Am Isarsteg

Horror-Clowns überfallen Freisinger (21)

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Freising - Die Horror-Clowns treiben nun auch in Freising ihre geschmacklosen „Späße“: In einem konkreten Fall hat es einen jungen Mann nahe des Isarstegs erwischt. Der 21-Jährige wusste sich aber zu wehren – und schlug die drei Gruselclowns in die Flucht.

Samir Tchabana macht so schnell nichts Angst. Er ist großgewachsen, durchtrainiert bis in den letzten Muskel, hat jahrelang Kampfsport betrieben. Dennoch: Der Schreck des vergangenen Sonntagabends steckt dem 21-Jährigen noch in den Knochen. „Ich hatte, ehrlich gesagt, richtig Angst“, gesteht der Freisinger.

Horrorfratzen , die Aufmerksamkeit suchen: Im Landkreis sind bislang zwei Fälle bekannt.

Es ist Sonntag, 20.30 Uhr. Über WhatsApp verabredet sich Samir Tchabana spontan mit zwei Freunden. Die sind gerade in Lerchenfeld, Samir in Neustift. „Die beiden wollten mir auf dem Isarsteg entgegenkommen“, erzählt er. Die drei machen sich auf den Weg. In den Isarauen jenseits des Stegs angekommen, hört der junge Freisinger ein Rascheln in den Büschen, denkt an ein Tier, geht weiter. Plötzlich springen drei Gestalten aus dem Gebüsch, machen „Zombiegeräusche“, brüllen. Angsteinflößende Clownsmasken bedecken ihre Gesichter. Einer von ihnen packt den 21-Jährigen am Arm. „Ich hab gewusst, wenn ich mich jetzt nicht wehre, werden die mir wehtun“, sagt Samir Tchabana. Er schlägt den Clown, der ihn packt, ins Gesicht, dieser lässt von ihm ab – die anderen stürzen sich auf ihn, wieder schlägt er zu. In der Zwischenzeit sind seine Freunde auf dem Isarsteg angekommen und hören schon von weitem, dass ihr Freund offenbar in Not ist. „Wir haben Schreie gehört und sind sofort losgelaufen“, erzählen Cem Yildirim und Basit Majeed. Als sie sehen, dass ihr Freund mit drei Grusel-Clowns kämpft, können sie das fast nicht glauben: „Du hörst und liest es überall, denkst aber nicht, dass du selbst einem begegnest.“

Video: Samir erzählt von der Attacke

Mit Schreien und Schlägen schlagen sie die Angreifer schließlich in die Flucht. Zurück bleibt ein Messer, das die jungen Männer am Boden finden. Samir ist fassungslos: „Die waren tatsächlich bewaffnet – es war also gut, dass ich mich sofort gewehrt habe. Wer weiß, was sonst passiert wäre . . .“

Zur Polizei gehen die drei Männer nicht. „Das bringt doch nichts, wir können nur sagen, dass es drei offenbar erwachsene Männer waren. Einer von ihnen hatte dunkle Haare, das konnte ich im Gerangel sehen. Wie soll man die finden?“ Anzeige gegen Unbekannt? „Da würde eh nichts rauskommen“, vermuten sie. Den Weg über den Steg aber werden sie künftig alle drei meiden. 

Das sagt die Polizei

Erster Polizeihauptkommissar Michael Ertl von der PI Freising appelliert jedoch an die Drei, den Vorfall unbedingt zur Anzeige zu bringen. Denn auch in Allershausen wurden am Montagabend drei Clowns gesichtet. „Kurz vor 20 Uhr ging bei uns der Anruf eines Mannes ein, der drei dieser Horror-Clowns gesehen und panisch die Flucht ergriffen hat.“ Da es also kein Einzelfall ist, sei es für die Arbeit der Polizei wichtig, dass sie jede dieser Gruselfratzen gemeldet bekommen – „um die Lage besser einschätzen zu können“.

Für Ertl ist das keine unnötige Panikmache: „Wenn ein Mensch Angst hat, muss man das sehr ernst nehmen“. Denn auch ein gehöriger Schreck könne unter Umständen schon als Körperverletzung gewertet werden.

Ein Spaß sei dieses Phänomen schon lange nicht mehr. „Wenn sich einer bewaffnet, nur um Menschen zu erschrecken, ist das ganz übel und kann als Straftat verfolgt werden.“ Wer so etwas macht, „kann sicher nicht mehr mit der großen Milde in der Strafverfolgung rechnen“, warnt Michael Ertl.

Info: Darf ich mich gegen Horror-Clowns wehren?

Alle Vorfälle im News-Blog: Hier sind die Horror-Clowns aufgetaucht

Video: So schützen Sie sich vor Horror-Clowns

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