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Untreue in 100 Fällen: Bewährung für ehemalige Mitarbeiterin der Stadt Freising - „Schäme mich zu Tode“

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Vor der Justiz verantworten musste sich eine 80-Jährige wegen Beleidigung und Nötigung.
Eine Mitarbeiterin der Stadt Freising hat über 30.000 Euro veruntreut. Symbolbild © Archiv

Jahrelang hat eine Mitarbeiterin der Stadt Freising, die für die Vergabe von Sozialwohnungen zuständig war, Gelder veruntreut. Nun stand sie vor Gericht.

Freising – Von einer „Spirale“ hat eine ehemalige Angestellte der Stadt Freising am Mittwoch vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Landshut gesprochen. „Die Leute sind zu mir gekommen und haben mir das Geld in die Hand gedrückt“, so die heute 60-Jährige, die für die Vergabe von Sozialwohnungen und Notunterkünften zuständig war. Als sie mal wieder knapp bei Kasse gewesen sei, habe sie eine Mietzahlung behalten – mit dem „festen Vorsatz“, diese alsbald an die Stadt weiterzuleiten. Daraus wurde aber nichts: „Ich schäme mich zu Tode“, sagte die gelernte Bürokauffrau und räumte den angeklagten Sachverhalt ein, wonach sie von 2014 bis 2019 insgesamt 30 688 Euro veruntreut hat.

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„Das war kein Kavaliersdelikt mehr“, sagte Richter Christian Lederhofer in der Urteilsbegründung. Das Schöffengericht hatte der 60-Jährigen allerdings eine eingeschränkte Schuldfähigkeit aufgrund einer jahrelang anhaltenden depressiven Störung mit einer einhergehenden Kaufsucht zugutegehalten. Zudem, so Lederhofer, habe es der Dienstherr der Angeklagten leicht gemacht. Über Jahre hinweg habe niemand ihren Arbeitsbereich geprüft. Die Angeklagte wurde schließlich wegen Untreue in 100 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Alles kam durch eine Lüge auf

Staatsanwalt Matthias Zweck hatte in seinem Plädoyer von einer „fortlaufenden Einnahmequelle“ gesprochen, die sich die Angeklagte geschaffen habe, und eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft hatte Verteidiger Ralf Roth an einem gewerbsmäßigen Handeln seiner Mandantin gezweifelt und eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten als ausreichend erachtet. Beide Seiten waren sich aber in ihrem Unverständnis einig, wie über einen derart langen Zeitraum niemandem auffallen konnte, dass bei einer Warteliste von 400 Personen zahlreiche Wohnungen vermeintlich leer standen beziehungsweise Mietzahlungen von bewohntem Raum nicht geleistet wurden.

Aufgekommen war das Ganze nur durch eine Lüge: Eine Frau war unter anderem beim Oberbürgermeister vorstellig geworden und hatte behauptet, ihre Mutter hätte ihre Sozialwohnung nur gegen Geldzahlungen an die Angeklagte bekommen. Später hatte sie ihre Lüge eingeräumt. Aber auch in der Islamischen Gemeinde sei getuschelt worden, man bekomme von der Angeklagten nur eine Wohnung, wenn man zahle, so ein ermittelnder Kripobeamter vor Gericht. Am Ende habe man eine Bestechlichkeit nicht nachweisen können. Bei der Wohnungsdurchsuchung habe man in der Handtasche der 60-Jährigen allerdings ein Kuvert von einer Mieterin mit 575 Euro gefunden. Die Angeklagte habe bei ihrer Vernehmung angegeben, sie hätte das Geld am nächsten Tag eingezahlt. „Doch da war der Ball ins Rollen gekommen.“

Frau in Therapie: „Heute weiß ich, dass ich krank war“

Seit zwei Jahren befindet sich die 60-Jährige, der Anfang 2020 fristlos gekündigt wurde, auf eigene Initiative hin in Therapie. Sie sei froh, dass alles aufgekommen sei. „Heute weiß ich, dass ich krank war.“ Sie habe ihr Arbeitsumfeld als negativ empfunden und zu trinken begonnen. Wenn sie sich was gekauft habe, sei es ihr kurzzeitig besser gegangen. Der Landgerichtsarzt bestätigte eine depressive Störung mit Angstzuständen, eine Kaufsucht sowie einen erheblichen Alkoholmissbrauch. Eigenen Schätzungen zufolge begann die 60-Jährige im Jahr 2011, städtische Gelder zu veruntreuen. Taten in diesem Zeitraum sind allerdings verjährt.

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