Engagierte Bürger haben Berge von Müll aus der Moosach geangelt
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Reichlich „Ernte“ aus der Moosach gezogen hat der Furtnerwirt Ludwig „Zottl“ Dinzinger (rechts neben Schirm) mit seinen Schützlingen (hinten, v. l.) Hans, Philipp und Eva sowie (vorne kniend) Amelie, Regina und Anna. Installiert haben sie den Müll, darunter rund 300 Flaschen, in der Innenstadt, wo demnächst die Moosach geöffnet wird.

Vom Sonnenschirm bis zum Sofa-Tisch

„Das ist erschreckend“: Engagierte Bürger angeln in kürzester Zeit Müllberge aus der Moosach

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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Binnen kürzester Zeit haben Umweltschützer Berge von Müll aus der Moosach gefischt und in der Stadt ausgestellt. Freisinger Passanten reagierten prompt.

Freising/Marzling – Es kommt selten vor, dass Erfolg frustriert. Im Fall von zwölf Bürgerinnen und Bürgern aus Freising und Marzling trifft das aber zu: Sie haben am Samstag mit Booten die Moosach abgefahren und Müll aus dem Fluss gefischt. Was sie an Bergen von Abfällen aus dem Wasser gezogen haben, ist frappierend und lässt auch die Bevölkerung nicht kalt.

„Es ist erschreckend, welche Mengen an Müll in der Moosach schwimmen“, sagt Ludwig „Zottl“ Dinzinger, der die Aktion im Rahmen des World-Clean-up-Days mitinitiiert hat. Der Furtnerwirt und seine sechs Mitstreiter fuhren mit dem Boot die Moosach entlang des Fürstendamms von der Bahnhof- bis zur Ottostraße in Freising ab, bereits nach 250 Metern war ihr Boot voll. Binnen zwei Stunden zogen die Müllfischer einen Riesensonnenschirm, ein Fahrrad, Einkaufskörbe, etlichen Plastikmüll und rund 300 leere Flaschen an Land, allein 120 kleine Schnapsflaschen.

Um Abfall herauszuholen, stiegen die Umweltschützer ins Wasser

„Die Enttäuschung bei uns ist groß, weil wir eigentlich viel mehr abfahren wollte als nur 250 Meter“, sagt Dinzinger. Als das Boot rappelvoll war, blieb den Umweltschützern nichts weiter übrig als abzubrechen. „Denn wir müssen das alles ja auch sortieren und entsorgen.“

Sogar einen Sofatisch mit Glasoberfläche zogen die Moosach-Müllreiniger am Samstag aus dem Fluss. Mit dabei: Ludwig Manlik (vorne im Boot) und Thomas Waschulzik sowie im Hintergrund Heike Röttgers.

Ähnliche Erfahrungen machte auch der Rest des Einsatztrupps. Denn vom Neustifter Wehr aus machten sich ebenfalls fünf Tatkräftige auf, um den Fluss Richtung Marzling von Abfall zu befreien. „Wir waren sehr erfolgreich, und das war zugleich auch sehr frustrierend“, berichtet Christoph Bergsteiner von den Marzlinger Grünen. Problematisch sei es gewesen, dass mehrere Bäume quer im Wasser gelegen seien, in denen sich auch Müll verhakt habe. Um den Abfall aus dem Dickicht zu befreien, mussten die Helferinnen und Helfer ins kalte Wasser steigen. „Lustig war das nicht.“

Freisinger diskutieren und schimpfen

Am Ende kamen vier Kisten Unrat zusammen – Glasflaschen, Plastikmüll, Schuhe, Styropor und Spielzeug, berichtet Bergsteiner. „Besonders gefreut haben wir uns, dass wir einen Glastisch, den wir schon beim letzten Mal gesehen haben, endlich bergen konnten.“

Dinzinger hat die „Ernte“ seines Trupps am Samstag für ein Pressefoto auf der Oberen Hauptstraße aufgebaut – in unmittelbarer Nähe zu der Stelle, an der die bis dato unterirdisch geleitete Moosach künftig offen durch die Innenstadt fließen soll. „Etliche Leute sind stehen geblieben, haben die Abfallberge fotografiert, sind ins Diskutieren gekommen, haben geschimpft und konnten es schlichtweg nicht glauben, dass solche Ausmaße an Müll in der Moosach schwimmen“, berichtet Dinzinger. Tenor der Leute: „Was sind das nur für Hammeln, die das machen?“ Und: „Warum tut die Stadt so wenig dagegen?“

Initiator der Aktion appelliert an die Menschen

Das aber führt in die falsche Richtung, findet Dinzinger. „Schimpfen ist einfach. Es geht darum, selbst was zu tun.“ Und so appelliert er an alle, selbst mal zu Handschuhen und Müllsäcken zu greifen und bei Spaziergängen entlang der Moosach Unrat einzusammeln. „Damit wäre schon viel geholfen.“

Eine andere Sorge, die Passanten ebenfalls äußerten, teilt Dinzinger nicht: dass die Moosach-Öffnung zu mehr Müll in der Innenstadt führt. „In dem Bachbett, in dem wir am meisten Abfall eingesammelt haben, gibt es keine Sozialkontrolle, weil rundherum Büsche stehen“, erklärt er. „In der Innenstadt sind viel mehr Leute unterwegs. Und wer unter Beobachtung steht, schmeißt da nicht einfach den Abfall rein.“

Furtnerwirt droht mit Hausverbot

Er selbst würde Konsequenzen ziehen, wenn er jemanden dabei erwischen würde. „Die Moosach wird quasi vor der Haustür meines Lokals vorbeifließen. Wenn ich da jemand sehe, wie er Abfall ins Wasser wirft, erhält er beim zweiten Mal bei mir Hausverbot. Das ziehe ich durch.“

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