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Die Natur ist ihr Arbeitsplatz: Julie Weissmann leitet das Projekt „Urban Pollinators – Wildbienen in Freising“ im Rahmen ihrer Promotion an der Technischen Universität München.

Auf der Suche nach summenden Schätzen

Julie Weissmann erforscht Wildbienen in Freising – Interessierte können sie unterstützen

In der Domstadt summt es ordentlich - man muss nur genau hinschauen. Das tut Julie Weissmann, die an der TUM zum Thema „Wildbienen in Freising“ forscht. Interessierte können sie unterstützen.

Freising – In der Domstadt summt es ordentlich – man muss nur genau hinschauen. Das tut Julie Weissmann, die am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München (TUM) an der Professur für Biodiversität der Pflanzen von Professor Hanno Schäfer zum Thema „Wildbienen in Freising“ forscht. „Wir konnten 152 Wildbienenarten für Freising nachweisen.“ Zum Tag der Artenvielfalt am vergangenen Freitag gab Weissmann erste Einblicke in die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit.

Freising ist besonders geeignet für Wildbienenforschung

Kleine Wildbiene: Eine Wespenbiene an einer Apfelblüte in der Kleingartenanlage in Tuching.

Das Projekt „Städtische Bestäuber – Wildbienen in Freising” widmet sich seit März 2018 der Untersuchung von Bestäubungsvorgängen in Freisinger Gärten. Die Bürger werden dabei miteinbezogen. „Freising ist besonders geeignet für die Wildbienenforschung, weil hier auf engem Raum städtische Elemente, naturnahe Bereiche wie die Isarauen und von landwirtschaftlicher Nutzung geprägte Flächen wie innerstädtische Streuobstwiesen und eine Vielfalt an Gemeinschafts-, Klein- und Privatgärten zusammentreffen“, heißt es vonseiten der TUM. Die Größe der Stadt ermögliche es, eine vergleichende Sicht auf diese Habitate mit einer ganzheitlichen Perspektive auf das Stadtgefüge zu verbinden. Die hohe Dichte an gärtnerisch genutzten Flächen fördere ein integriertes Erforschen von Wildbienendiversität und Bestäubungssicherheit im städtischen Raum.

Weissmann hat bislang folgende Ergebnisse ihrer Forschung festhalten können:

  • Städte können zum Schutz spezialisierter Wildbienenarten beitragen. Neu angelegte Blühflächen für besondere Wildbienen wurden zum Teil bereits im Jahr der Pflanzung besiedelt.
  • Wildbienen sind wichtig für die Bestäubung unserer Obstgewächse. Wildbienengemeinschaften an Obstgewächsen wie Zwetschge, Kirsche, Apfel, Birne, Erdbeere, Himbeere und Brombeere machen oft mehr als die Hälfte der Blütenbesuche aus und bestehen aus Arten mit unterschiedlichsten Lebensraumansprüchen – von den sozial lebenden Hummeln, kommunal lebenden und bodennistenden Sand- und Schmalbienen, bis zu den solitär lebenden stängelnistenden Maskenbienen und hohlraumnistenden Mauerbienen.
  • Um den Einstieg in die Wildbienen-Bestimmung für „citizen scientists“, sprich Bürger, die mitmachen wollen, zu erleichtern, wurde eine Feld-Bestimmungshilfe für Bayerns Wildbienen entwickelt. Sie ist unter meg-bayern.de zu finden.

„Jeder kann einen Beitrag leisten“

Auf dem Friedhof St. Georg wurde diese Seidenbiene (Colletes hederae) gefunden.

Julie Weissmann sagt: „Wir konnten 152 Wildbienenarten für Freising nachweisen, darunter unerwartete Arten wie die Efeu-Seidenbiene und die Blauschwarze Holzbiene.“ Beide Arten würden sich aktuell Richtung Norden verbreiten und seien auch aufgrund des wärmeren Mikroklimas verhältnismäßig häufig in Städten zu finden.

Gelb und schwarz: Das Männchen einer Rainfarn-Maskenbiene sitzt auf einer Färber-Kamille an der Blumenstraße.

Was Weissmann besonders freut: Von nur drei Meldungen der Blauschwarzen Holzbiene im Rahmen der Mitmach-Aktion stamme eine von einem Grundschulkind. Es habe die Biene während einer von Weissmann angebotenen Exkursion gefunden. Sie betont: „Jeder kann einen Beitrag zur Wildbienenforschung leisten.“ Ihre Untersuchungen zeigen „konkrete Beispiele für das Potenzial von Städten für den gezielten Schutz gefährdeter Arten auf, die auch für andere Städte von Relevanz sein können“. ft

Gut zu wissen

Weitere Informationen zum „Urban Pollinators“-Projekt finden Interessierte im Internet unter der Adresse www.wbf.wzw.tum.de.

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