Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus auf einem Bett.
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Frauenhäuser sind oft die letzte Rettung für Frauen, die häusliche Gewalt erleiden. (Symbolbild)

Politik will tätig werden

Unzumutbare Umstände im Frauenhaus Freising: Kreisratsmitglied spricht von „Armutszeugnis“ für Landkreis

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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„Unzumutbar, viel zu eng.“ So beschreibt Beate Drobniak die Situation im Freisinger Frauenhaus. Landrat und Kreisräte wollen tätig werden.

  • Das Frauenhaus Freising hatte im Jahr 2019 143 Anfragen von Frauen, die häusliche Gewalt erlitten hatten.
  • Aufgenommen werden konnten gerade mal zwölf Frauen.
  • Ein Kreisrat spricht von einem „Armutszeugnis“ für den Landkreis, der nun aber aktiv werden will.

Freising - Die Vorständin des Diakonischen Werks stieß im Sozialausschuss auf offene Ohren. Der Landkreis macht sich auf den Weg zu mehr Frauenhaus-Plätzen. Sogar ein Neubau ist denkbar. Seit 30 Jahren gibt es das Frauenhaus Freising, die Diakonie als Träger kann derzeit maximal fünf Frauen und zehn Kinder dort aufnehmen. Doch das ist viel zu wenig.

2019 konnten bei 143 Anfragen nur zwölf Frauen dort unterkommen, berichtete nun Drobniak im Sozialausschuss des Landkreises. Zudem könne man aufgrund der räumlichen Situation keine männlichen Jugendlichen im Alter von über 14 Jahren aufnehmen. Und man erfülle auch nicht die Anforderungen der EU oder des Freistaats nach der Anzahl der Plätze pro Einwohner. Kurz: So könne es nicht weitergehen.

Der Platzbedarf ist immens - Situation „schreit nach Lösungen“

Drobniak warb von den Kreisräten eindringlich dafür, ein anderes Gebäude anzumieten, das vom Platzbedarf her auch für einen weiter wachsenden Landkreis ausgelegt sei und in dem jedes Zimmer zumindest eine eigene Waschmöglichkeit habe, oder gleich für einen adäquaten Neubau eines Frauenhauses. Die große Vision wäre ein „Kompetenzzentrum gegen häusliche Gewalt“.

Diese Vision war Landrat Helmut Petz aber zu weit entfernt: „Wir brauchen konkrete Lösungen.“ Die derzeitige Situation „schreit nach Lösungen“. Kurzfristig könne hier die Anmietung von Wohnungen als sogenannte „Second-Stage-Plätze“ helfen, um so die Aufenthaltsdauer der Frauen mit ihren Kindern im Frauenhaus zu verkürzen. Mittel- und langfristig müssten freilich die Kapazitäten erweitert werden. Wie Petz ebenfalls sagte, gebe es für einen Neubau „erstaunlich hohe Zuschüsse“.

Robert Wäger (Grüne): „Die Zeit drängt.“

Auch die Kreisräte waren sich einig, dass man unbedingt tätig werden müsse: Robert Wäger (Grüne) sprach davon, dass dies ein Thema von „immenser Wichtigkeit“ sei, man müsse schnell vorwärtskommen, „die Zeit drängt“. Architektonisch könne er sich einen Neubau in Form eines Boardinghauses gut vorstellen.

Albert Schindlbeck (Linke) bezeichnete die Lage, wie sie Drobniak geschildert hatte, als „Armutszeugnis“ für einen Landkreis, dem es doch so gut gehe. Der Neubau eines Frauenhauses wäre doch eventuell eine lohnende Aufgabe für die wiederbelebte Landkreis-Wohnbaugesellschaft, um so die „furchtbare Situation“ zu beheben. Herbert Bengler (SD) kritisierte Gregor Wild (CSU) für dessen Hinweis darauf, dass man bei Lösungen auch den finanziellen Aspekt im Blick haben müsse: „Bei Straßenbauprojekten fragen wir uns nie, ob wir uns das leisten können.“

Albert Schindlbeck (Linke): „Das ist ein Armutszeugnis.“

Die Verwaltung wurde einstimmig mit der Prüfung beauftragt, wie die Kapazität von Frauenhaus-Plätzen erfolgen könne, ob die Anmietung von „Second-Stage-Plätze“ möglich sei, und ob man künftig das anonyme Schutzkonzept weiter beibehalten solle (die Adresse des Frauenhauses ist geheim) oder auf ein offenes Schutzkonzept setzen solle. Im Juli soll es bei der nächsten Sitzung erste Antworten geben.

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