Ein unbekannter Fotograf hatte im September 1898 am Westabhang des Weihenstephaner Bergs seine Kamera positionierte und das Dorf Vötting abgelichtet.
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Ein unbekannter Fotograf hatte im September 1898 am Westabhang des Weihenstephaner Bergs seine Kamera positionierte und das Dorf Vötting abgelichtet.

Freisings Stadtarchivar begibt sich auf Spurensuche

Ein historisches Zeitfenster öffnet sich: Über 120 Jahre alte Fotografie von Vötting entdeckt

Es war im September 1898, als ein unbekannter Fotograf am Westabhang des Weihenstephaner Berges das Dorf Vötting ablichtete. Eine Spurensuche.

Freising - Diese Fotografie, die dem Stadtarchiv Freising 2017 von einem Antiquariat angeboten wurde, wird im Folgenden von Stadtarchivar Florian Notter kurz näher betrachtet: „Wenden wir uns zunächst dem Weg zu, der im rechten unteren Bildteil angeschnitten ist: der Weihenstephaner Steig. Er verbindet die Dorfmitte mit dem Scheitel des Weihenstephaner Bergs. Bis 1803 hatte er für die Vöttinger Einwohner eine besondere Bedeutung: Am oberen Ende des Steigs erreichte man nicht nur die alte Pfarrkirche St. Jakob mit ihrem umliegenden Friedhof, sondern – einige Meter weiter – das Benediktinerkloster Weihenstephan, den Grund- und Gerichtsherrn der Klosterhofmark Vötting. Nach der Säkularisation des Klosters im Jahr 1803 und dem in diesem Zusammenhang erfolgten Abbruch der alten Pfarrkirche änderte sich die soziostrukturelle Ausrichtung des Dorfs.

Die Landgemeinde

Die 1808 beziehungsweise im Zuge des bayerischen Gemeindeedikts von 1818 begründete Landgemeinde Vötting, die bis dahin nicht gekannte Selbstverwaltungskompetenzen erhielt, brachte eine Orientierung weg vom Weihenstephaner Berg und hin zum Ort selbst. Verstärkt wurde diese Tendenz auch durch den Bau der Schule schräg gegenüber des Wirtes (1804) beziehungsweise durch den Neubau der Pfarrkirche St. Jakob auf einer Anhöhe150 Meter nördlich des Ortskerns (1854 bis 1857).

Die Fotografie

Von der Ortsmitte ist auf der Fotografie nur ein Teil zu erkennen: Es sind überwiegend schon ganz aus Ziegeln gebaute Häuser, wie sie typisch für bayerische Dörfer des 19. Jahrhunderts waren.

Im Vordergrund ist noch ein Haus des älteren Regionaltyps erhalten. Nur das Erdgeschoß ist aufgemauert, das Krüppelwalmdach dagegen ganz aus Holz gefertigt – inklusive der Schindeldeckung. Südlich unterhalb dieses Hauses (links) verläuft der Mühlenweg zur Vöttinger Mühle, die bis zur Säkularisation die Getreidemühle des Klosters Weihenstephan war (die Mühle selbst liegt freilich weit außerhalb des Fotos).

Links im Hintergrund fällt die Giggenhauser Straße mit einem einseitigen Pappelbewuchs auf. Darüber auf der Anhöhe erkennt man das Dorf Hohenbachern. Rechts sieht man drei Gebäude des ,neuen‘ Vötting des 19. Jahrhunderts: der Pfarrhof, die Pfarrkirche und – oberhalb der Vöttinger Straße gelegen – das neue Schulgebäude aus der Zeit um 1880.“  

Stadtarchivar Florian Notter

QUELLEN

Stadtarchiv Freising, Fotosammlung. LITERATUR: Notter, Florian: Aufbruch und Umbruch. Freising in Fotografien der Jahre 1900 bis 1920 (Kataloge des Stadtarchivs Freising 2), München 2017, S. 188-189; Notter, Florian: Kirchen in der Pfarrei St. Jakob in Freising-Vötting, Freising 2007.

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