnt Waltraud Hollerith beim Besuch in der FT-Redaktion. Sie habe sich anders einfach nicht mehr zu helfen gewusst, als sich via Zeitung an die Öffentlichkeit zu wenden. Vier Jahrzehnte schon besucht die Dame nebst rund 50 weiteren leidenschaftlichen Freibadgängern das Freisinger Bad, verstaute ihre Habseligkeiten wie Sonnenliege, Schirm, Badesachen und Co. dabei stets in einer Miet-Kabine – viele Jahre lang in den alten hölzernen, die bereits im vorigen Jahr weichen mussten. Es folgte der Umzug in die „neuen“, ebenfalls längst in die Jahre gekommenen Umkleideräume unterm Sprungturm. Doch auch die sollen im Zuge des Umbaus wegfallen.

Stocksauer: Waltraud Hollerith will auch künftig ihre Bade-Utensilien in einer Kabine verstauen.

Ein Umstand, der den Schwimmern so allerdings nicht bekannt war. „Wir wurden darüber nicht informiert“, sagt Hollerith. „Wir Alten werden nie gefragt, was die da draußen alles planen“, grollt die Lerchenfelderin. Dabei hätten sie und ihre Gleichgesinnten bereits vor Monaten das Gespräch mit dem Bademeister gesucht. „Der hat auch geglaubt, dass neue Kabinen kommen.“ Allein, geben wird es nach den umfangreichen Umbaumaßnahmen keine mehr, wie Alexander Frederking, Leiter der Bäderbetriebe der Stadt Freising, auf Nachfrage betont. Obgleich er die Verärgerung der Gäste nachvollziehen kann: „Eine befriedigende Lösung wird es leider nicht geben“, so der Spezialist in Sachen Bäderfragen. „Weil es eben auch das Bad in seiner jetzigen Form nicht mehr geben wird.“ Die Kabinen würden mit dem Ziel abgerissen, „ein modernes Bad, Stand 2017 zu schaffen“, so Frederking. Die antiquierten Umkleiden passten da schon rein optisch nicht mehr ins Konzept. Frederking nennt noch einen weiteren Aspekt: „Es macht bei der kalkulierten Zahl der Besucher heute einfach keinen Sinn mehr, 30 solcher Kabinen zu halten.“ Nicht zuletzt deshalb, weil es unfair gegenüber den anderen Gästen sei. Alternativ seien immerhin kleine Fächer angedacht, die man per Münzeinwurf mieten kann, informiert Frederking weiter.

Die Stadtwerke als Betreiber seien dankbar, dass die Senioren dem Bad über so lange Zeit die Treue halten würden. Dennoch müssten sie sich leider von dem lieb gewonnenen Luxus verabschieden. Man wisse, so Frederking, dass das eine Gratwanderung sei. Man wolle natürlich niemanden verprellen. Aus diesem Grund hätten auch schon diverse Gespräche mit Senioren stattgefunden, die ihr Leid geklagt haben. Da jedoch geplant sei, die Wege in der Anlage zu verkürzen, werde es schlicht keine Umkleiden mehr im Außenbereich geben. „Wir müssten sonst ja jeden Besucher zwingen, erst durch das Hauptgebäude zu gehen, um sich dann draußen umzuziehen“, erklärt der Leiter der Bäderbetriebe.

Er hoffe jedenfalls, dass der Ärger der Senioren irgendwann verfliegt, und erinnert an den öffentlichen Aufschrei, für den seinerzeit der Abriss des berühmten Krakenbeckens gesorgt hatte. „Das war dann auch nach wenigen Wochen vergessen.“

Waltraud Hollerith und die anderen Badfreunde lassen indes keine Erklärung gelten. Sie fühlen sich hintergangen und wollen unter keinen Umständen auf ihre Kabinen verzichten. „Ohne komme ich einfach nicht mehr“, sagt sie. Und Alexander Frederking erwidert: „Es wäre unheimlich schade, wenn es nur aus diesem Grund wäre.“  ah

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