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Raffiniert angelegt waren die Bierkeller des 19. Jahrhunderts – so wie hier der Sporrerkeller, der nun auch begehbar ist und eine entsprechende Beleuchtung bekommen hat. 

Der Sporrerkerller und seine Geschichte

Als die Brauer waren auch Maurer waren

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Das waren noch Zeiten, als per herzoglichem Erlass nur im Winter Bier gebraut werden durfte. Dabei war der Durst der Menschen doch auch in früheren Jahrhunderten im Sommer besonders groß. Um das Volk also auch in den warmen Monaten mit Bier versorgen zu können, wurden Bierkeller angelegt, in denen der Gerstensaft – meist noch mit Eis gekühlt – so aufbewahrt wurde, dass er möglichst im August nicht sauer geworden war. Einer dieser Bierkeller, von denen es in der Bierstadt Freising einige gab und gibt, liegt unter dem Lindenkeller: der Sporrerkeller. Der Verein Stadtheimatpflege hat im Sommer mit der Stadt eine Nutzungsvereinbarung abgeschlossen. Am Freitag gab es zwei Führungen in die Gewölbe.

Freising Hermann Bienen hat sich inzwischen als der Experte für die Freisinger Sommerkeller zur Bierlagerung etabliert. Und Bienen war es am Freitag auch, der den Teilnehmern der Führungen sowohl die Geschichte des Sporrerkellers als auch Informationen zum Bierbrauen im 19. Jahrhundert vermittelte. Feucht war es in den Kellern, kühl, und – hätte die Stadt die Keller nicht für rund 70 000 Euro begehbar gemacht und beispielsweise mit Strom und Licht versorgt – dunkel. Seit rund 200 Jahren also gibt es das Gewölbesystem im Veitsberg, das in den Jahren zwischen 1810 und 1830 angelegt worden war. 1850 hat die Keller dann Franz Sporrer, reicher Brauer und auch Bürgermeister der Stadt, erworben, sie aber 1874 an die Brauerei Weihenstephan verkauft. Die, so erzählte Bienen, konnten damit aber auch nichts anfangen, so dass die Keller in Vergessenheit gerieten. Nur während des Zweiten Weltkriegs, als sie als Luftschutzbunker dienten, waren sie genutzt. Erst 2014 habe man die Keller sozusagen „wiederentdeckt“ und jetzt zugänglich gemacht.

Nur zwischen Michaeli (also dem 29. September) und Georgi (dem 23. April) durfte damals Bier gebraut werden. Und das hatte weitreichende Folgen, wie Bienen erläuterte: Nicht nur dass solche Kellersysteme angelegt werden mussten, in denen die Fässer meist auch noch mit Eis gekühlt wurden, die Brauer begannen im Juli zu beten und deshalb auch an die Kirchen zu stiften, dass das Bier nicht sauer werde. Und die Regelung führte dazu, dass 80 Prozent der Brauer auch Maurer waren – ein Beruf, den sie eben im Sommer, wenn die Bierproduktion ruhte, ausübten.

Wie raffiniert solche Keller angelegt waren, wie man die Kühlung per Eiseinwürfe sicherstellte, wie man die Feuchtigkeit und den lebensgefährlichen Sauerstoffverlust mit einem ausgeklügelten Be- und Entlüftungssystem in den Griff bekam, wie man einmal im Jahr die riesigen Fässer aus dem Keller herausbringen, entpichen, bepichen und dann wieder in die Keller transportieren musste – das alles und noch viel mehr erzählte Bienen und brachte so diese historischen Zeugnisse Freisinger Braukultur näher.

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