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Dennis Buttler mit seinem Promille-Krug.

Praktische Erfindung

Der Sehtest für den Biertrinker 

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Wer zu tief ins Glas geschaut hat, erfährt normalerweise erst beim unangenehmen Aufeinandertreffen mit der Polizei, wie viel er intus hat. Dennis Buttler aus Freising hat jetzt einen Bierkrug kreiert, der zugleich Sehtest und Promille-Barometer ist.

Freising – Seinen persönlichen Alkoholtest hatte Dennis Buttler mit 15 Jahren. Damals saß er im Biergarten in Haag, als ihn sein Vater Wolfgang fragte, ob er nicht mal einen Schluck Bier probieren wolle. Der Sohnemann nippte und merkte sofort: „Nein, das ist nichts für mich.“ Inzwischen ist der Freisinger mehr als doppelt so alt – und hat keinen weiteren Tropfen Alkohol mehr getrunken. Es entbehrt also nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet er einen Bierkrug konzipiert hat, der eine Promille-Kontrolle bietet.

Buttler selbst findet das nicht abwegig: „Ich habe ja keine Alkoholphobie“, betont er. Wenn er Bekannte besuche, bringe er immer etwas mit – gerne eine Flasche Wein. Auf diesem Weg sei er auch auf die Idee mit dem Bierkrug gekommen. „Ich wollte ein Gastgeschenk zur Hand haben, das persönlich ist und gute Laune macht.“ Der Einfall des Funktionaloptomestristen: ein Keramikbierkrug, auf dem ein Buchstaben-Sehtest abgebildet ist, der dem Besitzer nicht nur Aufschluss darüber gibt, wie gut die Augen funktionieren, sondern, davon abgeleitet, auch, wie viel Alkohol er intus hat.

Von der nüchternen Idee bis zum Prosit der Gemütlichkeit war es dann allerdings noch ein weiter Weg. Rund ein Jahr lang nahm sich Dennis Buttler Zeit, die Sehschärfe-Einheit Visus in Promille umzurechnen. Zu seinem Glück konnte der Abstinenzler sich auf trinkfreudige Bekannte aus der Optik-Branche verlassen, die ihm bei der Forschungsarbeit gerne behilflich waren. „Wir haben uns regelmäßig abends getroffen“, schildert Buttler die Zusammenkünfte. Immer griffbereit: ein Kasten Bier, eine Refraktionsbrille zur Bestimmung der Sehschärfe und ein Atemalkoholtester, wie ihn die Polizei verwendet. „Der Ablauf war immer derselbe: trinken, refraktionieren, blasen, trinken, refraktionieren, blasen.“

Was bei der Arbeit des Buttler-Optik-Teams herausgekommen ist, lässt sich jetzt am Krug ablesen. Wer beim Sehtest die untereste Zeile noch entziffern kann und 70 Prozent erreicht, den Wert also, der für den Besitz eines Führerscheins notwendig ist, liegt auf der Buttler-Skala zugleich bei 0 Promille. Derjenige, dem der Krug noch eine Sehschärfe von 30 Prozent bescheinigt, dürfte gerade so noch Auto fahren. Denn der läge bei 0,4 Prozent. Und wer selbst den größten Buchstaben nicht mehr lesen kann, sollte – klarer Fall – sein Fahrzeug stehen lassen. Denn der hat 1,5 Promille im Blut.

„Wir haben uns mit der Umrechnung schon sehr viel Mühe gegeben“, sagt Dennis Buttler, betont aber auch: „Was wir betreiben, ist natürlich nur Stammtisch-Wissenschaft.“ Wenn ein Polizist jemanden den Führerschein abnehmen wolle, könne der sich nicht auf den einwandfreien Bierkrug-Alkoholtest herausreden. „Ich glaube zumindest nicht, dass die Polizei den Test anerkennt“, meint Buttler und lacht.

Inzwischen hat der Freisinger 500 Krüge produzieren lassen. Die Resonanz ist bisher sehr positiv. „Diejenigen, denen ich einen Krug schenke, zeigen zuerst so eine höfliche Freude, wenn sie ihr Geschenk sehen. Umso schöner ist es, wenn sich ihre Miene aufhellt, weil sie erkennen, was ihr Krug zu bieten hat“, erzählt Dennis Buttler. Sein Vater, ein Optiker, der in Freising ein Brillengeschäft betreibt und ihm bei der Realisierung der Idee unter die Arme gegriffen hat, ergänzt: „Ich denke, dass der Krug in Freising gut ankommen wird. Wir haben ja hier genügend Bierbrauer und Burschenschaften.“ Im Prinzip sei das Gefäß für jeden etwas, der gerne auf Volksfeste oder die Wiesn gehe. „Da kann man im Vorfeld schon mal trainieren und dabei etwas über seine Trinkfestigkeit erfahren.“

Auch Dennis Buttler trinkt übrigens gerne aus seinem Krug: Kakao. Im Keramikgefäß bleibt die Schokolade schön lange warm, weiß der Experte. Und auch nach einem halben Liter hat Buttler keine Probleme damit, zu lesen, was drauf steht: „Ein Hoch auf die Gemütlichkeit – Prost.“

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