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Die Nachfrage nach alkoholfreien Bieren steigt - nun wird weiter am Geschmack geforscht. 

Nicht mehr schön reden

Hirn wird ausgetrickst: Geheime Zutat soll alkoholfreies Bier besser schmecken lassen

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Alkoholfreies Bier wird in Deutschland immer beliebter. Forschern aus Freising ist das nicht genug: Mit Hilfe eines Nervs wollen sie die Akzeptanz für das Bier steigern.

Freising – Die Zuneigung zu alkoholfreiem Bier steigt. 95 Millionen Hektoliter Bier werden in Deutschland jährlich gebraut, sechs Millionen davon sind alkoholfrei – Tendenz steigend. „Die Nachfrage wächst von Jahr zu Jahr in einem zweistelligen Prozentbereich“, berichtet Professor Thomas Becker, Inhaber des Lehrstuhls für Brau- und Getränketechnologie der TU in Weihenstephan. Zufrieden gibt sich der Forscher damit nicht. Becker möchte die Akzeptanz für alkoholfreies Bier weiter erhöhen – und erhält jetzt in einem Projekt die Möglichkeit dazu.

„Der Titel des Forschungsvorhabens klingt wie ein dreistündiger Arthaus-Film“, meinte Staatsminister Florian Hermann bei der Vorstellung des Projekts am Freitag. „Er klingt so, dass sich niemand darunter etwas vorstellen kann.“ Sperriger geht es tatsächlich kaum: Unter dem Titel „Multisensorische Integration bei der Stimulation des Nervus trigeminus“ werden Forscher der TU und des Fraunhofer-Instituts an einer Verbesserung des alkoholfreien Biers forschen.

Bier-Geschmack: Forscher nehmen Hirnnerv unter die Lupe

So kompliziert, wie es klingt, ist es allerdings nicht. Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses steht ein Hirnnerv, dessen Äste zwischen Auge und Kiefer verlaufen. Neben motorischen Fasern hat der Trigeminus auch sensible, mit denen er weite Teile des Kopfes erreicht. Unter anderem ist er für das Schmerzempfinden verantwortlich, berichtete Becker. „Das heißt jetzt nicht, dass alkoholfreies Bier so schlecht ist, dass es wehtut“, scherzte der Professor. „Aber ehrlicher Weise schmeckt es nur gut, weil man es sich schön redet.“

Kann es überhaupt genug Bier geben? Florian Herrmann (r.) sagt Nein und stellt sich als Testperson für neu erforschte Sorten zur Verfügung. Im Beisein von Arndt Bode (l., Bayerische Forschungsstiftung) und Bier-Professor Thomas Becker (2. v. r.) ließ er sich von Christoph Neugrodda die Forschungsbrauerei erklären.

Das genau will Becker ändern und sich dabei eine andere Eigenschaft des Trigeminus zunutze machen. Denn wie Zunge und Nase nimmt auch er Eindrücke von Schärfe, Süße und Bitterstoffen auf und interagiert dabei mit dem Gehirn. „Wir wollen mit zugesetzten Geschmacksstoffen den trigeminalen Nerv gezielt stimulieren und damit das Geschmacksempfinden bei alkoholfreiem Bier und Biermischgetränken positiv verändern,“ erklärte der Brau-Professor.

Alkoholfreies Bier - „einfach etwas lasch“

TUM-Pressereferent Andreas Battenberg betonte gegenüber dem FT: „Alkoholfreies Bier schmeckt einfach etwas lasch. Mit den fünf Prozent Alkohol fehlt einfach etwas. Wenn es uns gelingt, diese fünf Prozent anderweitig ins Bier zu bekommen, wäre das ein großer Sprung.“ Battenberg räumte allerdings auch ein, dass ein derartiges Bier nicht mehr dem Reinheitsgebot entsprechen würde.

Große Finanzspritze für die Forscher: TU-Professor Thomas Becker (2. v. l.) und Jessica Freiherr vom Fraunhofer-Institut freuten sich über den Förderbescheid aus Händen von Staatsminister Florian Hermann (l.) und Arndt Bode von der Bayerischen Forschungsstiftung (r.).

Bei dem Projekt, das auf zwei Jahre angelegt ist, haben TU und Fraunhofer-Institut vier Partner aus der Wirtschaft: die Staatsbrauerei Weihenstephan, Hopfen-Produzent Bart & Sohn, Getränke-Produzent Adelholzener und der Aroma-Hersteller Destilla. Zudem fördert die Bayerische Forschungsstiftung das Vorhaben. Sie übernimmt 319 000 Euro der Kosten, die auf 641 000 Euro veranschlagt sind.

Besseres alkoholfreies Bier - da ist Politiker gern Testperson

Staatsminister Hermann, der den Förderbescheid übermittelte, wies darauf hin, dass es in Deutschland schon „wahnsinnig viel Bier“ gebe. Von bis zu 15 000 Sorten weltweit würden bis zu 6000 in der Bundesrepublik gebraut. „Da könnte man fragen: Muss man da noch weiterforschen?“ Die Antwort gab er sich selbst. Ja. Denn die Nachfrage sei vorhanden, und die Wissenschaft müsse immer nach Innovation streben. Sein Angebot: „Ich würde mich als Testperson zur Verfügung stellen – am besten im möglichst ausgearbeiteten Stadium des Produkts.“ Seine Marschroute an die Forscher: „Gehen Sie ran an den Nervus Trigeminus! Stimulieren Sie ihn und uns!“

Spannendes aus der Uni

Dank eines TU-Professors wurde der Freisinger Fisch-Skandal publik.

Mit Hilfe des Feueralarms wollte eine Frau in der TU einen Coup landen.

Der bevorstehende Tag des Biers wird auch in Freising gefeiert.

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