Organspenden
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Einen Organspendeausweis zu beantragen, geht einfach. Doch noch immer haben zu wenig Menschen das Kärtchen, das Leben retten kann. Symbolbild

„Der wichtigste Tag im Jahr“

Es kann jeden betreffen: Freisinger Hilfsgemeinschaft sendet wichtige Botschaft zum Tag der Organspende

  • Leyla Yildiz
    vonLeyla Yildiz
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Heute ist Tag der Organspende. Die Freisinger Hilfsgemeinschaft der Dialysepatienten und Transplantierten macht aber das ganze Jahr auf das Thema aufmerksam. Denn es kann jeden betreffen.

Freising – Deutschland ist bei der Organspende eines der Schlusslichter in Europa. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl, gibt es nicht genügend Organe. Die viel diskutierte Widerspruchslösung hätte die Problematik lösen können, ist sich Frank Handgrödinger sicher. Doch der Bundestag lehnte diese im Januar 2020 ab. Der Vorsitzende der Hilfsgemeinschaft der Dialysepatienten und Transplantierten Freising, die es seit 1988 gibt, hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Darüber und über den Tag der Organspende sprach er im FT-Interview.

Herr Handgrödinger, wie wichtig ist der Tag der Organspende für Sie?

Für unseren Verein ist das der wichtigste Tag im Jahr. Er ist der Grund, warum es uns eigentlich gibt: um die Menschen aufzuklären. Denn wenn man ihnen kein positives Bild der Organspende zeigt, dann haben sie kein Interesse daran. Vor Corona hatten wir an dem Tag in der Innenstadt immer einen Stand, mit dem wir die Passanten aufklärten und Organspendeausweise verteilten.

Frank Handgrödinger ist Vorsitzender der Hilfsgemeinschaft der Dialysepatienten und Transplantierten Freising.

Das ist aber nur ein Tag im Jahr. Wäre es nicht besser, kontinuierlich aufzuklären?

Auf alle Fälle. Das ist ein Thema, das den Bundesverband Niere e. V. angeht. Peter Gilmer, der ehemalige langjährige Bundesvorsitzende, hat tolle Arbeit geleistet. Allerdings hat er dabei ein Thema vergessen, in die Politik zu bringen: die Organspende an sich. Für Betroffene ist es wichtig, dass es eine Pflicht gibt, mit der jeder Mensch von Haus aus Organspender ist. Die Leute, die das nicht möchten, müssen das wiederum bekunden. Das ist deren freie Entscheidung – wichtig ist nur, dass sie getroffen wird. Ich denke aber auch, dass diese Menschen, die nicht spenden wollen, sich hintanstellen müssen, wenn sie selbst ein Organ brauchen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man tatsächlich eins benötigt, ist wesentlich höher, als eins zu spenden.

Sie meinen also die Widerspruchslösung, die der Bundestag abgelehnt hat. Wäre sie eine Rettung für viele Menschen?

Ja, das sieht man in den Ländern, wo es sie schon gibt. Dort gibt es viel mehr Spenderorgane: Spanien ist Spitzenreiter mit 38 Spenden auf eine Million Einwohner pro Jahr. Deutschland hingegen hat nur elf Organspenden pro eine Million Einwohner. Das ist wenig.

Glauben Sie, dass die Widerspruchslösung erneut auf den Tisch kommt?

Es gibt in Hamburg eine Bewegung, die in dieser Richtung ordentlich Wind macht. Da wird nicht lockergelassen, und ich glaube, das wird immer wieder auf den Tisch kommen.

Und was trägt der Freisinger Verein zum Thema Organspende bei?

Wir haben in den vergangenen Jahren Seminare mit verschiedenen Referenten abgehalten. Sie haben beispielsweise über Ernährung oder soziale Fragen gesprochen. Letzteres ist absolut wichtig, denn als gesunder Mensch macht man sich darüber überhaupt keine Gedanken. Auf einmal ist man krank und dann kommen Sachen auf einen zu, von denen man noch nie was gehört hat. Dann ist es eben gut zu hören, was man beispielsweise mit einem Behindertenausweis erreichen kann. Zusätzlich haben wir Stammtische für die Mitglieder und den Stand am Tag der Organspende. Der, wie schon erwähnt, der wichtigste Tag für uns im Jahr ist.

Tag der Organspende: 9400 Menschen warten auf Hilfe

Im Jahr 1983 fand der Tag der Organspende zum ersten Mal statt: Damit wollten zahlreiche Patienten, die ein Spenderorgan erhalten haben, erstmals ihren Spendern vereint Danke sagen. Seither wird der Tag immer am ersten Samstag im Juni begangen.

Dass Menschen, die ein Spenderorgan benötigen, auch eines erhalten, ist keine Selbstverständlichkeit: Es gibt immer noch zu wenig Spenderorgane in Deutschland. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warten etwa 9400 Menschen auf ein Spenderorgan. Am meisten werden Nieren gebraucht. 2020 sind etwa 4900 Menschen neu auf die Warteliste für ein Organ gekommen. 767, die bereits auf der Liste standen, sind verstorben. Gespendet werden können nicht nur innere Organe, sondern auch Gewebeteile wie Haut, Horn- und Lederhaut der Augen oder Blutgefäße. Voraussetzung ist der Hirntod, den zwei Ärzte unabhängig voneinander diagnostizieren müssen.

Selbst potenzieller Organspender zu werden, ist einfach: Ein Ausweis lässt sich unter www.organspende-info.de kostenfrei bestellen beziehungsweise herunterladen.

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