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Überlastung: Freisinger Pädagogen protestieren mit Postkarten gegen Piazolo

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Von: Manuel Eser

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„Wir müssen den Karren aus dem Dreck ziehen“: Lehrer aus dem Landkreis stemmen sich mit Protestfotos gegen die umstrittenen Pläne aus dem Kultusministerium. © BLLV

Die Wut ist spürbar: Unter dem Motto „So nicht!“ hat der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband den Freitag zu einem Aktionstag ausgerufen. Der Protest ist kreativ.

Landkreis – Die Botschaft an Kultusminister Michael Piazolo: Die von ihm in Gang gesetzten Maßnahmen gegen den Lehrermangel seien inakzeptabel.Wie berichtet, müssen Grundschullehrer in Vollzeit ab kommendem Schuljahr eine Stunde mehr pro Woche unterrichten. Für Teilzeitkräfte steigt die Mindeststundenzahl in Grund- und Förderschulen gar um drei Stunden. Zugleich müssen Lehrer von Grund-, Förder-, und Hauptschulen bis zu ihrem Ruhestand ein Jahr länger arbeiten. Piazolo reagierte damit im Januar auf den Lehrermangel, den er noch im September 2019 abgestritten hatte.

Gegen diese Maßnahmen lehnen sich die Lehrer am Freitag auf – in Form von individuell gestalteten Protestfotos und Postkarten. Auch viele betroffene Pädagogen im Landkreis Freising beteiligen sich daran. „Die drastischen Maßnahmen aus dem Kultusministerium haben das Fass auch in unserem Kreisverband zum Überlaufen gebracht. Die Kollegen sind sehr enttäuscht, verunsichert, und demotiviert“, kommentiert BLLV-Kreisvorsitzende Kerstin Rehm.

BLLV: Aktion geht nicht gegen Kinder

Ihre Kreativität haben sie allerdings nicht eingebüßt. So haben sich Pädagogen aus dem Landkreis zum Beispiel auf einem Protestfoto vor einem Müllcontainer ablichten lassen. Motto: „Die Lehrer müssen den Karren aus dem Dreck ziehen“. Auf einer anderen Karte stehen Pädagogen, fast vollständig von Leitz-Ordnern verdeckt, vor einem Feuerwehrhaus. Die Botschaft: „SOS – Die Hütte brennt, und wir sollen löschen.“ Die persönlichen Bildbotschaften der Pädagogen aus ganz Bayern werden gesammelt und dann dem Kultusminister übergeben.

Kerstin Rehm betont, dass die Aktion nicht zulasten der Schüler gehe. „Wir werden es niemals an den Kindern auslassen, denn denen fühlen wir uns alle im höchsten Maß verpflichtet“, sagt sie. „Um nicht falsch verstanden zu werden: Lehrerinnen und Lehrer sind engagiert, qualifiziert und machen ihre Arbeit gern – mit großem Einsatz und großer Lust. Es kann aber nicht sein, dass dieses große Engagement weiterhin so ausgenutzt wird.“

Lehrer haben Katalog mit 15 Maßnahmen erstellt

Der BLLV setzt sich gegen alle geplanten Maßnahmen aus dem Kultusministerium zur Wehr. Besonders aber schmerzen Rehm die Einschränkungen bei den Teilzeitmöglichkeiten. Denn das werde vor allem auf dem Rücken von Frauen ausgetragen, die keine familienbezogene Teilzeit mehr in Anspruch nehmen könnten. „Viele von ihnen sind bereits jetzt an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen.“

Der BLLV fordert daher bessere Arbeitsbedingungen, eine flexible Lehrerbildung und eine Aufwertung der Fach- und Förderkräfte. Piazolos Ideen hat der Verband einen Katalog von 15 Maßnahmen entgegengesetzt. Dazu zählt, finanzielle Anreize für Mehrarbeit zu setzen, die Möglichkeit pensionierte Lehrkräfte zur Aushilfe einzuspannen und Fächer wie Religion und Sport an Kirchen-- beziehungsweise Fachkräfte abzugeben. Um mehr Nachwuchskräfte zu gewinnen müsste zudem das Eingangsgehalt erhöht werden.

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Minister hat Gesprächsangebot noch nicht angenommen

„Ideen hätten wir von der Basis genug“, betont Rehm abschließend. „Aber die Politik und insbesondere der Kultusminister müssen Bereitschaft zum Dialog zeigen. „Das Gesprächsangebot des BLLV hat der Minister noch nicht angenommen.“

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