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Der erste Stau im Tunnel: Auf der 400 Meter langen Strecke im Vöttinger Untergrund war gestern zum Teil kein Durchkommen mehr.

Tag des offenen Tunnels

Ganz Freising schaute in die Röhre

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Normalerweise laufen Bauarbeiten in einem Tunnel 24/7, wie das heute heißt: sieben Tage in der Woche, jeweils 24 Stunden. Gestern legte man eine Pause ein. Damit die Freisinger in die Röhre schauen konnten.

Freising Weil die Arbeiten am Westtangententunnel so besonders und so einzigartig für Freising sind, haben die Mineure am Sonntag eine Pause eingelegt. Wenige Tage nach dem Durchstich des bergmännisch gegrabenen Teils zwischen Thalhauser und Giggenhauser Straße war erst die Politik und dann die Bevölkerung eingeladen, um sich ein Bild von der über 400 Meter langen Strecke unter Tage zu machen und dazu in die Unterwelt hinabzusteigen. Vor allem die Bürger, die das 98-Millionen-Euro-Projekt schlussendlich zahlen, waren eingeladen, die Kalotte – also den oberen Teil des Tunnels – zu begehen, sich über die Arbeiten und technischen Details zu informieren, aber auch, um einmal zu sehen, wohin die Steuergelder denn fließen.

Landrat Josef Hauner hatte schon einige Tage zuvor die Gelegenheit genutzt und sich in den Tunnel gewagt. Sein Fazit: „Für einen Laien ist das schon beeindruckend.“ Und Laien waren wohl alle, die sich gestern in den Untergrund wagten. Und es waren viele. Sehr viele. Viele hundert Interessierte drängelten sich am Eingang zum Tunnel, wollten unbedingt die obere Hälfte der Röhre unter Vötting hindurch per pedes erforschen. Der war von den Maschinen und Baufahrzeugen freigeräumt worden, die man als ersten Hingucker vor dem Tunnelportal aufgestellt hatte. Pläne und Fotos von den Bauarbeiten empfingen die Besucher, von denen die meisten erst einmal am Eingang in die Unterwelt stehen blieben, um den Anblick auf sich wirken zu lassen.

Fast alle waren mit Kameras ausgerüstet oder hatten ihre Handys gezückt. Wer Fragen hätte, der musste sich nur an einen der vielen Spezialisten wenden, die an den Warnwesten und Helmen gut zu erkennen waren und bereitwillig technische Besonderheiten erklärten sowie Auskunft zu dem Projekt gaben. Zum Beispiel, dass man seit dem Tunnelanstich im Mai 2017 rund 50 000 Kubikmeter Tunnelausbruch beseitigen musste oder auch dass man für die Strosse, also den unteren Teil des Tunnels, viel weniger Zeit benötige und diese Anfang Mai 2018 fertigstellen werde.

 Ob das nun gestern ein Familienausflug mit Kinderwagen war, ob das die Anwohner nutzten, um zu sehen, was sich unter ihrem Stadtteil tatsächlich abspielt, oder ob es der Blick von technisch Interessierten in ein außergewöhnliches Bauwerk war: Der Spaziergang von 460 Meter hin zum Durchstich an der Giggenhauser Straße und wieder 460 Meter zurück hatte sich für alle gelohnt. Vor allem auch für all diejenigen, die schon am Sonntag vor einer Woche am Bauzaun standen und Einlass in die Unterwelt begehrten, wie Martin Bullinger vom Büro EDR erzählte. Da noch umsonst. Gestern mit Erfolg.

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