Eine Formation auf Welt-Niveau: Das Joscho-Stephan-Trio begeisterte am Sonntag mit einer Matinee im verregneten Amtsgerichtsgarten in Freising.
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Eine Formation auf Welt-Niveau: Das Joscho-Stephan-Trio begeisterte am Sonntag mit einer Matinee im verregneten Amtsgerichtsgarten in Freising.

Matinee im Amtsgerichtsgarten

Ein Sommerwunder, das beinahe zu Tränen rührt: Joscho-Stephan-Trio spielt auf Welt-Niveau

Keine Frage: Dieses Konzert war ein, wenn nicht sogar der Höhepunkt des bisherigen Sommerwunders.

Freising - Das Joscho-Stephan-Trio lieferte ein Konzert ab, das Jazz-Freunde staunend zurückließ. Denn hier sind Musiker am Werk, die das Erbe des großen Django Reinhardts mit so viel Würde auf die Bühne bringen, dass es beinahe zu Tränen rührt.

Trotz Nieselregen und nicht gerade sommerlichsten Temperaturen strömten unzählige Freisinger zur Matinee am Sonntag in den Amtsgerichtsgarten. Kein Wunder, denn dem Trio eilt der Ruf voraus, dass es sich hier um eine Formation auf Welt-Niveau handle. Und kein Zweifel: Die Musiker könnten ebenso gut gerade aus New York eingeflogen worden sein, so präzise und virtuos legten sie schon bei der ersten Nummer los.

Als wäre Meister Django selbst dabei

„Hallo kleines Fräulein“ von ihrem Album „Paris-Berlin“, das ihren Gypsy-Swing brillant nach Freising katapultierte. Und dann natürlich „Minor Swing“, einst komponiert von Django Reinhardt und Stéphane Grappelli – vom Joscho-Stephan-Trio so umwerfend interpretiert, als wäre der Altmeister doch noch unter den Lebenden. Gleichzeitig gelang dem Trio mühelos, den Amtsgerichtsgarten in einen Hinterhof von Montmartre zu verwandeln, alleine durch diesen ganz speziellen Sound, Verve und vor allem dem Herzblut, das in jeder Nummer steckte.

Es ist natürlich vor allem Joscho-Stephans-Gitarren-Virtuosität, die sich so nahe an Django Reinhardts Spiel bewegt, dass es beinahe unheimlich ist. Auch deshalb werden Songs wie beispielsweise „Till there was you“, bekannt geworden durch die Beatles, zu einem Gypsy-Feuerwerk, als wäre es immer schon so gewesen. Selbst „Hey Joe“, der Signatur von Jimi Hendrix, verwandelt sich zu einem anderen Song, ohne die Woodstock-Grundstimmung zu verlieren.

Trio belebt Gypsy-Swing-Zeit neu

Dabei funktioniert das Trio wie ein Uhrwerk: drei Musiker, die mit einem gleichen Herzschlag die Klassiker der Gypsy-Swing-Zeit neu beleben, ohne sie zu beschädigen. Vielleicht der schönste Song des Konzerts: die Eigenkomposition „Ballade pour Django“ – eine liebevolle und tiefe Verneigung mit den weitergedachten Träumen des Ausnahmemusikers von einst.

Dabei ist auch hier die Hommage so wunderbar, dass der Zuhörer beinahe die Geige von Grappelli zwischen den Tönen hören kann. Ein Konzert also, das man sich als Mitschnitt wünscht und als jährliche Live-Wiederholung.

Freising ist längst bereit für ein Jazz-Wochenende

Überhaupt zeigte das Event auch jenes: Freising ist längst bereit für ein Jazz-Wochenende. Worauf also warten die Veranstalter eigentlich noch? Nicht unerwähnt bleiben sollte aber auch, dass der Ton formidabel von dem großartigen Tontechniker Rudi Spindler abgemischt wurde. Die Zuschauer waren hellauf begeistert, im nachlassenden Regen tanzte eine junge Dame zu Django Reinhardts Vermächtnis. Was will man mehr? (Richard Lorenz)

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