Frau mit Telefon
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Ein Freisinger hat zwei Studentinnen monatelang gestalkt. Symbolbild

41-Jähriger rief seine Opfer zu allen Tages- und Nachtzeiten an

Studentinnen mit Mails und Anrufen sexuell belästigt: Stalker aus Freising muss in Therapie

  • vonAndreas Sachse
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Ein Freisinger (41) hat zwei Studentinnen über Monate sexuell belästigt. Nun musste sich der Stalker vor Gericht verantworten.

Freising – Zwei Medizinstudentinnen hat ein 41-jähriger Freisinger über Monate belästigt. Tägliche Anrufe zu allen Tages- und Nachtzeiten und Mails, in denen der Stalker erotische Fantasien auslebte, ließen die jungen Frauen fürchterliche Ängste erleben. Wegen Nachstellung wurde dem Mann vor dem Amtsgericht Freising nun der Prozess gemacht. Der Angeklagte gilt als Wiederholungstäter. Weil zwei frühere Vorwürfe in den Jahren 2018 und 2019 jeweils nur mit einem Strafbefehl vergolten, vom Unrechtsgehalt als vergleichsweise geringwertig gesühnt worden waren, kam der 41-Jährige mit Bewährung davon. Wie schwer ihm die Entscheidung fiel, war Richter Manfred Kastlmeier anzumerken.

Angeklagter hatte noch nie eine Freundin

Außer den Studentinnen aus München und Münster soll der Angeklagte Kommilitoninnen der jungen Frauen gestalkt haben. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch. Die aus Münster angereiste Medizinstudentin berichtete von weiteren Stalking-Opfern an unterschiedlichen deutschen Universitäten.

Der 41-Jährige habe noch nie eine Freundin gehabt, hieß es. Sexuelle Erfahrungen beschränkten sich auf gescheiterte Versuche, seinen fäkal-erotischen Fetisch mit Prostituierten auszuleben. Trotz mächtiger Libido sei er nicht in der Lage, Begegnungen mit Damen physisch standzuhalten. Seine Abende verbringe er damit, seinen Fetisch mit Beratern verschiedener Einrichtungen der Telefonseelsorge zu diskutieren. Zumindest eine der Beraterinnen soll er ebenfalls gestalkt haben, war ermittelt worden.

Opfer bricht vor Gericht in Tränen aus

Dann richtete der Angeklagte seine Aufmerksamkeit auf die Medizinstudentinnen. „Ich habe auf ihre Empathie gehofft.“ Der 41-Jährige ließ die Münchnerin (23) und die Studentin (27) aus Münster ungefragt an seinen Fantasien teilhaben. Von der 23-Jährigen besorgte er sich über einen Online-Marktplatz die Handynummer und rief sie mehrmals am Tag an. Den Kontakt zur 27-Jährigen fand er via Internetsuchmaschine: Ihre Eltern haben ein Geschäft.

Schließlich brach die 27-Jährige vor Gericht in Tränen aus, als sie sich an eine Nacht erinnerte, allein im Zelt in der Dunkelheit mit einer Mail des Angeklagten, in der er sein Kommen ankündigte. Beide Damen bestanden darauf, ihre Anschrift nicht bekannt zu geben.

Angeklagter hat Persönlichkeitsstörung, ist aber nicht schuldunfähig

Dem Angeklagten wurde eine organische Persönlichkeitsstörung attestiert. Als schuldunfähig gilt er deshalb nicht. Der 41-Jährige gab an, Begegnungen mit dem anderen Geschlecht aus der Ferne zu pflegen. Persönliche Kontakte traue er sich überhaupt nicht zu. Der seit Jahren unter gesetzlicher Betreuung stehende Angeklagte hat mehrere Therapien, einschließlich einer stationärer Unterbringung, erfolglos absolviert. Dem Gericht teilte er in der Verhandlung mit, es demnächst mit Gesprächstherapie versuchen zu wollen.

Richter Manfred Kastlmeier verurteilte ihn zu 21 Monaten auf Bewährung. Der 41-Jährige ist einschlägig vorbelastet, hat aber nie zuvor eine Freiheitsstrafe verbüßen müssen. Kastlmeier machte jedoch keinen Hehl daraus, den 41-Jährigen künftig beim geringsten Vorfall inhaftieren zu lassen. Dem Angeklagten ist laut Urteil jedweder Kontakt zu seinen Opfern untersagt. Das Gericht verpflichtete ihn zudem zu einer Therapie.

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