Freisings Stadtbaumeisterin Barbara Schelle
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Barbara mal zwei: Über den gelungenen Anstich des Westtangententunnels freute sich Stadtbaumeisterin Barbara Schelle neben der Heiligen Barbara, die als Schutzpatronin fungiert.

„Wir sind mit den Männern auf Augenhöhe“

Weltfrauentag: Freisings Stadtbaumeisterin kämpft täglich für die Gleichstellung der Geschlechter

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Sie hat die gläserne Decke überwunden: Barbara Schelle, Stadtbaumeisterin von Freising, hat es als Frau in einer Männerdomäne zur Führungsposition geschafft.

  • Stadtbaumeisterin Barbara Schelle hat es als Frau in einer Männerdomäne in eine Führungsposition geschafft.
  • Zuvor hat auch sie schlechte Erfahrungen als berufstätige Mutter gemacht.
  • Frauen rät sie, im Job mehr Selbstbewusstsein an den Tag zu legen.

Freising – „Ich bin selbst der Chef.“ Das macht Barbara Schelle am Telefon unmissverständlich klar, wenn Anrufer den vorgesetzten Amtsleiter verlangen. Als Freisings Stadtbaumeisterin ist sie die Leiterin eines 20-köpfigen Teams. In der als Männerdomäne bekannten Baubranche Fuß zu fassen, fiel ihr nicht schwer. Barbara Schelle weiß aber auch: Damit das gelingt, darf frau nicht zimperlich sein – und muss die Gleichstellung auch im 21. Jahrhundert jeden Tag aufs Neue verteidigen.

Im Stadtplanungsamt, das Barbara Schelle leitet, arbeiten zwar mehr Frauen als Männer. Doch wenn sie ihre Amtsleiterkollegen, sprich: die anderen Führungskräfte im Bau- und Planungsreferat, der Reihe nach durchgeht, zählt sie nur Männer auf. „Eigentlich seltsam, denn mehr Frauen studieren Architektur“, sagt sie. „Im Beruf dominieren aber wieder die Männer die Führungsebenen.“

Warum ist das so? „In Architekturbüros wird oft bis in die Nacht gearbeitet, Wochenenden gab es zu meiner Zeit genauso wenig wie Überstunden.“ Was es aber gebe: wenig Geld für sehr viel Arbeit. Eine Frau, die sich neben Karriere auch Kinder wünscht, brauche enormes Stehvermögen, um ihre Träume in dieser Branche zu verwirklichen.

„Es interessierte niemanden, ob man ein krankes Kind zu Hause hatte“

Schelle, Jahrgang 1965, weiß, wovon sie spricht: Sie hat an der Technischen Universität München Architektur studiert und ein Auslandsjahr in Rom absolviert. Nach dem Diplom 1991 arbeitete sie in renommierten Architekturbüros in München und Berlin mit an großen Projekten der Wendezeit. Doch mit der Geburt ihrer Tochter war Schluss damit. „Der Zeitdruck in den Büros war extrem, und wenn ein Projekt fertig werden musste, interessierte es niemanden, ob man ein krankes Kind zu Hause hatte.“ Zudem wollte Schelle nicht nur kleine Aufgaben bearbeiten, sondern selbst richtig anpacken. „Also habe ich mich verändert.“

Deshalb wechselte die junge Mutter als wissenschaftliche Assistentin an einen Lehrstuhl an der TU und führte parallel ihr eigenes Büro. „Ich konnte dort freier arbeiten als als angestellte Architektin und mir meine Zeit besser einteilen“, sagt Schelle rückblickend. „Das war ein großer Vorteil, um Familie und Beruf vereinbaren zu können.“ Das sei wichtig gewesen: „Mein Mann ist Künstler, ich war die Familienverdienerin.“

Schelle: Arbeit in Freising ist großartig

Nach ihrer Zeit an der TU entschied sich Schelle für ein Aufbaustudium – eine weitere Lektion. „Sich fortzubilden, hört nie auf. Um sich weiterzuentwickeln, sind permanente Lernprozesse wichtig.“ Sie entschied sich für die Beamtenlaufbahn und absolvierte die zweieinhalbjährige Ausbildung zur Regierungsbaumeisterin, bevor sie im Staatlichen Hochbau des Freistaats tätig war und 2013 in Freising landete. Neben den Aufgaben gefällt ihr auch das Ambiente: „Wir sitzen im wunderschönen Amtsgerichtsgarten. Hier ist es wie in einem großen Architekturbüro.“

Packt an: An der Krumbach-/Ecke Finkenstraße haben (v. l.) Stadtbaumeisterin Barbara Schelle, Stadtgärtner Anton Eichenlaub, OB Tobias Eschenbacher und Baudirektor Gerhard Koch eine Zierkirsche gepflanzt.

