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Slackliner retten Paar nach Sturz in Isar: So hat einer der Helfer das Drama erlebt

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Von: Magdalena Höcherl

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Behielten einen kühlen Kopf: Der Freisinger Slackline-Profi Lukas Irmler (l.) und sein Spezl Sören Arlt retteten mit ihrer Ausrüstung zwei Münchnern das Leben. © Götzfried

Als sie bemerkten, dass ein Pärchen in der Isar zu Ertrinken drohte, halfen der Freisinger Slackline-Profi Lukas Irmler und sein Spezl sofort - mit ihrer Ausrüstung.

Freising/München – Sie waren Schutzengel: Wären Lukas Irmler aus Freising und sein Spezl Sören Arlt nicht gewesen, wäre ein Pärchen aus München wohl in der Isar ertrunken. Zum Glück waren Irmler und Arlt zufällig beim Slacklinen. Ohne groß nachzudenken, retteten sie so zwei Menschenleben (MM Bayern berichtete).

Ein glücklicher Zufall

„Das war ein glücklicher Zufall, dass wir dort waren“, erzählt Irmler im FT-Gespräch. Wie in letzter Zeit öfter, hatte er am Mittwochnachmittag an der Luitpoldbrücke in München eine Slackline über die Isar gespannt. Der 30-Jährige ist Slackline-Profi, erst kürzlich hat er in Russland einen neuen Weltrekord aufgestellt, als er mit verbundenen Augen 55 Minuten über einem Canyon balanciert. Dass Irmler und sein Freund Arlt ihre Fähigkeiten genau einschätzen und bestens mit ihrer Ausrüstung umgehen können, bescherte den Rettungskräften wertvolle Minuten.

Am Mittwochnachmittag rutschte eine Münchnerin aus und fiel in den reißenden Fluss, als sie ihre Füße abkühlen wollte. Beim Versuch, sie festzuhalten, stürzte ihr Freund hinterher. Die beiden trieben durch die Wasserwalze und weiter stromabwärts. Am Maximilianswerk schafften sie es, sich an einem winzigen Mauervorsprung festzuhalten. „Ich verstehe gar nicht, wie sie das gemacht haben. Da war eigentlich nichts zum Festhalten“, sagt Irmler. Hier kamen er und Arlt ins Spiel. „Wir haben von dem Unglück erst gar nichts mitbekommen“, sagt Irmler. Doch auf einmal seien Passanten auf sie zugelaufen und hätten sie darauf aufmerksam gemacht.

Slackline-Ausrüstung rettet Leben

Dann ging alles ganz schnell. „Was wir tun mussten, war völlig logisch“, sagt Irmler. „Wir haben uns einfach die Schlingen geschnappt, die wir selbst oft benutzen, um auf Bäume zu klettern und uns zu sichern“, erzählt der Freisinger. Kurzerhand haben sie die Bänder ins Wasser gelassen. Das Pärchen schaffte es, die Beine durch die Schlingen zu stecken und sich über Wasser zu halten, bis die Feuerwehr vor Ort war. „Das ging zum Glück recht schnell“, erinnert sich Irmler. Trotzdem hätten die beiden noch einige Minuten in dem 13 Grad kalten Wasser ausharren müssen. Was ohne das schnelle Handeln der Slackliner geschehen wäre, mag man sich überhaupt nicht ausdenken.

Als Irmler und Arlt kurz darauf wieder auf der Slackline stehen, wird ihnen erst klar, was gerade passiert ist. Die Dramatik der Situation sei ihm zunächst gar nicht so bewusst gewesen, sagt Irmler. „Erst als die Feuerwehr gesagt hat, dass es eine knappe Geschichte gewesen sei, kam uns das langsam.“ Ihr Vorteil: Als Slackline-Profis sind es die beiden gewöhnt, auch in Extremsituationen einen kühlen Kopf und volle Konzentration zu bewahren. Diese Eigenschaften haben an diesem Mittwoch Leben gerettet.

Slackline-Verein gegründet

Um Slackliner aus München und Umgebung besser zu vernetzen, haben Irmler und Arlt kürzlich einen eigenen Verein gegründet. „So wollen wir die Community stärken und unsere Plätze in der Stadt dauerhaft sichern. Der Sport soll einfach ein bisschen präsenter werden“, erklärt der 30-Jährige. Infos finden Interessierte auf Facebook in der Gruppe Slackline München e. V.

In Freising und Umgebung lief kürzlich eine große Suchaktion: Offenbar war eine Person in die Isar gestürzt. Doch nicht nur der reißende Fluss is gefährlich. In Neufahrn konnten Rettungskräfte einen 19-Jährigen nach einem Badeunfall im Mühlsee zwar aus dem Wasser holen - doch der Mann verstarb wenig später im Krankenhaus. Ein Mann kehrte bei Weichering nicht vom Baden aus einem See zurück: Begleiter alarmieren Wasserwacht - doch jede Hilfe kommt zu spät.

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