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Reinhard Kendlbacher, Vorsitzender des Bürgervereins, ärgert sich über den Flughafen: „So kann man es sich auch schön reden.“

Letzte Vereinsversammlung des Jahres

UFP-Messungen: Bürgerverein fühlt sich bestätigt und ärgert sich doch

Mit Hartnäckigkeit hat der Bürgerverein Freising erheblich zu den kommenden UFP-Messungen beigetragen. Der Vorsitzende sieht dennoch Grund zum Ärger.

Freising – Bei der letzten Mitgliederversammlung dieses Jahres war sich der Bürgerverein Freising zur Vermeidung von Lärm- und Schadstoffbelastung am Montag einig: Ihre Hartnäckigkeit über die Jahre hinweg habe sich ausgezahlt. „Wir haben einfach nicht aufgegeben“, sagt der Vorsitzende Reinhard Kendlbacher, obwohl die Mühen des Vereins lange genug „lächerlich“ gemacht worden wären.

Durch Corona, so Kendlbacher bei der Eröffnung der Online-Versammlung, sei der Verein auf absoluter Sparflamme gelaufen: Keine Stammtische oder Infostände. Dennoch sei sehr viel Bewegung ins Spiel gekommen – unter anderem auch, weil die jüngste Kommunalwahl laut dem Vorsitzenden „sehr erfreulich“ ausgefallen sei. Mit Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM) und Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) hätte der Bürgerverein zwei gute Partner an der Seite mit stets offenen Ohren – auch bezüglich der dritten Start-und Landebahn.

Haltung des Flughafens ärgert Kendlbacher

Und dennoch gibt es für den Verein Grund, sich zu ärgern. Sämtliche Prognosen der Flugbewegungen vom Flughafen seien laut Kendlbacher „schlecht und einfach falsch“ und auch darüber, dass es ja scheinbar gar keine Frist gäbe, nach der „die Dritte“ aus dem Planfeststellungsbeschluss herausfalle, sei „das letzte Wort noch nicht gesprochen“. Aktuell das größte Ärgernis: Die Flughafen München GmbH (FMG) würde seiner Meinung nach immer noch behauptet, die Ultrafeinstaubbelastungen (UFP) in der Domstadt kämen vorwiegend vom Straßenverkehr. Der Vorsitzende dazu: „So kann man es sich auch schön reden.“

Nach wie vor würde die FMG Messungen auf ihrem Gelände verweigern, sagte Kendlbacher. Aber auch so „manche Minister“ würde lieber abwarten, vor allem auf die Ergebnisse der Messungen, die auf dem Frankfurter Flughafen stattfanden. Diese seien allerdings inzwischen ausgewertet und zeigten laut Schriftführer Oswald Rottmann eine „Eins-zu- Eins-Deckung mit den Freisinger Werten“, deren Erhebung durch einen Antrag der Grünen angestoßen worden war.

Bürgerverein fordert schwefelfreies Kerosin und mehr

Der Abgleich mit Frankfurt, so Rottmann weiter, sei schon eine Genugtuung gegenüber dem Flughafen und einer „bestimmten Partei“. Eine unterschiedlich hohe Partikel-Dichte gäbe es je nach Windrichtung in Freising – bis zu 20 Kilometer könnten so UFP weitergetragen werden. Die Belastungen des Straßenverkehrs seien an den üblichen Knotenpunkten wie in der Kammergasse verständlicherweise stark, aber laut Rottmann immer als ein lokales Problem zu betrachten. Durch den Wind jedoch „durchseucht“ der Flughafen ganze Regionen mit UFP.

Durch die Wert-Ermittlungen in Frankfurt seien laut Rottmann jetzt auch hier „die Zusammenhänge klar“ – jetzt müsse seiner Meinung nach eine politische Entscheidung reifen. Erste zügige Verbesserungen würden ja schon beispielsweise schwefelfreies Kerosin und elektrobetriebene Flugzeugschlepper schaffen.

Freising ist „deutschlandweiter, wenn nicht weltweiter Vorreiter“

Wie geht es weiter? Anfang 2021 sollen feste Messstationen in Freising und Halbergmoos für eine längere Datenerhebung bis zu drei Jahren installiert werden. Auch hierbei habe laut dem Bürgerverein die FMG immer behauptet, dass die vereinseigenen Mess-Geräte nichts taugen würden und deshalb die Werte irrelevant wären. In der Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum habe sich allerdings herausgestellt: Das Institut verwendet die gleichen Instrumente.

Auch Jürgen Maguhn zeigte sich äußerst zufrieden – seiner Meinung nach würde Freising aktuell deutschland-, wenn nicht sogar weltweiter Vorreiter sein bezüglich der Ergründung von Auswirkungen der UFP auf den Menschen. Die Politik, so Maguhn, kann das jetzt nicht mehr ignorieren.

Richard Lorenz

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