Generell sei die Arbeit in und mit Freising großartig. „Das vom Domberg und Weihenstephan geprägte historische Stadtbild, die Lage an der Isar, die Baudenkmäler: Man sieht, dass die Stadt ein Gemeinschaftsprojekt ist“, sagt Schelle. „Als Architekt kann man viel zeichnen, aber am Schluss wird alles nix, wenn die anderen Beteiligten nicht mitmachen.“ Die enge Verbindung zu den Freisingern gefällt ihr ebenfalls gut. „Während die Arbeit im Bauministerium staatlich reguliert ist, weil von Garmisch bis Aschaffenburg die gleichen Regeln gelten, ist die Arbeit in einer Kommune viel näher am Bürger. Das ist spannend. Auch, weil jeder Tag anders ist.“

Nicht alle Weggefährtinnen sind so weit gekommen

Schelle und ihr Team entscheiden mit, wie Bauprojekte, etwa die Neugestaltung der Innenstadt oder die Sanierung des barocken Asamgebäudes, im Detail realisiert werden. „Aber wir sind eben auch verantwortlich, wenn den Bürgern etwas nicht gefällt oder etwas nicht so funktioniert wie geplant.“ Manche Verfahren seien unglaublich zäh, die Lösungssuche sei oft schwierig. „Man kriegt schnell Bedenken, weil man oft weiß, was alles nicht geht. Aber wenn man dann herausfindet, wie die Lösung aussehen kann, mit der alle einverstanden sind, ist das ein Glücksmoment.“

Erfolgreich und erfüllt zu sein im Job: Barbara Schelle hat es geschafft. Doch nicht viele ihrer damaligen Kommilitoninnen sind so weit gekommen wie sie. „Diese gläserne Decke existiert einfach.“ Diese Metapher steht für das Phänomen, dass Menschen, die bestimmten Bevölkerungsgruppen angehören, nicht in Führungspositionen aufsteigen können.

Schelle rät Frauen: „Geschickter verhandeln“

Obwohl Schelle in ihrem Berufsleben bisher nie offensichtlich mit Vorurteilen zu kämpfen gehabt habe, hegt sie die Vermutung, dass sie sich mehr als männliche Kollegen anstrengen musste, um die Decke zu durchbrechen und dort zu landen, wo sie jetzt ist. „Man darf nicht wehleidig sein und muss auch mal was einstecken können.“ Zugleich dürfe man sich jedoch nicht scheuen, den Mund aufzumachen und Kritik zu üben. „Wenn ich mal recht geärgert wurde, bin ich auch schon mal aufgestanden und gegangen.“

Schelle weiß, was sie kann, und sie ist imstande, für sich einzutreten. Das würden nicht alle Frauen tun. „Frauen stellen ihr Licht eher unter den Scheffel. Und sie sind oft mehr an den Inhalten der Arbeit interessiert, nicht an der Position“, mutmaßt sie. Dabei gelte es jedoch, nicht zu vergessen, dass der Wert von Arbeit über Geld definiert werde, nicht über warme Worte. Das sei auch mit Blick auf die weibliche Unabhängigkeit und die Altersvorsorge wichtig.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Frauen geschickter verhandeln müssen.“ Denn dass ihnen für gleiche Arbeit der gleiche Lohn zusteht, sei unumstritten. „Wir leben im 21. Jahrhundert. Die Gleichstellung von Mann und Frau sollte selbstverständlich sein, ist sie aber nicht“, sagt Schelle. Daher müsse das bisher Erreichte jeden Tag aufs Neue verteidigt werden.

Bei dem Porträt handelt es sich um die gekürzte Version eines Artikels, der am 25. März in der FT-Beilage „Beruf und Karriere“ erscheint.

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