1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Freising

„Lebensmittel retten“: Freisinger Tafel distanziert sich von umstrittenen Wettbewerb

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Manuel Eser

Kommentare

null
Rund 550 Menschen werden in Freising wöchentlich von der Tafel versorgt. © dpa

Für ein Preisgeld schickt das Ernährungsministerium Tafeln in ganz Bayern gegeneinander ins Rennen. Die Freisinger Tafel distanziert sich von dem  umstrittenen Wettbewerb.

Freising – Dieser Wettbewerb sorgt für Empörung: Unter der Parole „Gemeinsam Lebensmittel retten“ hat das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ein Preisgeld für die fünf „engagiertesten“ Tafeln ausgesetzt. Siegeskriterien sind neben Kreativität auch Engagement und Erfolg: Wie viele Mengen Lebensmitteln können gerettet werden? In den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik. Von „Armutswettbewerb“ und „Hungerspielen“ ist die Rede.

Auch Peter Bach distanziert sich von dem Konkurrenzkampf. „Da machen wir nicht mit“, sagte der Vorsitzende der Freisinger Tafel. „Wir nehmen nicht an dem Wettbewerb teil.“ Er hat das Gefühl, dass es bei der Initiative eher um eine Image-Kampagne des Ministeriums gehe, als darum, auf soziale Probleme aufmerksam zu machen. Besonders stört ihn der Slogan, unter dem der Wettbewerb angelegt ist. „Wir machen die Tafelarbeit nicht, weil es unsere Intention ist, Lebensmittel zu retten“, betont er. „Wir machen es, weil wir bedürftigen Menschen helfen wollen.“

Tafel-Vorsitzender: Wir wildern nicht bei anderen

Und davon gibt es auch im Speckgürtel Münchens genügend. „Im ersten Jahresdrittel hatten wir pro Woche 224 Abholer in Freising“, berichtet Bach. Und da die auch für ihre Familien etwas zum Essen mitnehmen, dürften wöchentlich 550 bis 580 Menschen von den Ehrenamtlichen versorgt werden.

null
Peter Bach, Vorsitzender der Freisinger Tafel: „Wir wollen Menschen helfen.“ © Gleixner

Bach weist darauf hin, dass den Tafeln bei dem Bewertungskriterium „Menge“ auch Grenzen gesetzt sind. „Wir haben unsere festen Zulieferer und Sammeltouren.“ Einfach in das Revier einer anderen Tafel einzudringen und dort zu wildern, um für die eigenen Leute mehr Lebensmittel zusammenzubekommen – das geht nicht, betont Bach. „Das würde nur böses Blut geben.“ Schließlich seien die Tafeln untereinander keine Rivalen, sondern in derselben Mission unterwegs.

Tafel-Wettbewerb: Unerfüllbares Kriterium für Freising

Bei einem Kriterium des Wettbewerbs könnte die Freisinger Tafel übrigens überhaupt nicht punkten, und das ist für die Region eine gute Nachricht. Denn unter anderem geht es darum, regelmäßige Aktionen bei Schulen Kindertagesstätten oder anderen Zielgruppen durchzuführen. 

„Das betrifft Tafeln, die überhaupt erst auf die Problematik in der Bevölkerung aufmerksam machen müssen. Tafeln, die werben müssen, um an genügend Geld und Lebensmittel zu kommen“, erklärt Bach. „In Freising sind wir hingegen in der glücklichen Situation, dass wir nicht betteln gehen brauchen. Wir werden Gott sei Dank mit genügend Lebensmitteln versorgt.

Auch interessant

Kommentare