Sparstrumpf voller Bargeld

Sozialhilfeempfängerin findet 26.000 Euro - und bringt sie zur Polizei

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Freising - Eine Freisingerin, selbst bedürftig, hat 26.000 Euro gefunden - und zur Polizei gebracht. Dort zollt man der ehrlichen Finderin großen Respekt.

Wenn die Nachtschicht beginnt, tritt auch die Kaffeemaschine ihren Dienst an. Doch am späten Dienstagabend benötigen die Polizisten der Freisinger Inspektion gar keinen Wachmacher aus der Tasse. Eine Frau erscheint in der Inspektion. Sie trägt schlichte Kleidung und hält eine Schachtel in der Hand. Sie sagt, dass sie etwas abgeben möchte. Die Beamten haben schon viel erlebt, aber damit rechnen sie nicht. Denn in der mitgebrachten Strumpfbox befindet sich nicht nur ein Paar Socken, sondern auch ein riesiges Bündel mit Geldnoten. Es dauert eine Weile, bis die Beamten alle Scheine durchgezählt haben: Es handelt sich um 26 000 Euro. Sechsundzwanzigtausend Euro!

Die Geschichte dieses spektakulären Fundes beginnt mit dem Tod einer Freisingerin. Bei der notwendig gewordenen Wohnungsentrümpelung wird unter anderem ein Kleiderschrank ausgeräumt. Unter den Hosen, Blusen und Pullovern befindet sich auch eine unscheinbare Schachtel mit Strümpfen – originalverpackt, wie es scheint.

Die Socken landen bei Rentabel – dem Gebrauchtwarenladen des Caritas-Zentrums Freising. Wären die reich bestückten Strümpfe in einem Sack mit anderen alten Kleidern abgegeben worden – das Geld wäre einem der Mitarbeiter aufgefallen. Denn sämtliche auf diese Art abgegebenen Textilien werden auf Schäden untersucht, anschließend gewaschen und sortiert, wie Caritas-Sprecherin Carolin Dümer dem FT mitteilt. „Aber original-verpackte Schachteln kommen einfach in die Auslage und werden verkauft.“ Dass jemand die Box bereits geöffnet hat, um dort einen Packen Geld zu verstecken, ahnt bei Rentabel niemand.

Und so finden die Socken ihren Weg zu der Sozialhilfeempfängerin aus Freising. Als die Frau zu Hause in die Strümpfe schlüpfen will, fallen ihr plötzlich die 26 000 Euro in die Hände. Die Finderin könnte das Geld gut gebrauchen, doch sie folgt ihrem Gewissen: Sie packt die Scheine wieder ein und trägt den Sparstrumpf noch am späten Abend auf die Wache.

So einen Fall hat der Polizeichef noch nicht erlebt

Freisings Polizeichef Ernst Neuner

Die verblüfften Beamten der Nachtschicht nehmen den Fall auf. Am nächsten Morgen gibt die Polizei eine Pressemitteilung heraus: „Auch wenn es vermutlich jeder gerne wäre, sucht die Polizei nun den rechtmäßigen Besitzer.“ Dieser solle sich doch bitte bei der Inspektion melden.

Die Nachricht macht schnell die Runde. Doch noch bevor jemand darauf reagieren kann, finden die Ermittler heraus, woher das Geld stammt. Wie Freisings Polizeichef Ernst Neuner dem FT auf Nachfrage berichtet, konnte die Herkunft der Scheine zweifelsfrei geklärt werden – anhand eines Kontoauszugs, der sich unter den Scheinen befunden hat. Das Geld wurde bereits an den Nachlassverwalter der Verstorbenen übergeben.

PI-Chef Ernst Neuner ist am Mittwochvormittag immer noch baff: „So einen Fall habe ich in meiner Karriere noch nie gehabt“, sagt der erfahrene Polizeioberrat. „Absolut toll, wie sich die Dame verhalten hat!“ Die Frau selbst ist nicht nur ehrlich, sondern auch bescheiden. Sie will kein Aufsehen um ihre gute Tat machen und möchte daher anonym bleiben. Ihr Handeln spricht für sich.

Rubriklistenbild: © dpa

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