Qualitätsvolle Wohnbauentwicklung will die Stadt Freising mit ihrer Abstandsflächensatzung sichern.
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Qualitätsvolle Wohnbauentwicklung will die Stadt Freising mit ihrer Abstandsflächensatzung sichern.

Spagat zwischen Flächenversiegelung und Wohnbauentwicklung

Um Wohnqualität zu erhalten: Stadt Freising erlässt eigene Abstandsflächensatzung

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Möglichst wenig Flächen versiegeln aber auch eine qualitätsvolle Wohnbauentwicklung zulassen: Mit einer eigenen Abstandsflächensatzung will die Stadt Freising diesen Spagat schaffen.

Freising – Es ist ein Spagat – ein Spagat zwischen dem Willen, möglichst wenig Flächen zu versiegeln, und der Absicht, qualitätsvolle Wohnbauentwicklung zuzulassen. Die Stadt Freising versucht, diesen Spagat durch eine eigene Abstandsflächensatzung hinzubekommen, die zum 1. Februar in Kraft tritt.

Mit 23 zu 11 Stimmen für den Satzungsentwurf gestimmt

Damit nutzt man die Chance, das Abstandsflächenrecht, wie es in der Novellierung der Bayerischen Bauordnung vorgesehen ist, zu umgehen. Mit 23 zu 11 Stimmen votierte der Stadtrat für den Satzungsentwurf, den die Verwaltung vorgelegt hatte.

Der Tenor unter den Stadträten war klar: Dass man nicht, wie ursprünglich angenommen, ein Jahr Zeit habe, sich mit dem neuen Abstandsflächenrecht zu beschäftigen und gegebenenfalls mit einer eigenen Satzung zu reagieren, sondern zeitlich unter Druck gesetzt wurde, weil die Novelle bereits zum 1. Februar 2021 in Kraft treten wird, fanden die Stadträte durch die Bank kein freundliches und rücksichtsvolles Vorgehen. Doch es hilft nichts: Bis zum 31. Januar muss man also entweder eine eigene Satzung vorlegen oder die neuen Regelungen zum Abstandsflächenrecht übernehmen, mit denen eine Nachverdichtung erleichtert und der Flächenverbrauch wesentlich verringert werden soll, so die Idee.

Geringere Abstände wirken sich auf Wohnqualität und historisches Stadtbild aus

Dass die Notwendigkeit des Flächensparens und die Anpassung bebauter Siedlungen an den Klimawandel genauso außer Frage stehen wie die Tatsache, dass eine pauschale Verringerung der Abstandsflächen auch die Nachverdichtung fördert, war für Verwaltung und Stadträte klar. Das große Aber: Geringere Abstände zwischen den Gebäuden wirkten sich auf die Wohnqualität und auf das historische Bild der Städte aus, hätten zudem für das Stadtklima unerwünschte Nebeneffekte und gingen zulasten des wertvollen städtischen Grüns. Es gab also zahlreiche Argumente des Für und Wider einer solchen Satzung abzuwägen, Diskussionen und Nachfragen waren im Stadtrat zahlreich.

Im Endeffekt stimmte der Stadtrat der vorgelegten eigenen Satzung mit 23:11 Stimmen zu, in der festgelegt ist, dass als Abstandsfläche zwar nicht „1 H“, also die Wandhöhe des Gebäudes, sondern 0,8 H eingehalten werden muss. Die Novelle der Bayerischen Bauordnung sieht einen Wert von 0,4 H vor. Durch die Vorgabe in der Satzung der Stadt werde sichergestellt, dass es zu keiner Verschärfung der bisherigen Rechtslage komme, so die Begründung. Mit dieser Regelung, so ist man sich sicher, komme man sowohl den Anforderungen an eine gute Wohnqualität als auch dem Willen zur Nachverdichtung nach.

Evaluierung und gegebenenfalls Anpassungen nach einem Jahr geplant

Weil mit dieser Satzung und Regelung auch die im STEP 2030 vorgesehene Nachverdichtungsstudie zusammenhängt, weil zudem in Freising als einer von acht Modellkommunen in Bayern ein Klimaanpassungskonzept 2050 – kurz: Klaps 2050 – erarbeitet werden soll, wird man die neue Abstandsflächensatzung nach einem Jahr evaluieren, um zu sehen, ob und wie sich die Vorgaben bewährt haben. Dann könnten noch Anpassungen in der Satzung vollzogen werden.  

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