Spielen, bis sich der Nachthimmel über den Garten legt: Luz amoi legen beim „Sommer Wunder“ einen formidablen Auftritt hin. foto: lehmann

Band und Zuschauer genießen den Abend

„Sommer-Wunder“: Luz amoi bieten Hymnen für laue Nächte

Für Luz Amoi war es der erste Auftritt nach dem langen Lockdown. Und so findet Stefan Pellmaier emotionale Worte beim „Sommer-Wunder“ im Freisinger Amtsgerichtsgarten.

Freising – Mit dem Sommerwunder gelingt Freising tatsächlich etwas sehr außergewöhnliches: Die Organisatoren tragen die Kunst mitten in die Stadt hinein, als hätte es immer schon so sein sollen. Der Amtsgerichtsgarten ist wie geschaffen für eine kleine Freilicht-Bühne, das bewies am vergangenen Samstag auch die Kult-Formation Luz Amoi auf ganz wunderbare Weise. Auf ihre unvergleichbare musikalische Art färbten sie den Abend in ein traumwandlerisches Licht – ohne Zweifel ein Sommerwunder.

Um die 150 Zuschauer waren in den Amtsgerichtsgarten gekommen, um die Weltmusiker wieder einmal live zu erleben. Ihr letztes großes Konzert gab die Band um Stefan Pellmaier im Januar – das große Neujahrskonzert in der Luitpoldhalle Freising. So gesehen war es eigentlich wie eine zweite Spielhälfte nach der großen Pause, ein Heimspiel der besonderen Art. „Wir genießen den Abend, ich kann es euch gar nicht sagen“, betonte Pellmaier und weiter: „Ihr spürt nicht, was in uns vorgeht.“

Luz amoi legen gleich mit ihrem heimlichen Hit los

Der Opener „Kirschblütenzeit“ perfekt gewählt, um diese Stimmung über die Dächer zu transportieren – das Stück selbst ohne Zweifel ein Meisterwerk der vertonten bayerischen Gefühlslage: Ein F.X.- Bogner-Sound, wie gemacht für solchen Abend. Ihr geheimer Hit „Hey Berta“ gleich als Nachschlag – der beschwingte Lead Belly-Blues eine offenkundige Hommage an das Dorfleben per se.

Pellmaiers Akkordeon gekonnte Atemzüge, weit weg vom Volksmusik-Kitsch, im perfekten Dialog mit Johannes Czerniks Klarinette. Immer im Nebenton die Liebe zur Klezmer-Musik und zum Gypsy-Swing, nie aufdringlich aber immer präsent. Und auch das kann Luz Amoi formidabel: das umwerfende Spiel zwischen Laut und Leise. Stefanie Pellmaier glänzt an der Violine wie immer: Sicherlich würde sich sogar ein Stéphane Grappelli vor ihr tief verneigen.

Pellmaier mit emotionalen Worten zum Lockdown

„Es war eine interessante Zeit, da war plötzlich der Schalter aus“, sagte Pellmaier über den Lockdown. Außerdem habe er während der Corona-Zeit den Handwerker in sich entdeckt: „Ich hab jetzt eine Werkstatt vom Allerfeinsten mit mindestens 25 Schraubenzieher.“ Geradezu prophetisch dazu der Song „Zeit, halt o“, eine Sehnsuchtsparabel auf ruhigere Zeiten – musikalisch in unmittelbarer Nähe zu Hubert von Goisern und Werner Schmidbauer, aber mit ganz eigenem Innenleben. Dominik Hogl am Bass und Manuela Schwarz am Hackbrett erwiesen sich als kongenial und unverzichtbar für diesen ganz speziellen Hallertauer Sound, der sich längst vermengt hat mit den Roots der Weltmusik.

Aber auch der Americana-Drive mit „I hob di“, einer älteren, aber keineswegs angestaubten Nummer gelingt der Formation, in bester Spiellaune katapultieren sie den Song in die Jetzt-Zeit. „Normalerweise rede ich viel mehr“, erklärte Pellmaier. „Aber heut’ will ich spielen.“ Genau das tut Luz Amoi auch: Spielen bis sich der Nachthimmel über den Garten spannt und die Schatten zu ihren Lieder tanzen.

Luz Amoi spielen inzwischen in der ganz großen Liga mit

Mit Luz Amoi hat Freising eine Band gefunden, die einen kompletten Landkreis mit einem ganz speziellen Sound bebildert: die Hopfengärten, das Dorfleben, das bayerische Eigene – zuvor ist das nur Haindling so gekonnt gelungen. Seit ihrem aktuellsten Tonträger „Für Berta . . .“ spielt Luz Amoi sowieso in der ganz großen Liga mit – und wir haben mit ihnen unsere Hymen für die langen Sommernächte gefunden. Während Freising ganz was anderes gefunden hat: Eine ganz wunderbaren Ort für außergewöhnliche Konzert-Abende, jenseits von Festival und Mainstream, inmitten der Domstadt – als hätte es immer schon so sein sollen.

Richard Lorenz

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