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Stein mal zwei: Namensgleiche Generäle sorgen in Freising für Verwirrung - Streit gewinnt absurde Züge

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Von: Andreas Beschorner

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Der Richtige: Nach dem bayerischen General Dietrich Karl Hermann Freiherr von Stein wurden Straße, Kaserne und Park benannt.
Der Richtige: Nach dem bayerischen General Dietrich Karl Hermann Freiherr von Stein wurden Straße, Kaserne und Park benannt. © Bundesarchiv

Der Streit um General von Stein nimmt absurde Züge an. Jetzt sorgt ein Namensvetter für weitere Verwirrung.

Freising – General von Stein: Seit den Diskussionen um die Benennung der neuen Grund- und Mittelschule im Norden von Freising auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne ist dieser Name in aller Munde (wir haben mehrfach berichtet): Ist es opportun, mit der vorgeschlagenen und jetzt auch beschlossenen Namensgebung „im SteinPark“ indirekt an einen Feldherrn aus dem Ersten Weltkrieg zu erinnern?

Denn jener General von Stein, nach dem, so die übereinstimmende Ansicht aller Beteiligten, in der NS-Zeit die General-von-Stein-Kaserne und in der Folge der SteinPark benannt wurden, war ja schließlich bei der Schlacht an der Somme mit über einer Million getöteter, verwundeter und vermisster Soldaten beteiligt und später preußischer Kriegsminister.

Der Kriegsminister ist nicht Namensgeber von Kaserne und Straße

Doch jetzt hat sich herausgestellt: Die Kaserne wurde gar nicht nach diesem General von Stein benannt. Richard Schnell wohnt in der Freisinger General-von-Stein-Straße. Er hat, weil auch eine Umbenennung der Straße im Raum steht, nachgeforscht. Und er hat etwas herausgefunden, was im Stadtarchiv bekannt ist, das aber während all der Diskussionen und Debatten um die Namensgebung für die Schulen niemandem aufgefallen ist:

Die General-von-Stein-Kaserne (und auch die Straße) wurden nicht nach General Hermann Christlieb Matthäus Freiherr von Stein (1854 bis 1927) benannt, jenem Artillerie-General im Ersten Weltkrieg und späteren Kriegsminister Preußens, sondern – und das ist verzwickt – nach General Dietrich Karl Hermann Freiherr von Stein (1859 bis 1928), dem einzigen bayerischen Artillerie-General im Ersten Weltkrieg. Der – und das kommt noch dazu – war ebenfalls bei der Schlacht an der Somme beteiligt, allerdings später nicht Kriegsminister.

Richard Schnell kommentiert das so: „Über das erhebliche Informationsdefizit im Freisinger Stadtrat bezüglich des ursprünglichen Namensgebers der ehemaligen Kaserne und des jetzigen Areals musste ich mich sehr wundern.“ Den Schwarzen Peter schiebt Schnell Susanne Günther, der Fraktionschefin der Grünen im Stadtrat, zu, deren Informationen über General von Stein „schlicht falsch“ gewesen seien. „Fake news“, so Schnell. Aber auch „die Damen und Herren des Stadtrats“ hätten es versäumt, die Sache zu hinterfragen.

Der Falsche: General Hermann Christlieb Matthäus Freiherr von Stein, war Preuße. Der Kriegsminister hat nichts mit Freising zu tun.
Der Falsche: General Hermann Christlieb Matthäus Freiherr von Stein, war Preuße. Der Kriegsminister hat nichts mit Freising zu tun. © unbekannter Fotograf/Wikipedia

Im Stadtarchiv weiß man es besser: „Die Benennung der am 22. Oktober 1937 eröffneten Artillerie-Kaserne erfolgte durch die zuständige Militärverwaltung in Berlin, weshalb bei der Stadt Freising an sich keine Akten hierzu liegen. Die Straßenbenennung in Freising erfolgte in Anlehnung an diesen Entschluss. Die Entscheidung für den Namen General-von-Stein-Kaserne erfolgte aufgrund des Umstandes, dass Freiherr von Stein der einzige bayerische Artillerist im Range eines Generals während des Ersten Weltkrieges gewesen ist“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung auf Anfrage des FT.

Umbenennung der Stein-Straße: Anwohner droht mit Klage

Für Günther, die auch noch einmal nachrecherchiert hat, spielt es „kaum eine Rolle“, ob nun der eine General von Stein oder der andere General von Stein als Namensgeber für die Kaserne (und die Straße) fungierte. Beide seien in ihrer militärischen Funktion aktiv am Tod von Millionen von Menschen im Ersten Weltkrieg beteiligt gewesen. General von Stein und damit SteinPark sei als Namen für Schulen ungeeignet.

Schnell legt nach: Der (bayerische) General „war kein Kriegsverbrecher oder gar Anhänger Hitlers. Bei der Namensgebung der Kaserne war er bereits verstorben. Anscheinend ist es auch in Freising Mode geworden, in Trump’scher Manier mit Halbwahrheiten oder Fake News vorzupreschen und auch posthum den Ruf von Personen zu beschädigen, auch wenn man sie gar nicht kennt.“

Günther betont freilich, dass sie nie behauptet habe, General von Stein – egal, welcher – sei ein Kriegsverbrecher oder NS-Anhänger gewesen. Dass man eine Schule nicht nach einem General benennen sollte, sieht freilich auch Schnell so. Und die von manch einem Stadtrat ins Spiel gebrachte Variante, man könne den Namen Stein doch auf Edith Stein ummünzen, „um nur irgendwie den Stein zu kaschieren“, findet Schnell pietätlos. Sollte es dazu kommen, dass die Straße umbenannt werden soll, dann werde er „gerichtlich dagegen vorgehen“, kündigt Schnell an.

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Eine Straßenumbenennung sieht selbst Günther kritisch, weiß sie doch um den großen und finanziellen Aufwand, der für die Anlieger entstünde. Sie fände das Anbringen von kleinen „Erklärtafeln“ an den Straßenschildern eine gute Lösung. Dann aber den richtigen: „Dietrich Karl Hermann Freiherr von Stein, bayerischer Artillerie-General (1858 bis 1928)“.

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