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Nach tödlichem Badeunfall bei Freising: Experte klärt auf – „Seepferdchen ist keine Garantie“

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Von: Magdalena Höcherl

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Im Vordergrund ein Schild mit der Aufschrift „Badezone - Baden auf eigene Gefahr“, im Hintergrund Wiese und ein Rettungswagen sowie Einsatzfahrzeuge
Beim Baden gilt oberste Vorsicht: Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen - erst Mitte Juni in Kirchdorf. © dpa

Die Temperaturen steigen - und damit die Zahl der Badeunfälle. Was im Wasser zu beachten und im Notfall zu tun ist, erklärt ein Experte der Wasserwacht Freising.

Freising – Die Temperaturen steigen, und in diesen Tagen suchen viele Abkühlung in den Badeseen im Landkreis. Doch immer wieder kommt es an Gewässern zu tragischen Unfällen. Erst Mitte Juni starben bei einem Badeunfall in Kirchdorf zwei Männer. Andreas Dörner, 3. Vorsitzender der Wasserwacht Freising, appelliert daher eindringlich, beim Baden gewisse Regeln zu beachten. Welche das sind und wie man sich im Notfall richtig verhält, erklärt der Einsatzleiter Rettungsdienst im Tagblatt-Interview.

Herr Dörner, bei Temperaturen um die 30 Grad sind die Liegewiesen an den Badeseen im Landkreis rappelvoll. Wie lautet die wichtigste Regel für einen Ausflug ans Wasser?

Das Wichtigste ist, dass man tatsächlich schwimmen kann. Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht immer. Ältere Menschen neigen manchmal dazu, ihr Können und ihre Kraft zu überschätzen. Jüngere können oft nicht oder nicht ausreichend gut schwimmen. Allerdings ist das Schwimmenlernen ein heißes Thema.

Warum?

Als Wasserwacht bieten wir selbst Schwimmkurse an. Die ganzen Anfragen können wir gar nicht abarbeiten. Der Wille, schwimmen zu lernen, ist da. Aber den meisten Leuten ist nicht bewusst, dass ein Schwimmkurs – und selbst das Seepferdchen – keine Garantie dafür ist, dass sicher man schwimmen kann. Ein Kurs vermittelt die Grundlagen, doch wie überall sonst auch, geht es ohne Übung nicht. Eltern müssen mit ihren Kindern dann auch schwimmen gehen.

Andreas Dörner (44) ist seit über 30 Jahren bei der Wasserwacht.
Andreas Dörner (44) ist seit über 30 Jahren bei der Wasserwacht. privat © privat

Geeignete Orte dafür zu finden, ist aber gar nicht so leicht.

Das stimmt. In Freising sind wir mit dem fresch zum Glück gesegnet, generell ist die Schwimmbaddichte im Landkreis im Vergleich zu anderen Regionen gut. Allgemein hat das Schwimmbadsterben in den vegangenen 20 Jahren deutlich zugenommen. Das merken wir natürlich.

Was raten Sie denen, die nicht schwimmen können, aber trotzdem Abkühlung suchen?

Für Nichtschwimmer bieten sich Schwimmbäder generell eher an als Badeweiher. In den Bädern ist der Grund immer zu sehen, zudem gibt es geschultes Personal. Das Problem an den meisten Badeweihern bei uns ist, dass sie Baggerseen sind, die oft Abrisskanten haben. Das bedeutet, dass man an einer Stelle noch gut stehen kann, kurz darauf geht es aber steil nach unten. Das kann gefährlich werden. Wer nicht sicher schwimmen kann, sollte dort auf keinen Fall allein ins Wasser gehen und immer im seichten Bereich bleiben. Eventuell ist eine sichere Schwimmhilfe ratsam.

Was versteht man denn unter einer sicheren Schwimmhilfe?

Das sind Hilfsmittel wie Schwimmflügel oder ein Brustgurt. Die gibt es nicht nur für Kleinkinder, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene. Gerade Jugendliche ziehen das ungern an, weil es nicht cool ausschaut.

Was ist mit Luftmatratzen und Badetieren, die man häufig sieht?

Das sind keine sicheren Hilfsmittel, denn an ihnen muss man sich aktiv festhalten, um über Wasser zu bleiben. Wenn ich in Panik gerate, funktioniert das aber nicht mehr.

Stichwort Panik: Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich im Wasser merke, dass mir die Kraft ausgeht?

Ruhe bewahren ist das Allerwichtigste. Das ist aber natürlich leichter gesagt, als getan. Aber je mehr man strampelt, desto mehr Kraft verbraucht man. Daher sollte man so schnell wie möglich um Hilfe rufen – und sich nicht dafür schämen. Die Alternative wäre weitaus schlimmer.

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Und was kann ich tun, wenn ich bemerke, dass jemand zu kämpfen hat?

Wer etwas mitbekommt – und sich dazu in der Lage fühlt –, kann unter gewissen Vorgaben helfen, etwa mit einer Luftmatratze oder einem anderen Hilfsmittel. Auf gar keinen Fall sollte man direkten Kontakt aufnehmen, da ein Mensch, der unterzugehen droht, nach allem greift, was er findet – und den Helfer so selbst in Gefahr bringen kann. Daher sollte man im Zweifel einen Notruf absetzen und/oder sich zumindest bei anderen Badegästen bemerkbar machen.

Was ist zu tun, wenn ich selbst nicht aktiv helfen kann?

Die meisten Menschen gehen lautlos und unbemerkt unter. Gerade wenn viele Leute im Wasser sind, ist es unrealistisch, etwas zu sehen. Das geht uns als Wachdienst auch so. Grundsätzlich sollten Badegäste aber immer ein Auge auf ihr Umfeld haben, damit sie im Notfall schnell Alarm schlagen können. Wenn man mitbekommt, dass jemand untergegangen ist, ist es für uns extrem wichtig zu wissen, an welcher Stelle das war. Daher sollte man sich zwei Punkte, etwa Bäume am Ufer, suchen, die man mit einer gedanklichen Linie verbindet. Mit so einem Kreuzpunkt ist den Rettungskräften sehr geholfen. Davon abgesehen ist es wichtig, so schnell wie möglich einen Notruf abzusetzen – entweder über die neu installierten Notrufsäulen oder über 112 via Handy.

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