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Filmemacherin Anna Brass mit Freisings SPD-Chef Markus Grill (l.) und Kreisvorsitzendem Peter Warlimont.

SPD-Schwerpunkt Europa

Wie überwindet man Hass?

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2019 ist Europawahl. 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 74 Jahre, in denen aus den von den Franzosen abschätzig „Boche“ genannten Deutschen „Buddys“ geworden sind, wie man heute beste Freunde nennt. „Vom Boche zum Buddy“ heißt denn auch das filmische Experiment von Anna Brass, das auf eindrucksvolle Art beweist, dass und wie man dokumentarische Inhalte auch im Internet erzählen kann. Brass war am Mittwoch der Einladung des SPD-Kreisverbandes in den Heurigen gefolgt, um ihr Projekt vorzustellen. Ein Jahr vor der nächsten Europawahl beantwortete Brass die Frage: Wie überwindet man Hass?

Freising – Europa war das Thema des Abends: Gleich sieben Bewerber gab es, als knapp 40 Genossen zwei Delegierte für die Konferenz zur Kür der Kandidaten zur Europawahl wählen sollten. Um das Verhältnis von Frankreich zu Bayern ging es in dem Grußwort des Freisinger Ortsvorsitzenden, Bezirksgeschäftsführers und Landtagskandidaten Markus Grill, der da von seinem Hobby profitierte: Grill sammelt bayerische Artefakte aus der Zeit vor 1918 und begeistert sich für bayerische Geschichte.

Und um Europa ging es dann eben bei dem Projekt von Filmemacherin Anna Brass. Brass bezeichnet sich selbst als „Kind Europas“. Für sie, so berichtet sie, seien der Brexit und die Wahl von Donald Trump Ereignisse gewesen, mit denen sie nie gerechnet habe und die sie schwer verunsichert hätten. Und da erinnerte sich die junge Filmemacherin an zwölf Interviews, die sie bereits 2006 mit Franzosen geführt hatte, die zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg aufgewachsen seien und mit denen sie der Frage nachgegangen sei, wie aus Erzfeinden wie Deutschen und Franzosen die wichtigsten Partner für ein vereintes Europa geworden seien. Und genau dieses Dutzend von ganz speziellen und individuellen Antworten auf die Frage, wie man Hass überwinde, hat Brass nun zu diesem filmischen Experiment im Internet unter www.boche-buddy.euzusammengestellt.

In drei Kapitel sind die bis auf eines allesamt auf Französisch geführten Interviews (mit deutschen Untertiteln) aufgeteilt. Dabei geht es erstens um die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, in denen Brass der Frage nachspürt, wie die Kinder damals in der Schule und Zuhause „im Hass erzogen“ wurden, in einer Zeit, die von Nationalismus und Patriotismus geprägt war. Im zweiten Kapitel erzählen die Befragten, wie es ihnen im Zweiten Weltkrieg erging, wie für sie als Deportierte „Hass eine persönliche Erfahrung“ wurde. Und dann gibt es noch das dritte Kapitel, in der die Frauen und Männer erzählen, wie sich auch ihr Verhältnis zu den Deutschen gewandelt hat. Mit einem oft trocken-sarkastischen Humor erzählen die Interviewpartner über ihr Leben.

Das Ziel von Brass, dass „Vom Boche zum Buddy“ auch Eingang in den Schulunterricht findet, erntete am Mittwoch spontanen Applaus. besonders auch von Kreisvorsitzendem Peter Warlimont, der seine Eindrücke so zusammenfasste: „Es macht Angst, dass das wiederkommt in Europa.“

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