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„Wenn alle Pandemien und Waffen schweigen, bleibt die Musik“: Apollon‘s Smile sorgt für Hammerkonzertnacht

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Das Leben, die Freiheit und vor allem die Musik sind im Lindenkeller von bestens aufgelegten Musikern (im Bildvordergrund) und enthusiastischen Konzertbesuchern gefeiert worden.
Das Leben, die Freiheit und vor allem die Musik sind im Lindenkeller von bestens aufgelegten Musikern (im Bildvordergrund) und enthusiastischen Konzertbesuchern gefeiert worden. © Manu und Lena Glück

Rock‘n‘Roll in allen Facetten hat die Konzertnacht geboten, die Apollon‘s Smile in Freising auf die Beine gestellt hat. Der Erlös kommt sozialen Zwecken zugute.

Freising – Was für eine Konzertnacht: Beim SpringTimeConcert des Kult-Duos Apollon’s Smile ließen sie es mit über 20 Gastmusiker so richtig krachen. Bis weit nach Mitternacht wurde gesungen, getanzt und das Leben gefeiert. Es waren unglaubliche vier Stunden feinster Rock'n'Roll in allen Facetten. Der Reinerlös des Konzerts wurde an zwei gute Zwecke gespendet.

„Als ich den Bericht im FT über die Engpässe der Freisinger Tafel gelesen habe, war für uns klar: Wir müssen hier helfen“, erklärten Marc Hanow und Julian Hobmeier von Apollon’s Smile auf Nachfrage der Heimatzeitung. Das aktuelle Problem der Tafel: Die Lebensmittellieferungen von den Supermärkten werden immer knapper, die Zahl der Bedürftigen steigt allerdings, auch durch ukrainische Geflüchtete.

Hanow findet berührende Worte mit Blick auf die Ukraine

Und weil es gerade überall eng wird und eigentlich an allen Ecken und Enden Hilfe benötigt wird, hat sich das Folk-Duo für eine Splittung des Spendenbetrags entschieden – zu je 1100 Euro. Den zweiten Scheck überreichte Apollon’s Smile Günther und Lidi Seifert. Hintergrund: Günther Seiferts Schwägerin Oksana leitet das Veteranen-Hospital in Chmelnyskyj, Zentral-Ukraine, das dringend finanzielle Unterstützung für Medikamente und andere Hilfsmittel benötigt.

Spendenübergabe
Der Erlös aus dem Konzert ging an gute Zwecke: Neben der Tafel erhielten auch Günther und Lidi Seifert (M./2. v.r ) 1100 Euro. Den Scheck überreichten (v. l.) Marc und Ermelind Hanow sowie Julian Hobmeier. © Lehmann

Das SpringTimeConcert als ein Benefiz-Konzert anzulegen, stand für Hanow und Hobmeier schnell fest. Dankbar ist Hanow vor allem den vielen Freisingern, die durch den Ticketkauf die Spenden möglich gemacht und zugleich für einen ausverkauften Lindenkeller gesorgt haben. Und enttäuscht wurden die Musikfreunde nicht. Das Event kann getrost als ein Allstar-Concert feinster Güte bezeichnet werden. Apollon’s Smile holte über 20 Gastmusiker und damit auch bekannte Namen auf die Bühne.

Während Backstage noch so manche Gitarre nachgestimmt und das erste Bier zur Beruhigung aufgemacht wurde, beschrieb Hanow on stage berührend das Ohnmachtsgefühl in der aktuellen Situation und damit auch die Frage, ob in solchen Zeiten ein Konzert überhaupt gespielt werden sollte. „Wenn alle Pandemien und Waffen schweigen und verklingen, wird eines bleiben: die Musik“, so Hanow. Mit diesem Konzert sollten die Freiheit und das Leben gefeiert werden, gerade weil beides durch das Kriegsgeschehen bedroht sei.

A-cappella-Schmuckstücke bot Boice. Das Quintett eröffnete die vierstündige Konzertnacht im Lindenkeller, die sich durch ihre musikalische Vielseitigkeit auszeichnete. 
A-cappella-Schmuckstücke bot Boice. Das Quintett eröffnete die vierstündige Konzertnacht im Lindenkeller, die sich durch ihre musikalische Vielseitigkeit auszeichnete.  © Lehmann

Zum Weinen schön und herzberührend waren deshalb auch die beiden Eröffnungsnummer gewählt: „Dream in“ und „Wonderful World“. Ein weiteres Highlight des Abends: der überraschende Spoken-Word-Auftritt des Grünen-Landtagsabgeordneten Johannes Becher. „Ich bin heute nicht als Politiker da, sondern als Mensch. Und das bräuchten wir sowieso – mehr politische Menschen und mehr menschliche Politiker“, so Becher, der seine ersten Poetry-Slam-Erfahrungen vor zehn Jahren im Hirschenwirt Moosburg gesammelt hat. Sein Gedicht über den Krieg in der Ukraine erntete tosenden Applaus.

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Nicht weniger Beifall gab es auch für die Butsch-Band, die Reggae-Helden von Chilanty, Funk-Glitzer von Sweet Spot und die A-cappella-Schmuckstücke von Boice. Dass Punk nicht tot ist, bewies Against the Grain mit einem formidablen Auftritt. Deutlich ruhiger ging es bei dem Jazz-Duo JO! zu. Gerade diese perfekt nuancierte Jukebox-Mischung ließ den Abend zu einer musikalischen Sternstunde wachsen.

Bei aller Euphorie: Ein Gänsehaut-Moment sorgt für Stille

Größter Gänsehaut-Moment: die Interpretation von Hannes Waders Antikriegslied „Es ist an der Zeit“ durch Apollon’s Smile mit der Textzeile: „Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen, wie sie es heute noch tun – und du hast ihnen alles gegeben, deine Kraft, deine Jugend, dein Leben“. Danach war es für einen Augenblick ganz still im Lindenkeller.

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