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„Leichter hat es uns das nicht gemacht“: Unbekannter verteilt 300 Eicheln – und stört so Arbeiten massiv

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Vier Wochen lang zupfen sieben junge Erwachsene vom Internationale Jugendgemeinschaftsdienst im Freisinger Moos jene Pflanzen aus, die nicht dort hingehören. Dabei mussten sie heuer ihre Arbeit unterbrechen: Ein Unbekannter hatte 300 Eicheln ausgestreut. Und die mussten mühselig wieder eingesammelt werden.
Vier Wochen lang zupfen sieben junge Erwachsene vom Internationale Jugendgemeinschaftsdienst im Freisinger Moos jene Pflanzen aus, die nicht dort hingehören. Dabei mussten sie heuer ihre Arbeit unterbrechen: Ein Unbekannter hatte 300 Eicheln ausgestreut. Und die mussten mühselig wieder eingesammelt werden. © MAINO

Im Freisinger Moos gibt es viel zu tun, um heimische Pflanzen zu schützen. Zusätzlich hat ein Unbekannter den Helfern noch mehr Arbeit aufgehalst.

Freising – Vier Wochen lang kümmern sich aktuell sieben junge Erwachsene vom Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (IJGD) wieder einmal darum, fremde „Stör-Gewächse“ (Neophyten) aus dem Freisinger Moos zu holen. Sie zupfen also emsig jene Pflanzen aus, die eigentlich gar nicht dorthin gehören und die heimischen Gewächse unterdrücken – was letztendlich der Biodiversität und dem Grundgedanken von einem gesunden Moor schadet.

Freising: Unbekannter verteilt Eicheln - „Ich kann nicht sagen, ob uns jemand ärgern wollte“

Dieses Jahr bekam es der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Freising, Matthias Maino, neben den Neophyten aber auch noch mit höchst mysteriösen Fundstücken zu tun. „Ich kann es nicht sagen, ob es jemand gut gemeint hat und einen Wald anlegen oder ob uns jemand ärgern wollte“, erklärte Maino auf FT-Nachfrage.

Hintergrund: Während der Arbeiten auf dem Moor-Areal mit den jungen Erwachsenen vom IJGD waren Eicheln gefunden worden – und zwar rund 300 Stück. Dass diese dort bewusst verstreut worden waren, dessen ist Maino sicher. Allerdings hat er keine Ahnung, wer so etwas macht. „Da wäre ich jetzt gern Columbo“, erklärte Maino. Eines weiß er jedenfalls genau: „Leichter hat das uns die Arbeit nicht gerade gemacht, weil wir sie alle haben einsammeln müssen. Wenn die liegen bleiben, gehen die ja ab wie Raketen.“

Freiwillige kümmern sich ums Freisinger Moos: Damit heimische Pflanzen wieder eine Chance haben

Dabei seien ja schon die Neophyten alleine eine harte Nuss und bedürften einer jährlichen „Spezialbehandlung“ – und zwar händisch. Ziel ist es nämlich, die rund 500 fremden Arten so zu minimieren, dass heimische Pflanzen wieder eine Chance haben zu wachsen. Leichter ginge es freilich mit einer Beweidung, allerdings sei dafür aktuell der Boden zu matschig, wie Maino erklärte. „Da müsste ich dann in einer Stunde die Feuerwehr anrufen, um die Tiere rausziehen zu lassen.“

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Was beim händischen „Auszupfen“ dazukommt, sei ein relativ enges Zeitfenster, um einen weiteren wichtigen Schritt zu vollziehen: „Durch die Arbeiten entsteht im Boden sozusagen eine Wunde – und da siedeln sich ganz schnell wieder Weiden an.“

Freising: Kampf gegen die Neophyten - „Wir spielen da ein wenig Pflanzendoktor“

Um ein erneutes Neophyten-Wachstum in den gesäuberten Erdstellen zu vermeiden, haben die freiwilligen Helfer aus sechs Ländern dort beispielsweise zuvor gesammelte Mehlprimel-Samen oder Mähgut von anderen Flächen als Schutz eingebracht. „Wir spielen da ein wenig Pflanzendoktor, aber es ist immer auch ein Wettlauf gegen die Zeit“, betonte Maino. Am einfachsten wäre natürlich die immer wieder angeführte Beweidung, durch die eben auch verschiedenste Pflanzenarten, wie die äußerste seltene sibirische Schwertlilie, eine weitere Verbreitung in der regionalen Moorlandschaft finden könnten. Die Rechnung ist nämlich eigentlich ganz einfach: „Durch beispielsweise Wanderschäferei entsteht ein Biotopverbund – allerdings wurde das in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zurückgedrängt. Es ist ganz simpel und effektiv: Die Tiere fressen die Pflanzen und scheiden den Samen an einer anderen Stelle wieder aus.“

Was Matthias Maino neben der Wiederentdeckung der Sumpfschrecke, einer äußerst seltenen Heuschreckenart, in Freising überaus freut, ist der Umstand, dass die jungen Leute vom IJGD wieder mal dem Landschaftspflegeverband unter die Arme greifen. „Hier findet ein Austausch statt“, resümiert Maino, „von dem letztendlich alle profitieren.“
Richard Lorenz

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